na, nach den durchweg kontroversen diskussionen, was denn
'netzkultur' ueberhaupt sein, geschweige denn 'der
netzkulturbereich', kommt mir dieses verfahren doch irgendwie so vor,
als waere das die neubelebung des klassenwahlrechts des 19. jhs. (ist
jedenfalls ein interessantes modell fuer konservative politiker, die
vielleicht zugewanderten erst nach eingehender validierungspruefung
das wahlrecht zugestehen koennten. und die migrationsgemeinschaft
dann vielleicht auch noch dazu einladen, die restriktionen gegen,
sagen wir, asylbewerber selber zu beschliessen. 'demokratisch',
versteht sich.)

die vorstellung, dass nur 120 leute in wien sich fuer eine solche
wahl qualifizieren ('sich validieren lassen') koennen, erscheint mir
sehr verwunderlich - da waere es doch interessant, wie man
'netzkultur' definieren muss, damit man bei all den
interdisziplinaeren (online-)kreativlingen in einer
mehr-millionenstadt auf so eine kleine zahl kommt. aber wenn das
gelungen ist, dann sind 95% wahlbeteiligung wahrscheinlich auch keine
kunst mehr.

gruss,
-a


die netzkultur-szene in wien ist verglichen mit berlin sehr klein.
die bekanntgabe, dass es das neue kulturfördermodell geben wird,
dass netzkultur-fördergeld dafür bereitgestellt wird, und wie das
auswahlverfahren in den grunzügen funktioniert, war im dez. 05 (u.a.
auf der offiziellen page der stadtverwaltung wien)
insgesamt waren 120 wahlberechtigte; die auswahl, wer wahlberechtigt
ist fand durch ein validationsgremium statt (armin medosch, franz
xaver und andrea mayr)
es sollte dadurch verhindert werden, dass sich "jeder dahergelaufene
klavierlehrer beteiligen kann" (originalzitat franz xaver),
vielleicht noch seine schüler einschleust (fanclub im bandbus
mitschleppt) und dann mit einem haufen kohle urlaub macht.
das mit dem validationsgremium halte ich für eine notlösung;
einziges kriterium war jedoch, dass jemand im netzkulturbereich
tätig ist, und der/die bewerberin musste das mit einem 500
zeichen-abstract darlegen (nebst hinweisen auf minestens ein bereits
durchgeführtes projekt).
es wurde nicht validiert, wie gut oder schlecht diese projekte sind,
sondern nur, ob es sich um ein netzkulturprojekt handelt oder nicht!
niemand musste ein zukünftiges projektvorhaben vorstellen (manche
haben das getan). es gab sozusagen stipendien zu verteilen, die zu
projekten führen werden, die dann aber nach abschluss veröffentlicht
werden müssen. so kann in den nächsten wahldurchgängen (in diesem
jahr ist noch einer im herbst) das in die beurteilung mit
einfliessen und die wählerinnen mögen sich dann ein genaueres bild
machen, wem sie ihre stimmen geben.

beste grüße
christoph

- wechselstrom -




Andreas Broeckmann schrieb:

das sind 95% von was?

-ab

beim mana community game, einem partizipatorischen, demokratischen
entscheidungsmodell zur verteilung der fördergelder lag die
wahlbeteiligung bei 95%; ein wert, der sich sehen lassen kann und
von dem demokratien (ohne wahlpflicht) nichteinmal zu träumen
wagen.

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