Hallo zusammen,

hier einmal eine nachdenkliche Mail, die das Potenzial hat, wilde
Diskussionen auszulösen.

Ich hatte gestern ein sehr interessantes Gespräch mit einer Journalistin
aus dem Kreis Lauenburg. Sie ist sehr an der Freifunk-Initiative
interessiert und würde uns gerne unterstützen, auch im Hinblick auf die
Flüchtlinge. Sie hat offenbar sehr gute Kontakte in der Region, die sie
nutzen könnte.

Leider macht die aktuelle Gesetzeslage es schwierig, sich klar zu
positionieren. Es tauchen bei Interessierten, wie dieser Dame immer
wieder Bedenken auf, die ohne fundierte juristische Kenntnisse sehr
schwer zu entkräften sind. An diesem Punkt kann ich in der Regel nur auf
die detaillierten Informationen auf freifunk.net verweisen und sagen,
dass ich zu dieser konkreten Frage keine absolut wasserdichte Antwort
geben kann, da ich eben kein Jurist bin. Spätestens da habe ich
"verloren" und das Thema "Freifunk" landet beim Gesprächspartner wieder
in der "Schmuddelecke". Ich kann halt nicht garantieren, dass mein
Gegenüber nicht verklagt oder abgemahnt werden kann.

Im aktuellen Fall geht es so weit, dass zwar an einer
Flüchtlingsunterkunft eine Freifunk-Lösung eingerichtet wurde, dies aber
nicht öffentlich kommuniziert werden soll. Da der Internetverkehr über
einen Server im Ausland läuft, haben die Verantwortlichen Angst, dass
die Frage der "Providerhaftung" nicht ausreichend geklärt sei. Nun weiss
ich bisher auch nicht, welche Firmware dort zum Einsatz kommt.

Zitat:
> Wie dem auch sei - es scheint hier im Ort eine hohe Bereitschaft zu
> geben, Freifunk zu nutzen, allerdings wenig Bestrebungen, etwas
> "möglicherweise Illegales" in der Öffentlichkeit zu vertreten. Dies
> finde ich sehr schade und zeigt die Problematik, über die wir gestern
> geredet haben (Freifunk-"Image").
>
> Mangels technischer Kenntnisse und fehlenden Informatik-Titels sehe
> ich mich nicht in der Lage, hier weiter aktiv zu werden, so lange ich
> die Frage der "Möglicherweisen Illegalität" nicht wirklich fundiert
> beantworten kann. [...]
>
> Parallel dazu würde ich Ihnen gern als Tipp an die Hand geben, wie Sie
> Freifunk aus dem "möglicherweise Illegalen" herausholen:
>
> 1. Sie veröffentlichen auf der Website, warum Freifunk nicht der
> Störerhaftung unterliegt, evtl. Foto eines Prof. Dr. jur. Irgendwas,
> vielleicht mit einem kleinen Erklärfilmchen für Doofe.
> 2. Sie belegen die Legalität möglichst mit Stempel von irgendeinem
> Ministerium, Amt oder Sonstigem
> 3. Sie zeigen seriöse Freifunker: Einen CSU-Poltiker, einen Pastor,
> einen Richter, eine Hausfrau, einen Geschäftsführer - also eine
> "Testimonial-Kampagne", wie man in der Werbebranche so schön sagt.

Ich bin mir sicher, dass dieses Thema auch am kommenden Wochenende
angesprochen werden sollte. Es gibt viel zu tun. Jeder, der für Freifunk
Öffentlichkeitsarbeit betreibt, sollte möglichst "rechtssichere"
Argumente zur Hand haben. Das ist sicherlich nicht einfach, da jede
Commmunity eine individuelle Herangehensweise hat (Serverstandorte,
Webauftritt, etc.).

Natürlich ist es auch gerade bei Freifunk nicht so einfach, angemessene
"Lobbyarbeit" zu betreiben. Zu schnell tauchen politische Interessen auf
und man sollte darauf achten, seine Arbeit nicht mit dem Stempel einer
Partei versehen zu lassen. Gleichzeitig sollten sicherlich möglichst
viele Politiker und Entscheidungsträger mit in das Freifunk-Boot geholt
werden, da wir sonst irgendwann nicht mehr gegen den Strom ankommen
können und immer neue "merkwürdige" Gesetze entstehen, die Freifunk nach
und nach immer weiter kriminalisieren. Das kann's ja auch nicht sein...

Lange Rede, kurzer Sinn: Wie können wir gute Öffentlichkeitsarbeiter für
uns gewinnen, ohne sie zu verschrecken? Freifunk sollte in der breiten
Bevölkerung bekannt werden und dabei nicht endgültig in der
"Schmuddelecke" landen.

Gruß
Pascal

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