Hallo Angelika,

>Hallo Yvonne Jasmin,
>ich denke Du gehst an das Thema Urheberrecht wirklich etwas blau�ugig 
>heran,
>denn es betrifft nicht nur den Drehbuchbereich, sondern die gesamte
>Literaturlandschaft und die Bef�rchtungen gehen dahin, dass unsere
>Buchhandlungen dann bald amerikanisch aussehen, da die Kostenlawine die
>r�ckwirkend auf die Verlage zurollt, viele kleine gute L�ckenverlage vom
>Markt fegen w�rde...

Wie sollte das gerade im Literaturbereich durch die angemessene Verg�tung 
f�r die Autoren geschehen? Ganz urspr�nglich kommt doch gerade aus dem 
Literaturbereich ein ziemlich guter Ansatz zur angemessenen Verg�tung: die 
Umsatzprozente. Verkaufe ich ein Buch eine Million mal, verdiene ich zwanzig 
Prozent vom Umsatz von einer Million B�cher zu 39.90, also 7 980 000. 
Verkaufe ich "nur" zehntausend Exemplare, dann bekomme ich vielleicht zehn 
Prozent vom Umsatz von zehntausend Exemplaren zu 29.90, also 29 900 DM. 
Dabei ist dann sogar ber�cksichtigt, da� es auch f�r den Verlag in Fixkosten 
und Produktion g�nstiger ist, dh mehr Gewinn �brig bleibt, wenn er eine 
Million B�cher verkauft. Nicht angemessen ist dagegen eine Methode, die sich 
auch in der Literatur durchzusetzen beginnt - n�mlich im Bereich der 
Auftragsarbeiten, etwa bei Computerspieleb�chern -, wo der Autor eine 
Fixsumme bekommt, �blicherweise eine recht niedrige, und beide Seiten, 
Verlag und Autor unangemessen gestellt sind - der Verlag unangemessen gut, 
wenn das Buch gut l�uft, unangemessen schlecht, wenn es Schrott ist, der 
Autor jeweils mit umgekehrten Vorzeichen. So sieht es aber im deutschen 
Fernsehen aus, wenn wir buyout-Produktionen betrachten.


....nat�rlich m�chte jeder f�r seine Arbeit auch
>angemessen bezahlt werden, aber daf�r gibt es Vertr�ge, die kann man
>aushandeln und der eine Autor ist gut (auch im Vertragsgestaltung) und der
>andere weniger gut.........das ist f�r mich freie Marktwirtschaft..........

Ja, das ist eben das Problem der Marktwirtschaft. Wenn du und ich einen 
Vertrag aushandeln, ist das eine Sache. Wenn Bertelsmann und Microsoft einen 
Vertrag aushandeln, ist das auch eine Sache, aber wenn du und ich mit 
Bertelsmann oder Microsoft einen Vertrag aushandeln, dann ist das eine ganze 
andere Sache. Dun kannst als normaler, individueller Mensch mit keinem von 
beiden gleichberechtigt verhandeln. Das ist absolut ausgeschlossen. Gerade 
im Bereich des Fernsehens und des Films kannst du als Autor mit den 
Mediengesellschaften als durchschnittlicher Mensch nicht gleichberechtigt 
verhandeln. Einerseits deshalb, weil wir es dort mit einem Oligopson zu tun 
haben. Dh wenige gro�e Nachfrager stehen vielen kleinen Anbietern gegen�ber. 
Dort ist die Marktwirtschaft eben nicht mehr in ihrer gesunden Form 
existent. Der Oligopsonist verf�gt �ber einen Preissetzungsspielraum, den er 
nat�rlich zu Lasten des Anbieters ausnutzen wird. Dagegen ist der Anbieter, 
hier als Polypolist - nein, nicht Polizist, Polypolist, also einer von 
vielen kleinen Anbietern - in seiner Preissetzung vollkommen fremdbestimmt. 
Im Gegensatz zur vollkommenen Unabh�ngigkeitsposition des Monopolisten 
spricht man daher in M�rkten, die von wenigen gro�en Nachfragern bestimmt 
sind, von der totalen Abh�ngigkeitsposition des Anbieters. Ferner hat der 
Oligopsonist weitere Freiheiten bei der Bestimmung seiner gewinnmaximalen 
Preis-Mengen-Kombination.

Einfacher formuliert bedeutet das, da� wir eben als nicht Autoren nicht 
sagen k�nnen, f�r den Preis machen wir es nicht - es sei denn wir alle 
machen es nicht f�r den Preis (dh bilden ein Kartell), oder der Minimalpreis 
wird gesetzlich oder durch Vereinbarung festgelegt. Ansonsten herrscht 
n�mlich das Eiserne Gesetz von Adam Smith, demzufolge der Preis immer so 
weit sinkt, bis so viele Leute verhungert sind, da� das Polypol der Anbieter 
aufgel�st wird und der Markt wieder ges�nder wird.

In den USA - soviel auch zu einem anderen Vorurteil, n�mlich den b�sen, 
allein kapitalistenfreundlichen USA - haben wir bereits 1898 und folgend 
gelernt, da� solche Situationen - in denen etwa Standard Oil 98 % der 
�lindustrie, USSteel 98% der Stahlindustrie beherrscht haben, �beraus 
ungesund sind. Sie sch�digen die Wirtschaft, wie bereits damals der Supreme 
Court geurteilt hat. Heute erleben wir �hnliches mit Microsoft.

Die Vorstellung also, da� es gesetzliche Mindeststandards geben sollte, ist 
nicht neu und auch nicht dumm. Es soll ja nicht festgelegt werden, da� jeder 
Autor so viel bekommt, wie Grisham oder Kasdan, aber eben auch nicht 
angesichts des �berangebots von Autoren so weit heruntergehandelt wird, da� 
Komparsen mehr verdienen, als Autoren.

Best wishes,

HFK

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