Hi Matthas, 

> Warum? Genauso hättest Du doch nach Erlernen von Qwertz dafür plädieren
> können, doch bitte keine weiteren Verbesserungen anzubringen, um den
> Lernaufwand nicht zu entwerten.

Hauptsächlich weil ich vermute, dass ich in ein paar Jahren weniger Zeit 
haben werde, neue Layouts zu lernen als heute. 

Ich bin selbst schon am Basteln an Neo (scheint wie bei Esperanto zu sein: 
Sobald man es mal gelernt hat, ist die Versuchung groß, immer weiter zu 
probieren), aber ich weiß, dass ich mir ein immer-weiter-basteln nicht ewig 
leisten können werde. 

Ich komme mit QWERTZ auf etwa 400 Anschläge pro Minute und jetzt nach etwa 4 
bis 6 Wochen 20 - 40 min Neo am Tag auf etwa 120 in Neo. Und gerade 
Kurzbefehle sind mir so in ihrer QWERTZ-Form ins Blut übergegangen, dass ich 
beim Beschreiben der Tätigkeit fast automatisch den Kurzbefehl nutze, auch 
ohne Tastatur. Daher rechne ich damit (und hoffe), dass das bei Neo auch 
irgendwann so wird. Aber das braucht deutlich über 6 Wochen, weil es 
zumindest bei mir teilweise schon Reflexe sind. 

Was übrigens für oft genutzte Zweierfolgen auch gilt - ich habe irgendwann 
aufgehört zu zählen, wie oft ich in Neo statt "er" ein "lc" getippt habe. 

Und auch shell-Befehle (wget, ls, cd, cp, hg ci -m, ...) sind problematisch. 

Deswegen habe ich ein paar Tests gemacht, wie stark sich Neo optimieren 
lässt, ohne die Grundreihe zu ändern. Die ist nämlich der Teil, der mir nach 
ein paar Jahren Neo wohl die Größten Neulernschwierigkeiten bereiten wird. 

Als Beispiel: Neo / QWERTZ haben bei mir die folgenden Werte: 

Neo
0.0523167950352 % finger repeats in file 2gramme.txt
1.94298448139 mean key position cost in file 1gramme.txt
Qwertz for comparision
0.0693710457347 % finger repeats in file 2gramme.txt
3.11621325676 mean key position cost in file 1gramme.txt

Wenn ich die Grundlinie festhalte und das Skript 1000 zufällige 
Mutationsschritte testen lasse (mit Neo als Startwert), komme ich z.B. auf 
das Layout: 

Evolved Layout
[['^', '1', '2', '3', '4', '5', '6', '7', '8', '9', '0', '-', '`', ()],
 [(), 'v', 'h', 'g', 'c', 'z', 'f', 'l', 's', 'b', 'p', 'ß', '´', ()],
 [(), 'u', 'i', 'a', 'e', 'o', 'm', 'n', 'r', 't', 'd', 'j', (), '\n'],
 [(), (), 'ü', 'ö', 'ä', 'y', 'q', 'x', 'w', ',', '.', 'k', ()],
 [(), (), (), ' ', (), (), (), ()]]
0.0333672535189 % finger repeats in file 2gramme.txt
1.86939555304 mean key position cost in file 1gramme.txt

Das sind schonmal 36% weniger Fingerwiederholungen als Neo, trotz fast 
gleicher Grundreihe (die Zeichen unter den Fingern, das o und die Umlaute 
bleiben gleich). 

Ohne die Grundreihe festzuhalten komme ich mit 5000 Mutationen auf Werte 
ähnlich wie die hier: 
0.0237746305623 % finger repeats in file 2gramme.txt
1.8421897047 mean key position cost in file 1gramme.txt


(Ich kann mit dem Skript fast beliebige Einschränkungen einfügen und es dann 
optimieren lassen. Allerdings sind die Optimierungsparameter aktuell recht 
willkürlich: Ulfs Tastenkosten leicht angepasst + Fingerwiederholung kostet 
zusätzlich zur Taste nochmal 5x so viel wie eine Taste der Grundreihe. 


