> Was die Vertraulichkeit angeht könnte ein Abstraktionsschritt helfen. > Statt einer Wortliste weiterzugeben könnte man aus den Rohdaten die > Häufigkeit der einzelnen Buchstaben und der Digramme extrahieren und nur > diese weitergeben. Dabei geht natürlich einige Information verloren, > die zur Beurteilung eines Layouts nützen könnte (z. B. kann man die > Länge der Handeinsätze nicht mehr rekonstruieren). Andererseits sind > solche simplen 1D- und 2D-Tabellen kompakt und effizient, daher gut > zur Verwendung in automatischen Optimierern geeignet.
Nehmen wir an, dass es technisch möglich wäre, einen Keylogger zu schreiben, der sämtliche Wörter aufzeichnet, die man in einem bestimmten Zeitraum getippt hat. Wenn man sich im Rahmen eines Entwicklungsvorgangs dazu entscheidet, eine solche Wortliste als Anhang per Email an die Neo-Entwickler zu schicken, die passenderweise in Unicode-Textformat vorliegen könnte, und zwar mit einem Wort in jeder Zeile sowie die Häufigkeit dieses Wortes, dann wäre es ein leichtes, die Liste vor dem Versand mit einem Editor zu öffnen und die Zeilen zu entfernen, die bestimmte Wörter enthalten (Passwörter, Name der Freundin, Bankkontonummer, Internetadresse von Kinderporno usw.). Ein Keylogger kann aber theoretisch mehr als das. Er kann auch sämtliche Backspace- und Funktionstasten (und Pfeiltasten usw.) loggen und somit einen Eindruck der Gesamttätigkeit des Prüflings geben, darunter auch die am häufigsten begangenen Tippfehler einer bestimmten Tastatur. Professor Dvorak machte aus der Fehleranalyse seinerzeit eine große Nummer. Mit dem richtigen Keylogger-Programm kann man also machen, was man will. Eine Wortliste ist aber nicht so dumm. Die Buchstabenhäufigkeit ist sicher wichtig, die Digramme auch. Doch sind dabei natürlich die tatsächlichen Digramme wiederum von der Tastaturbelegung abhängig (Fingerwiederholungen). Was die Handeinsätze angeht, ist nicht nur die Länge interessant, sondern eine Auflistung der Handeinsätze gibt Aufschluss darüber, was die Hand tatsächlich macht, wenn sie eingesetzt wird. Nehmen wir mal an, dass man unter dem rechten Mittelfinger das N hat, unter dem linken das E. Jetzt fällt es dem Entwickler ein, diese zwei zu tauschen. Aus welchem Grund auch immer. Er tauscht dann gleich die ganze Fingersäule aus – alle drei Buchstaben, die auf dem rechten Mittelfinger liegen kommen jetzt auf den linken und umgekehrt. Sehen wir nun, was das für die Punktezuordnung bedeuten könnte: Die im Text vorkommenden Digramme sind die gleichen. Falls das Auswertungsprogramm Punkte für die Lage der Buchstaben vergibt, sind die Punkte nach besagtem Tausch identisch. Was vorher Mittelfinger unten war ist auch nachher Mittelfinger unten (nur auf der anderen Seite). Falls das Auswertungsprogramm Punkte für die Fingerwiederholungen vergibt, sind die Punkte nach dem Tausch auch identisch. Früher wiederholte sich der eine Mittelfinger, jetzt tut es der andere, die Punkte sind aber gleich. Je nachdem, was das Auswertungsprogramm noch für Punkte vergibt, wird die besprochene Vertauschung nur Punkte für die Handeinsatzlänge geben. Es sei denn, dass Punkte für „Auswärtsrolle“, „Einwärtsrolle“, „Richtungswechsel“ oder so vergeben wird. Dann ändern sich die Punkte. Oder falls das Auswertungsprogramm Punkte für „Schiefheit“ vergibt, dass die eine Hand mehr benutzt wird als die andere. Man kann also in einer Situation enden, wo man zwei Tastaturen hat, die gleich viel Punkte haben, die aber irgendwie „unterschiedlich“ in der gefühlten Griffigkeit haben. Da hilft dann die Analyse der tatsächlichen Handeinsätze. Man lässt sich die auflisten und nach Häufigkeit sortieren. Und schon erkennt man, dass zwei Tastaturen ganz unterschiedlich sind, weil der Schreiber etwas ganz anderes machen muss. Dafür braucht man eine Liste mit ganzen Worten, nicht aber sämtliche Tastendrücke. Interessant wäre theoretisch ein Keylogger, den man per Mausklich ein- und ausschalten kann. Der ist dann wissenschaftlich nicht so ergiebig, weil er nicht registriert, was der Prüfling macht, sondern was der Prüfling zugibt, dass er macht. Geht es anders? Ulf
