On 11.04.2009, at 20:15, Roland Moriz wrote:

Mathias Meyer schrieb:
...das klassische billig/schnell/pfuschig ("Lo-Fi") gegen qualitativ/ nachhaltig/preiswert ("Hi-Fi") oder was man dafür hält.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir mit Rails in Deutschland irgendwo zwischen PHP- (oft ein Bsp. für "Lo-Fi") und J2EE-Projekten (für "Hi-Fi") verloren gehen weil der Qualitätsanspruch bei Webanwendungen in .de - imho, ymmv! - nicht besonders hoch zu sein scheint. Großkonzerne und Bestandsprojekte mit Tiefgang einmal ausgenommen.

Ich hab da unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Egal wie, mein Qualitaetsanspruch ist hoch, und das ist eine meiner Grundvoraussetzungen fuer ein Projekt. Die Frage nach Testing existiert fuer mich einfach nicht, und diesen Spirit versuche ich auch weiter zu vermitteln.

Ich kann deinen Eindruck persoenlich nicht wirklich bestaetigen, und ich will auch keine Seitenhiebe auf PHP und J2EE von mir lassen, ich hab beides selber bis zum Umfallen gemacht, und in beiden Leuten der lo-fi und hi-fi Schlages getroffen. Das ist einfach unabhaengig von Sprache und Tools. So fremd mir PHP mittlerweile ist, so ordentlich wird es dennoch eingesetzt bei riesigen Seiten (Flickr z.B.)

Das stimmt und gehört dazu, hat den Nachteil (falls ausschliesslich nur geredet wird) das einer das Besprochene zu Papier/Datei bringen und abzeichnen lassen muss falls es die andere Seite später "vergessen" sollte bzw. für Teammitglieder die nicht dabei sein können.

Dieser Aufwand bleibt üblicherweise beim Dienstleister hängen und ist im "Kleinkundensegment" oft schwer bis überhaupt nicht abzurechnen.

Versteh ich gut, und hier ist halt Vertrauen eine Sache, und eben ausreichende Ausfuehrung fuer Vertragsgeschichten die andere. Es bedarf keiner ausgiebigen Ausfuehrung von Features um gemeinsam zum Ziel zu kommen, ich baue dabei immer darauf, dass beide Seiten mit Vernunft zum Ziel kommen wollen. Hat bisher auch immer funktioniert.

Konstanter Kontakt und Ruecksprache bzw. regelmaessige Demos helfen hier ungemein bei Risikominimierung fuer beide Seiten.

Manchmal bekomme ich von Personen (oft mit namhaften IT/Startup Hintergrund) Anfragen ala "Was verlangt Ihr um xy.com nachzubauen?". Das ist auch bei einer Nachfrage die einzige "Spezifikation" die die Person hat und darauf von mir eine sinnvolle Antwort bzw ein detailliertes Angebot haben möchte.

Da fällt es mir ernsthaft schwer eine Antwort zu verfassen.

Geht man also bei so einer Anfrage davon aus, dass der Kunde einem nicht für das Ausarbeiten einer Spezfikation bezahlen kann/möchte, so könnte man Ihm zumindest sagen "spezifiere es möglichst in diesem cucumber-format - und melde Dich dann damit noch einmal".

Es waere schon beinahe unverantwortlich hier ohne weitere Ausfuehrungen eine Antwort zu geben, und ich bin da voll on par mit der Herangehensweise entweder zuerst um detailliertere Ausfuehrungen von Features zu bitten, oder mit dem Kunden zusammen diese zu entwickeln. Klar ist letzteres auch eine finanzielle Frage, aber so oder so mache ich keine Angebote ohne konkrete Vorstellungen, auf die ich meine Abschaetzungen aufbauen kann.

In meiner Erfahrung hilft es den Kunden in die richtigen Richtungen zu stossen, und unterstuetzend zur Seite zu stehen, ob Cucumber oder nicht. Wenn er keine Idee hat, wie man Storys definiert, hilft man ihm eben dabei.

Es ist ein Zwiespalt, gerade im Kleinkundensegment, aber hier muss man Kompromisse finden. Dem Kunden kann man z.B. klar machen, dass man mit einer gut formulierten Listen von Storys wesentlich effektiver zum Ziel kommt, auch wenn der Anfangsaufwand vielleicht etwas groesser ist.

Die vielleicht 10% die das dann wirklich machen werden Kunden weil sie ernsthaftes Interesse haben. Vielleicht bin ich da auch naiv und solche Anfragen sind zu 100% "Junk".

Ich habe aehnliche Anfragen auch schon erlebt, aus denen dann auch tatsaechliche Projekte geworden sind, allerdings erst nachdem die Details genauer mit dem Kunden erarbeitet wurden.

Im Übrigen mag ich den Pivotal Tracker intern auch sehr, allerdings nehme ich an, dass Kunden mit so einer Anwendung bei der Initialspezifikation mehr "Probleme" haben, als mit simplen Textdateien (Auch wenn der Vergleich beider dramatisch hinkt, ich weiss).

Hier ist wiederum die Frage der gemeinsamen Verwendung. Wenn man zusammen mit dem Kunden von Anfang an auf sowas wie Pivotal Tracker setzt (ich find auch Karteikarten super, aber je nach Entfernung zum Kunden macht sich eine einfache Online-Loesung schon ganz gut), dann gewoehnt auch der sich dran. Alles ein Idealfall, aber ist eine Sache der gemeinsamen Eingewoehnung. Einfach vorwerfen sollte man ihm das Tool sicher nicht, sondern eher gemeinsam die Verwendung zusammen mit den Storys erarbeiten.

Im Gegenteil - ich finde es prima sich auch über solche Dinge unterhalten zu können. International (ok, USA-lastig) gibt es dafür eine rails-business Mailingliste auf Google - vielleicht wäre sowas auch für uns in .de sinnvoll?

Ich denke das hier passt schon als Medium. Werden ja nicht allzu viele Diskussionen dieser Art bis dato abgehalten, wobei ich natuerlich neue Medien fuer neue Diskussionen immer begruesse.

Cheers, Mathias
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