Moin Forum!

> Von: [EMAIL PROTECTED] (r.b.)
> Betreff: Novelle des Urheberrechtes?
>
> Hallo Mitleser und Mitschreiber,
>
> heute wieder ein Beitrag zum Drehbuch.

DAAAANKE!
    (schluchzend)
Endlich.

>
> Im neuen Spiegel schimpft Eichinger �ber die
> Novellierung des Urheberrechtes
> Prim�r m�kelt er nicht wegen der  Bezahlung der Autoren,
> sondern wegen der Mitsprache aller Beteiligter
> am Film.
> "Im Namen der Rose" ben�tigte 4-5 Autoren, die 14 Fassungen
> schrieben. Scheinbar m�ssten die alle  nach dem neuen Recht
> gefragt werden, wenn �nderungen vorgenommen werden m�ssten.
> Er meint, dass in einem solchen Falle auch Verbesserungen an Filmen
> erst nach R�cksprachen mit Autoren etc durchgef�hrt werden k�nnten.
> W�hrend der Dreharbeiten seien demnach keine
> spontanen �nderungen mehr m�glich.
> Ganz falsch  scheint er nicht zu liegen.

Ich konnte den Artikel noch nicht lesen. Ehrlich gesagt tappe ich �ber
Rahmen und Auswirkung der Novellierung auch noch halbwegs im Dunkel.

> �ber die angemessene (nach)Verg�tung der Autoren an sp�terem Erfolg
> eines Filmes
> l�sst sich sowieso diskutieren.
> Bei der H�he der Verg�tung f�r Scripts l�sst sich heute schon fragen,
> warum die Einen Buyout machen und die Anderen die Wiederholungen
> nochmals honorieren.

Das ist realtiv einfach. In der 'guten alten Zeit' als Du und ich noch im
Schlafanzug vor dem Fernseher lagen, wurden 'Sendungen' im Fernsehen
honoriert. Die Grundgage war kleiner. Erfolgsprogramm wurde pro Ausstrahlung
verg�tet (�brigens auch f�r Regie und Darsteller) Im Zuge der Privatsender
wechselte das Modell 'Verg�tung-f�r Sendung' zu
'Einmal-zahlen-immer-senden'- Buyout. Das war eine Vorgabe. Autoren blieb
sp�ter kaum die Wahl. Besonders Newcomern.


> Ist es nicht so, dass Autoren, die das Drehbuch f�r einen erfolgreichen
> Film geschrieben haben, nicht gerade wegen dieses Filmes weitere
> Auftr�ge
> erh�lt und somit dies auch eine Honorierung der Arbeit darstellt?

Das nennt man Karriere, und das eine schlie�t das andere nicht aus, aber:
Sollte gute Arbeit nicht von Beginn an konsequent anteilig entlohnt werden,
wenn sie wiederholt verwertet wird? Hier sollte man �brigens Sender und
Produktion trennen. Ich bin in der �ra 'Prinzip Hoffnung - keine Kohle' in
meine Autorenschuhe gewachsen, hei�t: prinzipell Buyout durch (privat)
Sender, einmal Geld - egal, ob quotenm��ig erfolgreich oder nicht, auf der
einen Seite. Und das unertr�glich k�dernde 'Low-Budget-Getue' von
Produktionen, ganz im Sinn von 'Aus Dir wird noch mal was, wenn Du jetzt...'
Das ganze Prinzip ist nat�rlich sehr komplex. Dem Autor wird allerdings viel
(Karriere) in Aussicht gestellt und schulterzuckend darauf hingewiesen, da�
in dem speziellen Fall, selbst im Buyout, nicht wirklich Geld zu erwarten
ist. Noch nicht - aber vielleicht...

Produzenten k�nnen rechnen. In ihrer Kalkulation ist der Autor eine eher
mittlere Gr��e im Vergleich zum Produktionsetat. An der man bei Neuen mit
dem 'Prinzip Hoffnung' dennoch eine Menge Kohle sparen kann.
Betriebswirtschaftlich ist es nat�rlich ebenso kurzsichtig wie dumm, Autoren
und Stoffentwicklung zu vernachl�ssigen. Autoren entwerfen die Vorlage, nach
der ein (teurer) Film entsteht! Ich kann den Goldgr�bergedanken von
Produzenten nicht nachvollziehen, die sich sch�rfend aufmachen, um 'Gl�ck'
zu haben, indem sie ein Drehbuch 'finden'.

