Die wunderbare Wissensvermehrung. Wie weit trägt das Paradigma „Open Innovation“ für eine nachhaltige Wissensgesellschaft? Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Heise Zeitschriften Verlag Montag, 15. Mai 2006, 19.00 –21.00 Uhr, auf der Galerie der Heinrich-Böll-Stiftung in den Hackeschen Höfen in Berlin ___________________________________ Kreativität und Innovation sind Kennzeichen der digitalen Revolution, die unser Alltagsleben verändert. Die gesellschaftliche Durchsetzung der vernetzten Kommunikation und der Telekooperation, mit der wir Wissens- und Kulturgüter erzeugen, austauschen und verbreiten, eröffnet neue Möglichkeiten für kulturelle, soziale und politische Partizipation und Kreativität. Gefördert wird dadurch nicht zuletzt auch ein wirtschaftlich dynamischer und wettbewerbsintensiver Markt für Güter und Dienstleistungen aller Art. Das Internet ist ein magischer Kochtopf, der ständig Inhalte und Bausteine für die Mehrung des Wissens produziert. Die Nutzer- und Nutzerinnen füttern kollektiv die Informationsdomäne mit Hilfe "sozialer Software", die Wissenschaft publiziert ihre Erkenntnisse in öffentlichen Archiven, eine vernetzte Entwicklergemeinde stellt Open-Source-Programme zur freien Verfügung und nutzt dafür neue Geschäftsmodelle. Auch Künstler- und Künstlerinnen entdecken zunehmend die Vorteile der offenen digitalen Kanäle und öffentlichen Lizenzen für Anerkennung und geschäftlichen Erfolg. So entsteht eine Wissensallmende, ein wachsender Grundstock gemeinsam nutzbaren Wissens. Doch der Innovationsschub ist bedroht. Noch ist das Denken vieler auf die Abschottung des "geistigen Eigentums" und auf traditionelle Geschäftsmodelle ausgerichtet. Ganzen Industriezweigen macht der freie Austausch von Information und Wissen einen Strich durch die Rechnung. Sie versuchen mit Hilfe der Politik und mit Techniken wie dem digitalen Rechtekontrollmanagement (DRM) die Kontrolle über die digitale Welt und das Internet zu erlangen. Ihr Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für den Informationsfluss zu begrenzen und die Nutzer an die Kandare zu nehmen. Schon wird auch am Grundprinzip der Offenheit der fundamentalen Internet-Technik gedreht: Telekommunikationsfirmen pochen auf eine Bezahlung für die Weiterleitung von Inhalten anderer Anbieter über "ihre" Auffahrten zur Datenautobahn, Mautstellen und neue Hierarchie-Ebenen sollen ins Internet einziehen. Diese zunächst in den USA aufgekommene Debatte die "Netz-Neutralität" bewegt nun auch in Deutschland die Gemüter. Der Kampf um die Neudefinition des "geistigen Eigentums" wird – gepaart mit dem Streit um "Internet Governance" – auf verschiedenen Arenen weltweit ausgetragen. Der UN-Weltgipfel zu Informationsgesellschaft (WSIS) etwa hat die US-Sonderrolle bei der Netzverwaltung in Frage gestellt und mit der Einrichtung des „Internet Governance Forums“ die Grundlagen für die Aushandlung eines multilateralen Regulierungmodells geschaffen. Gleichzeitig wird um das „geistige Eigentum“ in anderen UN-Gremien wie der WIPO und der WTO gestritten, wo Entwicklungsländer und die Zivilgesellschaft auf den freien Zugang zum Wissen im Rahmen einer „Development Agenda“ pochen. Während dessen zieht die EU ihre "Innovationsstrategie" mit der Verschärfung der Urheber- und Softwarepatentoffensive weiter durch. Und Deutschland vollzieht. Die Urheberrechtsreform ist in der 2. Phase, die Umsetzung der ersten Richtlinie zur "Durchsetzung" der Rechte an "geistigem Eigentum" hat begonnen. Diese Auseinandersetzungen entscheiden über die Richtung, in welche die Netzgesellschaft sich bewegt. In der Diskussionsrunde wird Licht in die Scharmützel rund um die Zukunft des Internet und der digitalen Gesellschaft gebracht. Gleichzeitig steht die Frage nach Strategien zur Intervention für Nutzer, Zivilgesellschaft sowie kleine und mittlere Unternehmen im Vordergrund. Wie kann die Zusammenarbeit für eine effektivere Lobby dieser Gruppen verbessert werden, um den Paradigmenwechsel hin zu einer nachhaltigen Wissensgesellschaft einzuleiten? Anlässlich der Veröffentlichung des Buches "Die wunderbare Wissensvermehrung – Wie Open Innovation die Welt revolutioniert" laden die Heinrich-Böll-Stiftung und der Heise Zeitschriften Verlag herzlich zu dieser Veranstaltung ein. Programm 19.00 Uhr Begrüßung Olga Drossou, Heinrich-Böll-Stiftung 19.15 Uhr Buchvorstellung: Die wunderbare Wissensvermehrung – Wie Open Innovation die Welt revolutioniert Florian Rötzer, Herausgeber der Telepolis-Buchreihe 19.45 Uhr Podiumsdiskussion: – Grietje Bettin (MdB, Medienpolitische Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen) – Florian Rötzer (Chefredakteur Telepolis) – Klaus Landefeld (Vorstand eco - Verband der Deutschen Internetwirtschaft) – Rainer Kuhlen (Professor für Informationswissenschaft, Konstanz) Moderation: Stefan Krempl, Journalist 21.00 Uhr Imbiss Infos und Anmeldung bitte an [EMAIL PROTECTED]
-- rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost http://post.openoffice.de/pipermail/rohrpost/ Ent/Subskribieren: http://post.openoffice.de/cgi-bin/mailman/listinfo/rohrpost/
