Hi lieber Christoph und noch&schonwieder&neu-leser/innen –

FAS.research macht einfach das, was man bei jeder mikro(!)soziologischen
untersuchung eben so macht. Man beginnt entweder betroffene zu befragen oder
verschickt frageboegen.

An diesem punkt laesst es sich besser mit semiotiker/innen reden als mit
(traditionellen) soziologen, denn die semiotik weiss ganz genau ueber die
vertrackte relationierung von sprache bescheid. Bspw., in jeder aussage ist das
ausgeschlossene (das nicht-gesagte) eingeschlossen – und solche f2f-befragungen
lassen sich ehest nur fach-psychologisch erschliessen. Der auswertung(!) bzw.
der interpretation sind in jedem fall keine grenzen gesetzt – und wird in der
regel vom auftraggeber bestimmt.

Als die bessere alternative gibt’s dann also den fragebogen, mit feldern zum
ankreuzeln, mit von bspw. 1 – 10, nicht zu vergessen jene felder, wo die
befragten auch eigene formulierungen anbringen koennen. Aber auch da gilt
schlussendlich: Der auswertung bzw. der interpretation sind da keine grenzen
gesetzt – und wird in der regel vom auftraggeber bestimmt.

Die beste loesung ist die selbst-evaluierung. Aber das darf man/frau sich nicht
naiv vorstellen, in dem sinne, dass sich jede betreffende person selbst
bewertet. Die selbst-evaluierung findet – eben systemautonom – in jenen
systemischen (sozialen) zusammenhaengen statt, die ueber eine entsprechende
eigenkomplexitaet, mithin einem reproduktionslauf und eine operative
schliessung verfuegen.

Koennt ihr euch vorstellen, dass das funktionssystem politik das funktionssystem
rechtssprechung evaluiert, obwohl der finanzminister (funktionssystem politik)
auch fuer die budgetmittel der rechtssprechung zustaendig ist?

Die politik macht in diesem fall ihre arbeit der budgetzuteilung und die
rechtssprechung ihre arbeit, in die – im idealfall - sich die politik nicht
einzumischen hat.

Die crux von netznetz.net wird nur deutlich, wenn man das seit 2004 (!!! – es
beginnt mit dem papier der lakaien) angefallene material in einen komplexeren
zusammenhang stellt. Und nicht eine weitere mikrosoziologische untersuchung
macht.

Aber das will die partei – der ich am Sonntag wiedermal zaehneknirschend meine
stimme geben werde – gar nicht wissen („Wir haben die provinziellste Regierung
seit Menschengedenken...“; ex-EU-lanwirtschaftskommissar Franz Fischler im
interview, mai 2009).

Dass alles, was mit sozialen bewegungen zu tun hat, selbstverstaendlich nie ein
eigener funktionsautonomer zusammenhang wie politik oder rechtssprechung werden
kann, versteht sich von selbst, so man/frau ueber die erforderlichen
theorietechnischen mittel verfuegt.

Voellig zu recht, will man/frau hier mehrheitlich eigentlich nur subventionen.
Dass das sogenannte netznetz.net-experiment ein erfolg der partei sein soll,
dass will nur die partei und ihre lakaien im verein fuer medienkultur (quartier
21). Aber dieser traum hat sich laengst in luft aufgeloest.

Daran kann auch keine auffallend gut finanzierte (uebrigens auf kosten anderer
antragssteller) jubelbroschuere etwas aendern.

cheers,
fer


Zitat von christoph theiler <[email protected]>:
> lieber f.e.r.,
> hallo leute,
>
> so viel ich verstanden habe läuft die untersuchungs- bzw.
> befragungsmethode von F.A.S. entlang der von dir, fer kritisierten linie.
> es wird also eine matrix erstellt, die nicht nur die wünsche der
> einzelnen befragt sondern auch die individuelle zuordnung dieser wünsche
> in ein wertigkeitssystem.
> übrigens: die erstellung des wertigkeitssystems selbst ist auch nicht
> von vorneherein vorgegeben, sondern wird selbst mittels einer befragung
> eruiert.
> das sind methoden, wie sie bei komplexen sachverhalten heute entwickelt
> und angewandt werden, und die dem neuesten stand der wissenschaft
> entsprechen.
>
> es ist übrigens die gleiche methode, die bei der planung des
> semmering-basistunnels benutzt wird, um komplexe sachverhalte
> (ökologische erfordernisse versus bürgerInnenwünsche  versus geologische
> gegebenheiten versus budgetäre mittel versus ...) in den griff zu bekommen.
> es lohnt sich deshalb ein ausflug zum semmering -  dort hat die öbb
> einen  inforaum eingerichtet (zumindest war der vor 1,5 Jahren noch
> dort), der die einzelheiten dieser methode leicht verständlich darstellt.
>
> um es gleich vorweg zu nehmen:   wissenschaftlicher standard ist es, bei
> der untersuchung die bürgerInnen, die politikerInnen und die fachleute
> getrennt zu befragt - die ergebnisse/ bzw. teilergebnisse sind zunächst
> verschlossen und werden erst am ende zusammengeführt, ausgewertet und
> veröffentlicht. - ich frage mich ob das bei der F.A.S.-Studie ebenfalls
> so gemacht wird - bisher gibt es keine hinweise dafür.
>
> beste grüße und einen schönen tag
>
> christoph
>
>  - wechselstrom -
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>
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