On Wednesday 13 June 2012 10:10:27 Heiko Schlittermann wrote:
> Grimnin Fridyson <[email protected]> (Mi 13 Jun 2012 05:52:14 CEST):
> > wie soll dann der Plan für standortlokale Adressen (site local addresses)
> > sein (ipv6 ist doch angetretten Netze automatisch zu konfigurieren also
> > muss doch der Fall vorgesehen sein)

Der Begriff "site local" wird nur im Zusammenhang mit Multicast benutzt. Die 
sind üblicherweise nicht per DHCP vergeben... ;-)

> Du meinst diese ULA (Unique Local Address) aus dem Block fc00::/7, der
> in fc00::/8 (zentral gemanaged, irgendwann) und fd00::/8 (random
> /48-Prefixe) zerfällt?
> 
> Soweit ich das sehe, solltest Du im Idealfall solche Adressen ja nicht
> wirklich brauchen, außer zu Test- oder Spielzwecken, weil Du ja
> eigentlich genügend öffentliche Adressen bekommst (irgendwann) von
> Deinem freundlichen ISP.

Kommt darauf wie man sein lokales Netz betreibt. ULA's sind eine prima 
Möglichkeit lokale Services auf festen Adressen zu bieten ohne Probleme zu 
bekommen, nur weil nach ein paar Monaten ein Manager der Meinung ist dass ein 
anderer Provider günstiger ist.

Beispiel: die Firma hat eine Fertigung, einen Serverraum mit der 
Produktionssteuerung und ein Büro. 

Der Fertigung würde ich feste Adressen aus dem ULA-Bereich geben - die 
Schleifmaschine braucht nicht auf Ammasohn einzukaufen, andererseits dürfen 
laufende Verbindungen nicht unterbrochen werden. 

Das Büro bekommt nur Adressen aus dem öffentlichen Bereich (ISP supplied 
global scope), damit die Chefsekretärin neuen Kaffee bestellen kann, aber das 
Büro braucht keine festen Adressen. 

Der Serverraum bekommt beides, damit die Server immer auf der selben Adresse 
erreichbar sind und die Verbindungen zur Produktion nicht abbrechen nur weil 
man den ISP wechselt.

> Und ich kann mir gut vorstellen, daß es im Ermessen des Clients liegt,
> die Adresse als AAAA-Record dann in „seiner“ Domain einzutragen, wenn er
> erkennt, daß sie aus dem ULA-Bereich ist und daß damit voraussichtlich
> keine globale Erreichbarkeit gegeben ist.

Korrekt. Nur dass ich als Admin in einer Firma mit 24x7 Produktion keine 
Updates der zur ULA korrespondierenden DNS-Zone zulassen würde. Solche 
Probleme will man nicht diagnostizieren müssen.

ULA ist übrigens nicht nur "vorraussichtlich" nicht global erreichbar. Wenn 
ein ISP das durchläßt dann hat er einen fatalen Fehler gemacht.

> Und zusätzlich kann ja auch dem DHCP-Server niemand verbieten, die
> Adresse zusätzlich auch als AAAA in der Domain der aktuellen Site
> einzutragen. Für den PTR-Records ist der DHCP-Betreiber aber sehr
> wahrscheinlich in jedem Falle zuständig.

Und woher soll der DHCPv6-Server wissen wo der PTR hinzeigen soll? Angenommen 
ich bin in einem Fremdnetz und bekomme per DHCP eine Adresse zugewiesen, dann 
schicke ich meinem DNS-Server zu Hause einen AAAA mit Adresse und meinem 
normalen Heim-FQDN. Der DHCPv6-Server kennt aber nur meine Adresse, meine MAC 
und meine DUID - er hat keine Chance einen sinnvollen PTR zu konstruieren. 
Wahrscheinlicher ist sogar dass ich im Fremdnetz nur SLAAC und kein DHCP mache 
- wenn der Router also nicht aktiv alle ICMP-Nachrichten mitsnifft, dann hat 
er keine Ahnung wer ich bin (RS/RA tauscht nur die Net-ID aus, die Host-ID ist 
erst in der DAD zu sehen - man weiß ja nicht ob ich die EUI-64 oder Privacy 
Extension benutze).