Allerdings ist diese ignorante Haltung gegen�ber Autoren nicht nur
Produzenten anzulasten. Sieh in Deine (irgendeine) Fernsehzeitung. Steht der
Autor drin? Kauf Dir die CINEMA, geh' auf die Homepage des Hofer Filmfests,
auf der sich bald wieder die Creme de la creme Deutschen Filmtums tummeln
wird. Wird der Autor genannt? Nein.

http://www.hofer-filmtage.de/

Christel Schlingensieg darf dort auf der Eingansseite vollmundig werben:

"Hof war und ist das Festival eines radikal besetzten Achtundsechzigers und
seiner Verb�ndeten, die mehr f�r den deutschen Film getan haben, als die
Berlinale, Oberhausen, M�nchen und Mannheim zusammen"
Christoph Schlingensief - Regisseur

Ja, schei�e. Im ganzen Programm fehlen Autoren. Die Regie wird durch
Auslassung der Autorenschaft zum einzig seligmachenden Faktor (v)erkl�rt.
Der Redakteur einer Fernsehzeitschrift fand auf meine Frage nach
Autorennennung mir gegen�ber eine einfache Erkl�rung (Zitat): 'Wir m�ssen
uns auf eine Identifikationsfigur (Regie) und auf Haupdarsteller
konzentrieren. Alles dar�ber hinaus w�re f�r den Leser (Zuschauer) zu
kompliziert.'

�bersetzt hei�t das in etwa, da� im Land der Dichter und Denker in Bezug auf
Film und Fernsehen kein Platz f�r eine Identifikation mit dem Autor ist.
Weil man den Zuschauer zu bl�de daf�r h�lt. Das l��t nach Ansicht der
Programminhalte fast den Umkehrschlu� zu. Aber damit w�ren wir bei der
Verschw�rungstheorie.

Als unbekannter 'Gebrauchsanleitungshersteller' kann ich es Produzenten
nicht wirklich �belnehmen, gering gesch�tzt und nur unbedingt bezahlt zu
werden. Produzenten haben weder in Hof, noch in ihrer Fernsehzeitung
Gelegenheit, Autoren zu den jeweiligen Formaten finden. Mit der weitgehenden
Abschaffung von Vor- und Abspann bei vielen Sendern f�llt sogar diese
M�glichkeit der Autorennennung aus. Damit herrscht ignorante Stille im
Drehbuchautorenuniversum.

Tja. Un' nu? How to become rich and famous as a screenwriter? Ich hab'
ehrlich keine Ahnung, wie mich als Autor jemand wahrnehmen soll, wenn
nirgends mein Name drunter steht. Ich bin frech genug, Produktionen
ungefragt mit meinem Material zu versorgen. Aber leider geh�rt 'LESEN' nicht
unbedingt zu den Lieblingseigenschaften von Executives, weil wenig Zeit,
etc. Daf�r gibt es Drittfirmen, die Lektorate erstellen.

Fazit: die Novelle sollte unbedingt in der Wahrnehmung von Drehbuchautoren
stattfinden. Aus meiner Position habe ich dar�ber hinaus nur ged�mpftes
Verst�ndnis f�r das laute Gejammer der Verwerter.

Nebenbei mu� man aus manchen Produktionen Wiederholungshonorare f�r Autoren
herausklagen. Die Kohle sollte als durchlaufender Posten vom Sender �ber die
Produktion an den Autor weitergeleitet werden. SOLLTE! Aber manche
Produktionen stopfen mit dem Geld lieber ihre eigenen Finanzfirmenl�cher.
Und jonglieren damit frech �ber dem Abgrund ihrer eigenen ungedeckten
Fixkosten.
(Partys, Leasingraten f�r den Saab Cabrio, gemiete Yachten in Cannes, etc.
H�rt sich wie Klischee an, aber diese Beispiele sind auf Abruf belegbar)

Ich werde nie m�de, darauf hinzuweisen, da� eine Agentur oder ein Verlag f�r
den Autor in diesem Fall bessere Mittel und Wege haben, dem Autor sein Geld
zu beschaffen. ganz abgesehen von den ganzen anderen Vorteilen f�r h�chsten
15%.

> Architekten erhalten auch keine Erh�hung ihres Honorares, weil der Wert
> eines
> Geb�udes im Laufe der zeit w�chst.
> Vielleicht gelte ich nun als Nestbeschmutzer, wenn ich hier auch die
> Gedanken
> der Produzenten verbreite....

Schon in Ordnung. Allerdings hinkt der Vergleich zwischen Autor und
Architekt. Das Drehbuch des Autoren ('Plan' des Architekten) ist eine
Vorlage, mit dem der Produzent (Bauherr) ein Geb�ude (Film) erstellt.
Bleiben wir bei diesem Beispiel: �ber die Vermietung des Geb�udes
erwirtschaftet der Bauherr langfristig Gewinn. Es geht weniger um
kalkulierte Wertsteigung und Verkauf als vielmehr um die vielfache Nutzung
bzw. Auswertung des Projekts.

Nenn' es Schmerzensgeld - so traurig es ist.

Das war viel Stuff, sorry.

Forum Ende - sch�nen Gru� - ol�

P.S.: Wer Heinz Badewitz, dem Leiter der Hofer Filmtage, seine Meinung zur
Autorennung mitteilen m�chte, den lade ich herzlich dazu ein, Kontakt:

[EMAIL PROTECTED]

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