Stefan, 

so gehts nicht!

Das mit der AC dringend etwas geschehen müsste, da 
stimme ich dir zu. Nur wer, wann, wo, mit wem, was? 
In meinen Augen schwebt grad alles in der Luft.

Aber du weißt, denke ich, dass ich "Paraflows" für die AC 2006
zusammen mit dem Untertitel "The nets beyound the net" als Titel 
entwickelt habe. 
Das war nicht nur ein Versuch, "das Digitale hinter dem sozialen Netz"
gemeinsam mit dem "Sozialen hinter dem digitalen Netz" zu thematisieren, 
wie es dabei war, in NetzNetz eine Realität eigener Ordnung zu werden. 
Ebenso war es das Ziel, die künstlerisch.erfinderischen
Anteile in manchen (v.a. europäischen) Netzaktivistengruppen 
(foebud, ffii, schwedische piraten) mit den frech-aktivistischen
Anteilen von Medienkunstprojekten (stationrose, cntrcpy, darkwood dub-
slobodna cultura) abzugleichen, 

DENN

es bedeutet bis heute, im Namen, gleichzeitig eine Hommage an die Installation
"Parahouse 1997" im Bauhaus-verbundenen Kultursquad (1991) "Kiez-Dessau", 
An Parahouse, das ist jetzt etwas oral history, nahmen auch Teile der 
Netzkunst der folgenden Jahre ihren Ausgang.

Dahinter steckte übrigens auch Marko Kosnik, dessen hEXPO2000-Festival
in Slowenien meinen kunst- und medienhistorischen Hintergrund für 
das "Wiener Experiement", NetzNetz, so stark prägte, dass ich wichtige
Zeitläufe meiner letzten zwei Jahre (und davor, ca. ab 08/2005) investierte. 
Das war nicht der einzige, aber einer der wesentlichen Impulse.
Ich bereue keine Minute, aber bitte lies dir das hier durch, bevor du über 
"Paraflows" urteilst:  

(...) 
Knowing the history of KIEZ is knowing the history of desire to build a house 
open to the four winds and closed against the emptiness of society without a 
meeting point. 
Many travelers have been attracted during the last seven years into helping to 
build the cultural center out of ruins and many had to leave this new home to 
keep it open. 
After nearly every brick of the building has changed its position four times, 
it looks like the time has come for the final touch.

All the challenges which stimulate the action of Egon March Insitute are here, 
fulfilled: to inhabit a public place as a working laboratory; to create a 
learning situation 
amidst the existing social-cultural structure; to host artists and experts from 
different fields and places for an ongoing research in a team situation; to be 
a real guest 
in a real house, with a real theater and a real bar; to amplify and reflect the 
unconcious gestures of participants and make them chance generators for 
echoeing in 
digital mirrors; to reconstruct the space as an instrument for performers; to 
translate the morphology of the moving body to the topography of the 
Theater of Memory.

PARAHOUSE has started its grounding down from the digital universe in the 
beginning of September when artists from Paris, Berlin, Ljubljana, Moscow, 
Dessau and Amsterdam started preparations over the Internet to design a fast 
evolving situation at the place of the event, where they will meet in October to
 incorporate electronics into infrastructure of the house and develop 
performances, installations, web radio contacts and CUSEEME activities.

We will be in full action during the Ostranenie '97 festival. 
(...), Quelle: 



Die Panels hatten die Obertitel: 
When Attitude becomes Form – 20 years of using Technologies for Communities
Fighting complexities in parallel - How political can you get in international 
communities?
Moving Politics into Cyberspace – On hard facts of digital dreams
Moving from Cyberspace into Politics – Preforming tomorrows realities together

Von den Workshops will ich garnicht reden, sind leicht zu finden: 
Quelle: http://2006.paraflows.at/index.php?id=6&L=

Mag sein, das waren erste tapsende Versuche, die in NetzNetz 
vereint selbst-geförderten Teiltraditionen über einander 
ins Verständnis zu setzen. 

Doch ohne Tradition keine Kunstvitalität. keine fruchtbare
Forschung im Kunstfeld: "reflecting the black hole of presence at the concrete 
place with the help of electronical protheses.". 

Bitte, das zu bedenken, wenn du leichtfertig schreibst: 
"also wofür brauchen wir dann noch Paraflows, bitte?"