Was ich aber trotz aller Anpassungsschwierigkeiten schon jetzt nicht mehr 
missen möchte ist die Dritte Ebene mit (){}[]<> :) 

Und die griechischen Zeichen werden wohl bei meiner Diplomarbeit sehr 
nützlich sein. 

> Es wird auch für zukünftige Betriebssysteme etwas
> wie AHK, Microsoft Keyboard Layout Creator oder sein Pendant unter Mac OS
> X oder einem anderen Betriebssystem geben, dem du mit vergleichsweise
> wenig Aufwand dein eigenes, bis dahin fast ausgestorbenes Layout
> beibringen kannst. 

Vergleichweise wenig Aufwand ist leider relativ. Ich hoffe, dass es 
irgendwann ohne Aufwand geht, aber dafür muss das Layout „offiziell“ 
supported sein, sonst verschwindet es irgendwann, z.B. wenn ein neuer Weg 
auftaucht, seine Tastenbelegung anzupassen. 

Außerdem kann ein neues Layout bei Leuten, die einfach ihr Tippen optimieren 
wollen, nur dann an Schwung gewinnen, wenn es eine einmalige Investition 
ist, die ihnen für lange Zeit einen Vorteil verschafft. 

> Ein Problem, das ich sehe, ist die vollkommen unterschiedliche Vorstellung
> der Neo3-Entwickler von den Zielen ihrer Tätigkeit … Optimierung
> der Buchstabenebene … Reduktion der zu verwendenden
> Tasten im Sinn … eine neue
> Tastatur entwickeln … „Optimale Lage von Strg+x,c,v“. 

Klingt, als würde das noch etwas dauern... 

Wobei ich mir auch gut vorstellen kann, ein Neo2 zu haben, und dazu einige 
spezialisierte Layouts, die erstmal ein paar Jahre getestet werden. Die 
Gefahr ist halt, dass dann alle Entwickler auf NeoX wechseln, und so neue 
Nutzer nicht mehr so effizient Neo2 lernen können. Eine Infrastruktur, die 
die Normalbevölkerung erreichen soll, braucht Zeit, um sich zu entwickeln. 

>> Außerdem denke ich, dass bei aller Optimierung die „Lernbarkeit“ im Auge
>> behalten werden sollte. Aktuell macht das Neo mMn verdammt gut. z.B. ist
>> der Ansatz mit den Vokalen auf der Grundreihe links dafür klasse.
> 
> Ich selbst habe in den letzten 20 Monaten 6 Mal umgelernt, und ich muss
> sagen, dass sich die verschiedenen Layouts tatsächlich unterschiedlich
> schnell und gut erlernen lassen.

Kannst du deine Erfahrungen zusammenfassen und vielleicht ein paar 
Hypothesen aufstellen, warum sie unterschiedlich schwer zu lernen waren? 
 
> Man gewöhnt sich
> schneller an ein neues Layout, als Du denkst, insbesondere, wenn man daran
> gewöhnt ist, Layout zu wechseln.

Das ist aber halt bei den meisten Leuten nicht der Fall. 

> Mein Fazit ist: Den wichtigsten Schritt hast Du bereits getan: Du hast
> Deine Finger befreit von ihrer Knechtschaft unter dem Qwertz-Gott. 

*gg*

> Wenn Du
> Dir jetzt noch klar machen kannst, dass Du auch auf einen Neo-Gott nicht
> per se angewiesen bist, hast Du gewonnen, 

Neo ist für mich erstmal kein Gott, sondern eine Art Investition. Weitere 
Layouts zu lernen lohnt sich für mich nur, wenn die gesamte Zeitersparnis 
größer ist, als die Lernzeit. Ich bin hauptsächlich Benutzer meiner 
Tastatur, nicht Bastler. 

Da für dich das Lernen inzwischen weniger Zeit braucht, lohnt sich für dich 
Neulernen halt deutlich früher als für mich. 

Liebe Grüße, 
Arne

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