        Konrad

Glossar für alle, die wir bis jetzt abgehängt haben:

Host - Laptop, PC, Handy, Tablet

Server - teurer PC

Router - PC mit mehreren Netzwerkanschlüssen oder kleine graue Box mit DSL

IPv4 - kurze IP-Adressen, die eigentlich schon alle sind. Es ist ein Wunder 
dass das Internet noch geht.

IPv6 - TCP/IP mit langen Adressen (128 bit) von denen es deutlich mehr gibt; 
damit es nicht so lang wird schreibt man die hexadezimal; deutsche ISPs können 
bisher nicht hexadezimal zählen, deswegen gibt es kein IPv6 von der Telebum

Host-ID - die letzten 64 bit einer IPv6-Adresse

Net-ID - die ersten 64 bit einer IPv6-Adresse

Prefix - die ersten Bits einer IPv6-Adresse, die ein Netzwerk gemeinsam hat; 
ein /64-Prefix ist meistens auch die Net-ID des LANs dem es zugewiesen ist; 
als Kunde eines ISP sollte man ein /56 (256 Subnetze) oder ein /48 (65536 
Subnetze) bekommen

ICMP -  Internet Control Message Protocol, der Teil von IP wo Ping und andere 
Low-Level-Nachrichten ausgetauscht werden

ULA - Unique Local Address, das IPv6-Äquivalent von 192.168.x.y

ISP - Internet Service Provider (T-Offline, 1&1, in begrenztem Maße AOL)

DHCP(v4) - dynamische Adressvergabe bei IPv4; machen kleine graue Boxen von 
alleine (falsch) und macht Admins graue Haare, ist aber immernoch besser als 
manuell ein paar tausend Rechner zu konfigurieren; manchmal ist Wäscheklammern 
mit aufgeklebten Nummern verwenden einfacher

DHCPv6 - was ganz anderes als DHCPv4: dynamische automatische Neu-Nummerierung 
von ganzen IPv6-Netzwerken über mehrere Hierarchie-Ebenen hinweg (große 
Firmen). Kann auch IPv6-Adressen an einzelne Hosts vergeben (eher die 
Ausnahme). Kleine graue Boxen mit IPv6 werden das benutzen, um für das lokale 
Netzwerk ein Prefix zu bekommen (wenn die Telebum es in ein paar Jahren dann 
schafft IPv6 einzuführen). In IPv6-LANs mit normalen Hosts wird man es nur 
sehen wenn der Admin einen Chef hat der darauf besteht, weil man es ja schon 
immer mit Däh-Hah-See-Bäh gemacht hat... ;-)

SLAAC - StateLess Address AutoConfiguration, machen kleine graue Boxen und 
große Router mit IPv6 von alleine; sagt dem Host wo der Router ist und in 
welchem Netzwerk (Net-ID) er sich befindet - die Host-ID würfelt er sich dann 
selbst

RS/RA - Router Solicitation/Router Advertisement - die beiden ICMP-
Nachrichten, die für SLAAC benutzt werden; RS: wo ist hier ein Router?, RA: 
ich bin der Router für Net-ID xxx/64

DAD - Duplicate Address Detection - wenn ein Host sich eine Adresse gewürfelt 
hat fragt er als erstes ob die schon jemand benutzt, wenn keiner antwortet, 
dann kann er sie benutzen

MAC - a) die eindeutige 48-bit Adresse einer Ethernet-Karte, man kann daraus 
eine EUI-64 errechnen; b) weißer Host mit Apfellogo und Besitzer, der nicht 
weiß was IP ist

EUI-64 - eine Host-ID, die aus der MAC der angeschlossenen Netzwerkkarte 
errechnet wird indem man in der Mitte fffe einschiebt und Bit 7 umdreht (xor 
0x02); pro Host eindeutige Host-ID

Privacy Extension - Beruhigungspille für Datenschutzbeauftragte - statt eine 
EUI-64 als Host-ID zu benutzen wird diese jeden Tag neu gewürfelt, damit ich 
auch ja nicht unter der selben Telefonnummer erreichbar bin

Attachment: signature.asc
Description: This is a digitally signed message part.

_______________________________________________
Lug-dd maillist  -  [email protected]
https://ssl.schlittermann.de/mailman/listinfo/lug-dd

Antwort per Email an