Warst du nicht persönlich im Jänner diesen Jahres 
beim 12. Geburtstag des "Parahouse"-Gründungsereignisses
in Berlin: http://www.iflugs.hdk-berlin.de/parahouse/

Ich bitte also um etwas historisches Eingedenken, wir befinden uns 
schließlich immer noch im selben Jahr!
  
Also KEINE ÄNDERUNG DER PARAFLOWSBEZÜGE und -INHALTE ohne 
eingehende Konsultation dieser einzelnen Kunstwerke, der beteiligten 
Personen, der sozialplastischen Implikationen für Medienkunst/Medienforschung. 
Nicht, dass es mir gehört, aber ich bin wohl der Einzige in Wien, der das 
erklären könnte, weil ich mich mit diesen Leuten schon seit 1997 
treffe und berate.
Das hat schon lange nicht nur mehr mit mir zu tun, es wäre von mir auch schwer 
den MacherInnen gegenüber zu erklären, ok? Und du weisst, Marko ist ein 
persönlicher
Freund, hat vor bald 30 jahren wesentliche Teile der Konzepte von most, Cavis 
Negra, 
Laibach / NSK verfasst, da will man nicht zu weit dahinter her hinken ...

Ich jedenfalls nicht, und diese Letternanreihung stammt aus meinem Hirn, 
mit genau diesen Ost-West-Links nach Slowenien, Ostdeutschland, zu
alten Ikonen der Moderne, zu einigen der wenigen visionären Projekten
der Medienkunst der letzten Jahre, wie Wien es verdient, und bitter nötig
hat. Etwas Respekt, Interesse und Forschung zeigen, ok?, - das geht an alle hier
in Wien.

Die besondere Unübersetzbarkeit der griechischen Präpositon "Para"
aus der antiken in eine moderne Bedeutung erspare ich dir hier. 
Philologen können damit bis zu 2 Stunden zubringen ...

Bitte, danke.

Leo

________________________________________
From: [email protected] [[email protected]] On Behalf Of 
Stefan Lutschinger [[email protected]]
Sent: Friday, December 04, 2009 7:09 PM
To: Joanna Pianka
Cc: Findeisen Andreas Leo; [email protected]; sc
Subject: Re: [netznetz.net] plakat // netznetz plenum audimax

Am 04.12.2009 um 19:28 schrieb Joanna Pianka:

> also so ganz klar ist das mit der "kleinen ac" nicht
> rübergekommen... nonono...
>
> was gemeint war, ist, ein zusammenführung der bisher geförderten
> projekte, eine kleine präsentation, mini-ausstellung zu machen. ein
> event, der mehr ist, als "nur" eine vergabewahl für kleinere
> projekte mit "kleine ac" war gemeint, die grundidee der ac

Mir gefällt die Idee,

aber warum nicht gleich in Verbindung mit einer Abschaffung von
Paraflows und dem Aufgehen des 100.000 Budgets in den Teilfördertöpfen?

Wenn ein Fördergegenstand ('Annual Convention der Wiener Szene')
seine Widmung trotz unbestreitbarer Anstrengung innert 4 Jahren nicht
erfüllen kann, dann sollte man endlich einen Deckel auf dieses
Millionengrab - in Schilling - legen.
Und das jährliche Highlight von Paraflows, die Monochrom Taugshow,
ist sowieso besser, wenn ich es mir nur vorstelle und nicht anschauen
muss.

Ein Plus von 20% für alle - Einreicher/innen bei Digitaler Kunst UND
Kultur - wäre mal ein mutiger, substantieller Reformvorschlag, der
obendrein dem Fördergeber nichts kostet, damit einfach zu realisieren
ist, 400 potentiellen Einreicher/innen direkt nützt und auch
niemandem wehtut.
Eine Win-Win Situation, wie man sagt.

Die "kleine AC" könnte nun endlich das tun, was die "grosse AC" nicht
zu leisten vermochte und das schicke coole Wiener Event der digitalen
Szene macht sowieso schon 5uper.net mit Coded Cultures - also wofür
brauchen wir dann noch Paraflows, bitte?

Cheers aus London,
Stefan


-

http://www.classwargames.net

'I am a proletarian free of prejudice. I ask you to excuse me for my
rudeness and form of exposition, for I have been writing not in a
study with unlimited free time but in the field on a cart, when I
could take myself away from the fieldwork.'

A. Zemskov 1917

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