Hallo Zusammen!

Als jemand der seit über 10 Jahre journalistisch in Sachen Datenschutz 
u. Privacy aktiv ist und seit längerem aus beruflichen Gründen den 
netznetz-prozess nur passiv begleitet. Hab auch ich mich gefragt wozu 
soll diese Umfrage gut sein und wurde hier Form u. Inhalt gewahrt?

Vorweg(ich spekuliere 1x vor mich hin) dürfte die Stadt Wien 
Überlegungen anstellen genau wie vor 1 Jahr auch eine Evaluiuerung von 
netznetz zu überlegen und danach Konseuquenzen für 2009 setzen. Welche 
das sein könnten sind mir nicht überliefert.

Die Quintessenz daraus ist, wer wenn nicht alle Validierten sind 
gefordert auch ihre Rolle als kritischer Teil von Netznetz ihrer 
Verantwortung Rechnung zu tragen. In dem sie sich an der 
Weiterentwicklung von netznetz in Form einer Umfrage beteiligen.

Was wir trennen müssen ist Form und Inhalt.

Inhaltlich ist der Fragebogen sicher ein Weg um möglichst ein Bild davon 
zu bekommen wie man alle Meinungen einfängt und sie so herunter bricht 
damit man daraus Analysen und Schlüsse ableiten können um sie gegen über 
der Stadt Wien zu vertreten.

Eine Umfrage macht schon deshalb Sinn um sich nicht in der Argumentation 
gegenüber der Stadt nicht auf eigene Spekulationen zu verlassen. Sondern 
Argumente mit einer Umfrage untermauern kann.

Kommen wir zur Form!

Formal gesehen wäre eine Umfrage anonym wünschenswert. Da stimme ich der 
Kritik an u. für sich zu.

Warum?

# Manipulationsvorwurf entziehen & Befangenheit
Dem Koordinationsteam kann man danach nicht vorwerfen sie hätten die 
Möglichkeit den Ausgang einer Umfrage zu manipulieren können.
Anonym hätte auch den Vorteil, dass die einzelnen ausgefüllten 
Fragebögen auch frei von einer Bewertung geprägt sind in Bezug auf die 
Person.

zb. ahh der oder die hat uns geschrieben, ja diese Meinung war zu 
erwarten etc.

# Vertrauensfrage
Leo hat aber sachlich dargelegt, dass der Weg über das Direkt-Mailing 
unkomplizierter ist und unbürokratisch, diskret behandelt um schnell zu 
einem Überblick zu bekommen.

Jetzt haben wir hier eine Gretchenfrage vertrauen wir unserem 
Koordinationsteam oder nicht?

Das Koordinationsteam wurde von einem Teil der Validierten gewählt. 
Ergebnisse müssten im netznetz-wiki nachzulesen sein.

# Technikfolgenabschätzung
Die Frage für oder gegen den Einsatz von technikunterstützten 
Umfragesystemen ist so alt wie die Frage wann wird es E-Voting geben 
oder nicht.

In meinen Sendungen die ich auf Radio Orange mache seit bald 5 Jahren 
hab ich mit vielen Menschen zu tun gehabt die sich sehr lange Pro u. 
Kontra mit diesem Thema auseinander setzen.

Bevor ich jetzt hier eine Expertise hier darüber schreibe. Lade ich 
einfach ein sich im Netz oder über Vorträge zu diesem Thema bzw. auch 
unsere Sendungen über E-Voting anzuhören.

Zusammenfassend möchte ich aber ich eine Sicht aus der Praxis u. dem 
Endverbraucher fokusieren.

Denn die Technikverliebtheit von Politikern, Wissenschaftern, Nerds u. 
Informatikern führt ja oft dazu, dass man am Kunden vorbei designt.

Dh. man muss kein grosser Wissenschaftler sein um herauszubekommen dass 
es viele Menschen gibt die in Onlinesystemen mit Umfragen oder E-Voting 
darin eine Barriere sehen. Ansonst würde ja E-Business über Internet 
funktionieren u. die Einkaufszentren in Vösendorf oder sonst wo wären 
gerade jetzt zu Weihnachten leer.

Dh. eine E-Umfrage hätte nur den Vorteil von einigen wenigen die damit 
kein Problem haben.
Das sammeln von Informationen birgt das Riskio von Sicherheit die wieder 
extra Resourcen benötigt um vor Manipulation oder Cyberattaken gewappnet 
zu sein.

Übrig bleibt jener Rest welcher lieber eine Umfrage auf dem Blatt Papier 
u. wie bei einer Wahl anonym dies in einem Briefumschlag lieber 
vorziehen würde.

# Beteiligungsgrad
Zum Schluss komme ich noch auf die Archillesverse von vielen 
communitybasierenden, selbstverwalteten Systemen, NGOs usw.

Die Erfahrung zeigt, dass egal ob bei Netznetz oder anders wo es einen 
kleinen Teil gibt er aktiv arbeitet u. eine Mehrheit die sich 
zurücklehnt u. Forderungen an den kleinen Aktiven teil stellt.

Es ist ja eine traurige Tatsache, dass zu Jourfixen oder anderen Slots 
wesentlich weniger sich daran beteiligen als dann bei einem 
netznetz-sonntag im werkzeugH.

Es ist einerseits eine Frage der Zufriedenheit wie hoch oder wie niedrig 
es der kleine aktive Teil schafft die Mehrheit abzuholen.

Je nach dem erfährt man dann Zustimmung oder Ablehnung.

