Lieber Leo,

erlaub mir eine Frage: warst du heuer bei Paraflows - oder war dir  
vielmehr deine Zeit zu schade (so wie mir)?

Niemand stellt deine Leistungen 2006 infrage.

Aber weisste, wenn ich mir, wie im letzten Jahr, meine kostbare Zeit  
und meinen AC-bedingten Wienaufenthalt so einteile, dass ich extra  
länger bleibe um bei der Abschlussparty im Transporter teilnehmen zu  
können und dort taucht NIEMAND auf, nicht mal die Paraflows- 
Veranstalter selbst, die Gäste grade mal eSel, lizvlx und Jörg  
Piringer, die sich ebenso kopfschüttelnd wundern wie ich über den  
unsichtbaren ausgestreckten Mittelfinger nach dem Motto "schauts nur  
her was wir uns leisten können und die MA7 deckt uns immer noch bei  
jeder Frechheit", dann sage ich, diesem Spuk sollte schleunigst ein  
Ende bereitet werden.

Sowas - diese Geste der Verachtung und des Hochmuts gegen Kolleg/ 
innen (gefördert mit Mitteln der Kulturabteilung der Stadt Wien) -  
die stört mich persönlich weitaus mehr als ein einzelner unglücklich  
gewählter Workshoptitel, den Kollege Rakuschan hier öfter zitiert hat.

Also weitere 100.000 (in Worten: hunderttausend) Euro für eine  
derartig zynische Verhöhnung des (damals noch abwartend-wohlwollend  
gestimmten) Publikums quasi als Belohnung auszuschreiben, finde ich  
absolut inakzeptabel und kann mir beim besten Willen nicht  
vorstellen, dass sich die politisch Verantwortlichen im Wiener  
Wahljahr 2010 ein weiteres Mal einer derartigen Blamage aussetzen  
wollen.

Nein zu Paraflows 2010!

Cheers,
Stefan


-

http://www.classwargames.net

'I am a proletarian free of prejudice. I ask you to excuse me for my  
rudeness and form of exposition, for I have been writing not in a  
study with unlimited free time but in the field on a cart, when I  
could take myself away from the fieldwork.'

A. Zemskov 1917




Am 04.12.2009 um 21:56 schrieb Findeisen Andreas Leo:

> Stefan,
>
> so gehts nicht!
>
> Das mit der AC dringend etwas geschehen müsste, da
> stimme ich dir zu. Nur wer, wann, wo, mit wem, was?
> In meinen Augen schwebt grad alles in der Luft.
>
> Aber du weißt, denke ich, dass ich "Paraflows" für die AC 2006
> zusammen mit dem Untertitel "The nets beyound the net" als Titel
> entwickelt habe.
> Das war nicht nur ein Versuch, "das Digitale hinter dem sozialen Netz"
> gemeinsam mit dem "Sozialen hinter dem digitalen Netz" zu  
> thematisieren,
> wie es dabei war, in NetzNetz eine Realität eigener Ordnung zu werden.
> Ebenso war es das Ziel, die künstlerisch.erfinderischen
> Anteile in manchen (v.a. europäischen) Netzaktivistengruppen
> (foebud, ffii, schwedische piraten) mit den frech-aktivistischen
> Anteilen von Medienkunstprojekten (stationrose, cntrcpy, darkwood dub-
> slobodna cultura) abzugleichen,
>
> DENN
>
> es bedeutet bis heute, im Namen, gleichzeitig eine Hommage an die  
> Installation
> "Parahouse 1997" im Bauhaus-verbundenen Kultursquad (1991) "Kiez- 
> Dessau",
> An Parahouse, das ist jetzt etwas oral history, nahmen auch Teile der
> Netzkunst der folgenden Jahre ihren Ausgang.
>
> Dahinter steckte übrigens auch Marko Kosnik, dessen hEXPO2000-Festival
> in Slowenien meinen kunst- und medienhistorischen Hintergrund für
> das "Wiener Experiement", NetzNetz, so stark prägte, dass ich wichtige
> Zeitläufe meiner letzten zwei Jahre (und davor, ca. ab 08/2005)  
> investierte.
> Das war nicht der einzige, aber einer der wesentlichen Impulse.
> Ich bereue keine Minute, aber bitte lies dir das hier durch, bevor  
> du über
> "Paraflows" urteilst:
>
> (...)
> Knowing the history of KIEZ is knowing the history of desire to  
> build a house open to the four winds and closed against the  
> emptiness of society without a meeting point.
> Many travelers have been attracted during the last seven years into  
> helping to build the cultural center out of ruins and many had to  
> leave this new home to keep it open.
> After nearly every brick of the building has changed its position  
> four times, it looks like the time has come for the final touch.
>
> All the challenges which stimulate the action of Egon March  
> Insitute are here, fulfilled: to inhabit a public place as a  
> working laboratory; to create a learning situation
> amidst the existing social-cultural structure; to host artists and  
> experts from different fields and places for an ongoing research in  
> a team situation; to be a real guest
> in a real house, with a real theater and a real bar; to amplify and  
> reflect the unconcious gestures of participants and make them  
> chance generators for echoeing in
> digital mirrors; to reconstruct the space as an instrument for  
> performers; to translate the morphology of the moving body to the  
> topography of the
> Theater of Memory.
>
> PARAHOUSE has started its grounding down from the digital universe  
> in the beginning of September when artists from Paris, Berlin,  
> Ljubljana, Moscow,
> Dessau and Amsterdam started preparations over the Internet to  
> design a fast evolving situation at the place of the event, where  
> they will meet in October to
>  incorporate electronics into infrastructure of the house and  
> develop performances, installations, web radio contacts and CUSEEME  
> activities.
>
> We will be in full action during the Ostranenie '97 festival.
> (...), Quelle:
>
>
>
> Die Panels hatten die Obertitel:
> When Attitude becomes Form – 20 years of using Technologies for  
> Communities
> Fighting complexities in parallel - How political can you get in  
> international communities?
> Moving Politics into Cyberspace – On hard facts of digital dreams
> Moving from Cyberspace into Politics – Preforming tomorrows  
> realities together
>
> Von den Workshops will ich garnicht reden, sind leicht zu finden:
> Quelle: http://2006.paraflows.at/index.php?id=6&L=
>
> Mag sein, das waren erste tapsende Versuche, die in NetzNetz
> vereint selbst-geförderten Teiltraditionen über einander
> ins Verständnis zu setzen.
>
> Doch ohne Tradition keine Kunstvitalität. keine fruchtbare
> Forschung im Kunstfeld: "reflecting the black hole of presence at  
> the concrete
> place with the help of electronical protheses.".
>
> Bitte, das zu bedenken, wenn du leichtfertig schreibst:
> "also wofür brauchen wir dann noch Paraflows, bitte?"
>
> Warst du nicht persönlich im Jänner diesen Jahres
> beim 12. Geburtstag des "Parahouse"-Gründungsereignisses
> in Berlin: http://www.iflugs.hdk-berlin.de/parahouse/
>
> Ich bitte also um etwas historisches Eingedenken, wir befinden uns
> schließlich immer noch im selben Jahr!
>
> Also KEINE ÄNDERUNG DER PARAFLOWSBEZÜGE und -INHALTE ohne
> eingehende Konsultation dieser einzelnen Kunstwerke, der beteiligten
> Personen, der sozialplastischen Implikationen für Medienkunst/ 
> Medienforschung.
> Nicht, dass es mir gehört, aber ich bin wohl der Einzige in Wien,  
> der das
> erklären könnte, weil ich mich mit diesen Leuten schon seit 1997
> treffe und berate.
> Das hat schon lange nicht nur mehr mit mir zu tun, es wäre von mir  
> auch schwer
> den MacherInnen gegenüber zu erklären, ok? Und du weisst, Marko ist  
> ein persönlicher
> Freund, hat vor bald 30 jahren wesentliche Teile der Konzepte von  
> most, Cavis Negra,
> Laibach / NSK verfasst, da will man nicht zu weit dahinter her  
> hinken ...
>
> Ich jedenfalls nicht, und diese Letternanreihung stammt aus meinem  
> Hirn,
> mit genau diesen Ost-West-Links nach Slowenien, Ostdeutschland, zu
> alten Ikonen der Moderne, zu einigen der wenigen visionären Projekten
> der Medienkunst der letzten Jahre, wie Wien es verdient, und bitter  
> nötig
> hat. Etwas Respekt, Interesse und Forschung zeigen, ok?, - das geht  
> an alle hier
> in Wien.
>
> Die besondere Unübersetzbarkeit der griechischen Präpositon "Para"
> aus der antiken in eine moderne Bedeutung erspare ich dir hier.
> Philologen können damit bis zu 2 Stunden zubringen ...
>
> Bitte, danke.
>
> Leo
>
> ________________________________________
> From: [email protected] [[email protected]] On  
> Behalf Of Stefan Lutschinger [[email protected]]
> Sent: Friday, December 04, 2009 7:09 PM
> To: Joanna Pianka
> Cc: Findeisen Andreas Leo; [email protected]; sc
> Subject: Re: [netznetz.net] plakat // netznetz plenum audimax
>
> Am 04.12.2009 um 19:28 schrieb Joanna Pianka:
>
>> also so ganz klar ist das mit der "kleinen ac" nicht
>> rübergekommen... nonono...
>>
>> was gemeint war, ist, ein zusammenführung der bisher geförderten
>> projekte, eine kleine präsentation, mini-ausstellung zu machen. ein
>> event, der mehr ist, als "nur" eine vergabewahl für kleinere
>> projekte mit "kleine ac" war gemeint, die grundidee der ac
>
> Mir gefällt die Idee,
>
> aber warum nicht gleich in Verbindung mit einer Abschaffung von
> Paraflows und dem Aufgehen des 100.000 Budgets in den  
> Teilfördertöpfen?
>
> Wenn ein Fördergegenstand ('Annual Convention der Wiener Szene')
> seine Widmung trotz unbestreitbarer Anstrengung innert 4 Jahren nicht
> erfüllen kann, dann sollte man endlich einen Deckel auf dieses
> Millionengrab - in Schilling - legen.
> Und das jährliche Highlight von Paraflows, die Monochrom Taugshow,
> ist sowieso besser, wenn ich es mir nur vorstelle und nicht anschauen
> muss.
>
> Ein Plus von 20% für alle - Einreicher/innen bei Digitaler Kunst UND
> Kultur - wäre mal ein mutiger, substantieller Reformvorschlag, der
> obendrein dem Fördergeber nichts kostet, damit einfach zu realisieren
> ist, 400 potentiellen Einreicher/innen direkt nützt und auch
> niemandem wehtut.
> Eine Win-Win Situation, wie man sagt.
>
> Die "kleine AC" könnte nun endlich das tun, was die "grosse AC" nicht
> zu leisten vermochte und das schicke coole Wiener Event der digitalen
> Szene macht sowieso schon 5uper.net mit Coded Cultures - also wofür
> brauchen wir dann noch Paraflows, bitte?
>
> Cheers aus London,
> Stefan
>
>
> -
>
> http://www.classwargames.net
>
> 'I am a proletarian free of prejudice. I ask you to excuse me for my
> rudeness and form of exposition, for I have been writing not in a
> study with unlimited free time but in the field on a cart, when I
> could take myself away from the fieldwork.'
>
> A. Zemskov 1917
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