Hallo Bernhard, all, (Achtung, langer Text!!)
Am 10.10.2010 12:11, schrieb Bernhard Dippold: [..] > Ich meinte hier, dass auch das harmonischste Gespräch zwischen den > beiden Teilen der Community zu keinem Ziel führen wird. Die Entscheidung > über eine gemeinsame Zukunft unter dem Dach einer Foundation liegt beim > Management von Oracle. Sorry, hier widerspreche ich. Das "Management" von Oracle ist nicht involviert und entscheidet hier von sich aus gar nichts. Warum sollte es? Allerdings ist der Disput hier tatsächlich wenig fruchtbar - beide Teile reden hier irgendwie aneinander vorbei. Ich will das mal aus der Sicht eines "Unternehmensberaters" versuchen zu schildern: Sun hat mal die StarDivision als strategisches Investment gekauft - und sich mit dem Produkt "StarOffice" versucht einen Markt zu schaffen. Im Grunde aber war der Bereich "StarOffice/OpenOffice.org" im Gesamtprotefolio einer am Markt agierenden Firma eher unbedeutend und für Börenkurse und -werte wenig ausschlaggebend. Was dort also passierte, wurde sicher wahrgenommen - aber sicher nicht mit hoher Priorität. Also fehlte der gesamten Truppe ein "echter" Marktdruck, auch wenn er hier und da aufblitzte. Das Tagesgeschäft war eben nicht so abhängig von "Verträgen" etc, wobei natürlich diese sehr wohl hätten immer da sein müssen. Für den Berater stellt sich dann natürlich irgendwann die Frage, warum die (kommerzielle) Marke "StarOffice" aufgegeben wurde zugunsten der Marke "OpenOffice.org". Es zeigt sich dann schnell: Hier hat der Markt entschieden. Die Kunden konnten eben keinen Vorteil im StarOffice erkennen, Support- und andere Verträge waren offensichtlich nicht "wohl plaziert" und "attraktiv", dass Kunden diese als Vorteil gesehen hätten. Das kann am Produkt - aber eben auch an fehlenden Marketing oder fehlenden Verkaufsstrategien gelegen haben. Möglicherweise auch ein Ergebnis interner Organisationsschwächen. Jetzt kommt Oracle und kauf die Firma Sun. Und Oracle kaufte diese Firma nicht, weil sie ein so tolles Produkt "OpenOffice.org" besaßen oder dort einen soooo großen Marktanteil hätten, dass es sich strategisch lohnen könnte für Oracle - nein, Oracle kaufte Sun aus ganz anderen Gründen. Die kleine Abteilung in Hamburg und anderswo, die sich mit OpenOffice.org beschäftigte, war eben "Beiwerk", eine "Zugabe". Was macht nun eine Firma, wenn Sie eine andere gekauft hat: Integration in die eigene Struktur, Förderung der Synergien, Investition in Zukunftsfelder - aber auch: Abstoßen von nicht mehr passenden Teilen (mit möglichst hohen Erlösen). OK, schaun wir auf OpenOffice.org. Strategisch für Oracle zunächst schwer einzuschätzen, aber auch nicht wirklich wichtig (und viel zu klein), also erst mal "laufen lassen". Man macht eine "Business-Unit" daraus, die selbstständig Erträge erwirtschaften muss und sich auch intern "verkaufen" und durchsetzen muss. Und dann mal sehn. Und genau die Phase haben wir jetzt. Völlig unwichtig, ob es da eine Community oder so gibt, ob es da "Empfindlichkeiten" oder "Ängste" (auch bei eigenen MA) gibt - das alles spielt doch zunächst für ein Integrationsmanagement (Sun in Oracle integrieren) überhaupt keine Rolle. Wenn die Community heute Oracle einläd, sich zu beteiligen - was heisst das denn konkret? Ein Top-Manager von Oracle soll sich dazu äußern? Der weiss gar nichts von den Prozessen noch kennt er die Personen. Und die Aktionäre von Oracle? Wurden die eingeladen? Und was sollten sie tun? Nein, eine Einladung ging quasi an die MA, die sowieso schon mit "OpenOffice.org" zu tun haben, an das "Mittelmanagement" - und die jetzt zwischen zwei Stühlen sitzen: Sie müssen Ihre Arbeit "intern" verkaufen und natürlich auch "extern", also Gewinne erwirtschaften. Und entscheiden können sie doch eigentlich auch nichts. In solchen "Integrationsszenarien" (Sun in Oracle) stehen so juristische Sachen wie "Markenrecht" und "Logos" nicht im Entscheidungsbereich des BU Manager - das machen dann die Juristen. Nur die Manager müssten es anstossen - sie müsssen die Visionen Ihrer Business Unit nach oben hin "verkaufen" und die notwendigen Mittel anfordern - und überzeugend sein. Und das interne "überzeugen" ist oft aufwendiger als einen Kunden zu überzeugen, aber beides erfordert viel Kraft und viel "Können". Eigentlich hätte die Gründung der Foundation direkt aus diesem Kreis kommen müssen - als Vision einer "blühenden" Business Unit im Oracle-Team. Von hier hätten die "offenen" Arme zu Mitstreitern kommen können - und zwar schon vor etwa einem halben Jahr. Jetzt kommen die Visionen aber von dritten Personen (aus der Community), die auch gleich Entscheidungen getroffen haben. Der Zug rollt - ist zwar immer noch Zeit genug, aufzuspringen, aber es wird von Tag zu Tag schwieriger, ohne Frage. Nur können hier die meisten auf der Liste keine überzeugenden Argumente und Visionen für ein Oracle Management formulieren (die diese dann widerum den Aktionären gegenüber vertreten könnten) - ist auch nicht der Sinn oder die Aufgabe einer Community. Das ist die Aufgabe des mittleren Managements, eben der BU Oracle Open Office. Diese hätten sich natürlich Anregungen aus der Community holen können - falls sie die bräuchten, und könnten das wahrscheinlich immer noch tun. Die Diskussion bisher hier ist jedoch wenig hilfreich - und auch hier kann ich als Berater nur sagen: Verbale Verteidigungen und festhalten an Strukturen hilft wenig - veränderte Rahmenbedingungen erfordern neue Lösungen - packt es an und macht etwas daraus. Und nochetwas: "Oracle" fällt keine Entscheidungen - es sind immer Personen, die entscheiden. Ein Management von Oracle wird nur dann etwas entscheiden, wenn ein entsprechender "Antrag" vorliegt - und die potentiellen Lösungen fundiert begründet werden. Nur: Die Community (und das ist egal, wie ihr sie definiert), kann eine solche Entscheidung nicht herbeiführen - wohl aber eine Business-Unit (bzw. der entsprechende Vertreter/Verantwortliche). Viele Grüße Thomas -- ## Marketing deutschsprachiges Projekt ## http://de.openoffice.org - www.openoffice.org ## Vorstand OpenOffice.org Deutschland e.V. ## Mitglieder willkommen: www.OOoDeV.org --------------------------------------------------------------------- To unsubscribe, e-mail: [email protected] For additional commands, e-mail: [email protected]