Leider gibt es auch den Effekt von Trollübermut von jenen die in einem 
solchen Prozess wenig bis nichts aktiv beitragen aber auf alle Fragen 
auch immer die richtigen Antworten wissen. Die kleine aktive Gruppe vom 
dem Problem des Gruppenzwang steht. Wie geht man mit solch einer Kritik 
richtig um.

Die einen die aktiv arbeiten fühlen sich permanent unter negativen Druck 
gesetzt und spüren keine Unterstützung die es aber braucht um sich gegen 
über einem Dritten also in dem Fall die Stadt Wien durch zu setzen u. 
die Interessen der anderen passiven Mehrheit zu vertreten.

Auf dem Punkt gebracht ein Sch... job oder ein Flaschbierjob immer 
zwischen 2 Stühlen zu sitzen u. von beiden Seiten aufgefressen zu werden.

Die Stadt Wien gibt Druck weiter u. die passive Mehrheit.
Ok, der kleine aktive Teil hat sich freiwillig dazu entschlossen sich 
für diesen Job zu engagieren.

Nur ist das ganze wie ein gordischer Knoten für das Koordinationsteam, 
weil egal wie immer man sich entscheidet. Man kann eigentlich nur 
verlieren. Was wiederum den Frusttrationsgrad wieder potenziert.

# Auswege?
Alternativen sehe ich derzeit nicht, wenn man sich für einen Fortbestand 
von Netznetz interessiert. Vorallem als jemand der Validiert ist.

Hat man Vorbehalte(pro oder kontra) gegen diesen Prozess u. ist 
validiert. Dann könnte man ja diesen Fragebogen ausdrucken u. ihn anonym 
schicken ans Koordinationsteam, verschlossen in einem Umschlag.
Wenn dies für alle und dem Koordinationsteam vorstellbar ist u. wenn 
sichergestellt ist, dass die Zustellung auch ohne Rückschluss auf den 
Absender möglich macht.

# Meine Meinung dazu
Ja ich werde nach reiflicher Überlegung u. nach durchlesen von Pro u. 
Kontra meinen Bogen ausfüllen u. andere die mich fragen sollten auch 
dazu motivieren als Validierte sich an diesem Prozess zu beteiligen. 
Egal ob sie pro oder kontra sind

Zur Vertrauensfrage hab ich persönlich keine Bedenken gegenüber dem 
Koordinationsteam meinen Fragebogen auch per Mail zu schicken. Da ich 
mal wie bei einem Arzt von einer Schweigepflicht ausgehe u. in Sachen 
Reputation u. Seriosität sich bisher in so einem schwierigen Jahr 2008 
nichts zu schulden kommen lassen haben.

Befangenheit meiner Person?
Falls jemand auf die Idee käme mir diesen Vorwurf zu machen, weil ich 
Anfang 2008 selbst Teil der Koordination war.

Dem halte ich entgegen, dass ich mit niemanden verwandt oder 
verschwägert bin. Dass ich alle Beteiligten über einen längeren Zeitraum 
kenne als nur während der Koordination und daher auch vertrauen gefunden 
habe, dass vielleicht gerade meine Meinung oder Daten nicht unter 
Verschluss bleiben würden.

... und weil ich darauf vertraue, dass die Netznetz-Community selbst als 
Korrektiv u. Kontrolle soweit agiert, sodass dem Koordinationsteam auch 
nichts anderes übrig bleibt als korrekt u. transprarent soweit wie 
möglich zu arbeiten.

Denn wenn dieser Mechanismus in Zweifel ziehe, dann könnte ich genauso 
gut in einer Demokratie die Frage nach Jusitz oder Polizei nach 
Befangenheit fragen.

Daher, JA ich werde diesen Bogen ausfüllen.

Ein Nichtausfüllen ist so wie nicht zu einer Wahl zu gehen.
Denn das Schlimmste was uns passieren kann, dass ohne unserer Zustimmung 
Netznetz abgedreht wird.
Alle die sich kritisch dazu äussern wollen u. Validiert sind. Gerade die 
sollen sich in irgend einer Form daran beteiligen u. nicht nur laut 
ihren Unmut kund tun.

In diesem Sinne wünsche ich allen noch einen schönen Sonntag.

ps.: fehlt jetzt nur noch der vernichtende Kommentar zum Sonntag, bevor 
wir trollend fer-gessen dass wir auf dem Boden der Tatsachen geblieben 
sind ;-)

lg. Manfred
 

Findeisen Andreas Leo schrieb:
>
> Hallo Constantin
>
>
> >> ... dass diese Umfrage von den KoordinatorInnen in nicht anonymisierter
> >> Form gemacht wird, finde ich schlichtwegs unfassbar.
>
> >ich finde auch dass das nicht besonders schick gemacht wurde;
>
> >vllt solltet ihr sowas einrichten: http://www.limesurvey.org/
>
> Nun, online-surveys hätten bedeutet, dass wir allen 417 Leuten
> einen User / pw hätten generieren müssen, und dann wären auch
> noch die Daten außerhalb unserer Kontrolle gelagert.
> Das hätte unserer Ansicht nach 1. uns überfordert, 2. viele
> Validierte vom Feedback abgehalten.
>
> Bei unserer Methode schauts etwas rough aus, wir können so aber
> unsere eigene NetzNetz-Infrastruktur, - technisch wie 
> demokratiepolitisch -,
> nutzen.
>
> Bitte hab also mit der Form der Umfrage etwas Nachsehen und konzentriere
> dich mit uns und allen, denen am Erhalt der Reste von 
> Selbstverwaltung und Mitbestimmung in Wien etwas gelegen ist,
> auf die Inhalte, die es nun bis Sonntag um
> Mitternacht zu entscheiden gilt.
>
> Die Uhr tickt.
>
> LG zurück
> Leo
>
> 4
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