Hallo,

Manuel Reimer wrote:
Meiner Meinung nach kann man diese Erfahrungen aus dem GPL-Umfeld 1:1 auf OSM übertragen. Die Unternehmen, die OSM-Daten nutzen wollen, sind auch nicht alle "Engel".

Aber gerade die von mir genannte Motivation kann man eben nicht uebertragen. Wenn Du einen Router mit Linuxkernel baust, und Du hast eine funktionierende Version, dann ist Dir alles weitere egal - Du brauchst keine Kernel-Updates auf Deinem Router.

Im Gegensatz dazu hat ein Snapshot der OSM-Daten eine sehr geringe Halbwertszeit; Du bist praktisch fuer jeden sinnvollen Einsatzzweck auf regelmaessige Updates angewiesen. Das ist ein grosser Unterschied. - Wenn ein Entwickler eines Routers sich gezwungen saehe, alle paar Tage sein Kernelmodul an den neuesten Kernel anzupassen, dann wuerde die von Dir genannte Motivation (moeglichst viel Geld verdienen) schnell dazu fuehren, dass auch in Abwesenheit der GPL das Kernelmodul in den offiziellen Source-Tree kaeme.

Deswegen kann man die Situationen nicht vergleichen.

Das habe ich mitbekommen. Ich werde ein einfaches "Ja" abgeben, wobei ich bei den Diskussionen nicht ganz sicher bin, ob ein "Nein" für das Projekt nicht besser wäre. Wenn genügend mit "Nein" abstimmen, dann bleibt alles beim alten. Es würden also keine Daten gelöscht.

Gerade Du als erklaerter Anhaenger von Share-Alike waerst aber mit einem "Nein" schlecht dran. Es darf als sicher gelten, dass jemand mit einer auch nur halbwegs brauchbaren Rechtsabteilung unsere CC-BY-SA-lizensierten Daten jederzeit nehmen und praktisch wie PD verwenden kann. Er wuerde sich auf den Standpunkt stellen, dass unsere Daten ja keine Schoepfungshoehe haben und daher von der CC-BY-SA nicht abgedeckt werden (ganz aehnlich wie Heiko das in der parallelen Diskussion tut).

Wir haben im Moment die schlechteste aller Situationen - die "kleinen Fische" und die, die es gut meinen, respektieren die CC-BY-SA und nehmen dadurch Wettbewerbsnachteile in Kauf; die "grossen" koennten es sich jederzeit leisten, die CC-BY-SA einfach zu ignorieren und unsere Daten praktisch als PD zu behandeln, und unsere Chancen, dagegen juristisch vorgehen zu koennen, sind gering.

Ich hoffe, dass das auch viele andere tun werden; es wird rechtlich zwar
keine Auswirkung haben, die Datenbank wird trotzdem unter ODbL stehen,
aber wenn am Ende rauskommt, dass 80% der Nutzer eigentlich PD besser
finden, ist das natuerlich trotzdem eine starke Aussage, die dafuer
sorgen wird, dass die Leute aufhoeren, Share-Alike zu einem zentralen
wichtigen Thema in OSM hochzupushen.

Ich hoffe, dass es nicht zu viele andere auch tun werden, denn ein Wechsel zur PD würde mich, wie schon ein paarmal erwähnt, auf jedem Fall vor die Entscheidung stellen, ob ich unter dieser Lizenz wirklich noch beitragen will.

Einen Wechsel zu PD wird es nicht geben (zumindest nicht in der unmittelbaren Zukunft). Aber die ODbL kann auch in einigen Fragen strenger oder laxer ausgelegt werden. Die PD-Abstimmung wird ein Indikator dafuer sein, wie streng die Community eingestellt ist. Wenn 80% der Leute sagen, PD ist genauso gut, dann hat die OSMF ein schwaecheres Mandat, beispielsweise gerichtlich gegen vermeintliche Lizenzverletzer vorzugehen, als wenn 80% der Leute das Share-Alike wichtig finden.

Auch würde ich mir gut überlegen, ob ich einer Umlizenzierung in diesem Fall überhaupt zustimmen würde. Wenn sich abzeichnen sollte, dass ein Fork realistisch ist, dann würde ich mit Nein stimmen, um beim abgespaltenen Projekt mitzuwirken.

Ich wiederhole: Wenn Dir Share-Alike wirklich wichtig ist, und wenn es zu einem Fork kaeme, bei dem ein Teil als ODbL weitermacht und einer als CC-BY-SA, dann waere alles andere als der ODbL-Fork fuer Dich eine unvernuenftige Entscheidung.

Bye
Frederik

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