Hallo Carsten,
Carsten Knoll <[email protected]> writes: > Als Frustrationstherapie habe ich mir ein Schema überlegt, wie sich auf > Basis von etablierten freien Tools eine Wahl durchführen lassen müsste, > die für alle transparent nachprüfbar und trotzdem anonym ist.: Das Thema elektronische Wahlen taucht immer mal wieder auf, hier bei uns, aber auch allgemein und ich denke es ist wichtig, dass man sich damit ernsthaft auseinandersetzt, weil oft viele Hoffnungen damit verbunden werden. > URLs: > https://github.com/cknoll/git-voting > https://codeberg.org/cknoll/git-voting (leider ohne Bilder) Das sieht sehr interessant aus und auch wenn ich es etwas anders formuliere als Ilu, stimme ich inhaltlich zu. Die Probleme, die es bei Wahlen gibt, sind nicht in erster Linie technischer Natur. Man braucht ein Wahlsystem, das möglichst viele Vorteile bietet und wenig Nachteile, wobei es aber nicht möglich ist, nur die Vorteile zu kombinieren. Ein wichtiger Vorteil muss aber immer die Verständlichkeit sein, denn es soll ja jeder nachvollziehen können, warum jemand anderes die Wahl gewonnen hat. Das macht es schon nicht ganz einfach, aber das sind keine technischen Fragen. Manche Auszählungen dauern lange und dann kommt der Ruf nach technischen Lösungen, die das beschleunigen sollen. Aber auch das ist oft ein Trugschluss, denn die Länder wie z.B. die USA, die dann doch recht langsam zählen, setzen schon auf technische Lösungen. Zumindest in Deutschland sind Wahlen doch in der Regel sehr schnell ausgezählt, innerhalb von ein paar Stunden. Dort wo es länger dauert, ist in der Regel das Wahlsystem verantwortlich (z.B. erlaubt Bayern bei Kommunalwahlen freies Panaschieren und Kumulieren, was den Zählaufwand deutlich erhöht). Das könnte man theoretisch mit technischen Mitteln lösen. Leider haben aber die technischen Systeme unlösbare Nachteile, z.B. dass man nicht verifizieren kann, ob die Software, die vielleicht als Freie Software zur Verfügung steht, auch wirklich die ist, die auf dem Wahlcomputer läuft. Aber selbst wenn das möglich wäre, kann aktuell jeder eine Wahl kontrollieren, denn ich schau früh in die Kiste, ob die keinen doppelten Boden hat und leer ist und abends schau ich wenn sie aufgemacht wird und ob noch von woanders irgendwelche Stimmzettel kommen. Wenn das alles passt, weiß ich, die Wahl passt. Bei elektronischen Wahlen können nur noch Experten diese Prüfung vornehmen und das ist ein Problem. Es gibt natürlich noch weitere Probleme, z.B. die deutlich höheren Kosten von elektronischen Wahlen (auch wenn das anders versprochen wird) und nicht zuletzt die Sicherheit. Bei unseren Papierwahlen ist eine Manipulation, z.B. durch Geheimdienste nur schwer vorstellbar. Aus diesem Grund hat das Bundesverfassungsgericht elektronische Wahlen untersagt und die FSF/GNU ein Projekt für ein freies Wahlsystem eingestellt[0]. Wo solche Systeme aber interessant sind, ist bei Vereinen, gerade im Moment. Da sind die Hürden nicht ganz so hoch, das Vertrauen zwischen allen Organisatoren der Wahlen auch höher, weil sich viel mehr Personen kennen und dort ist sowas nützlich. Da gibt es auch schon gute Lösungen, z.B. hat die FSFE für die diesjährige Mitgliederversammlung OpenSlides[1] eingesetzt, das neben den Wahlen auch noch ein paar mehr Funktionen bietet. Es gibt also gute Verwendungen, nur halt nicht für allgemeine Wahlen. Happy hacking! Florian [0] https://www.gnu.org/software/free/ [1] https://openslides.com _______________________________________________ FSFE-de mailing list [email protected] https://lists.fsfe.org/mailman/listinfo/fsfe-de Diese Mailingliste wird durch den Verhaltenskodex der FSFE abgedeckt. Alle Teilnehmer werden gebeten, sich gegenseitig vorbildlich zu behandeln: https://fsfe.org/about/codeofconduct
