Hallo, Am Samstag 28 Mai 2011 10:00:28 schrieb Peter Wendorff: > Dass in Deutschland Autobahnen lange Zeit und oft mit beiden Fahrbahnen > auf gleicher Ebene, meist sogar auf der selben Trasse gebaut worden > sind, ist erstmal fast ein Sonderfall. > Oft kommt das AFAIK daher, dass es so möglich wird, Abschnitte der > Autobahn schnell zu planieren und als Start-/Landebahn einsetzen zu können. > > Die Beispiele in den Bergen sind auch in DE Gegenbeispiele, in anderen > Ländern ist das teilweise noch viel seltener so (ohne dass ich jetzt > konkrete Beispiele nennen könnte). > Das ist genau wie das Argument mit der Bombe ein schwer auszurottendes Gerücht. Es gibt einzelne Autobahnabschnitte, die tatsächlich als Behelfsflugplätze eingerichtet sind, z.B. auf der A7 in Schleswig-Holstein. Dazu gibt es auch etwas in Wikipedia.
Im allgemeinen ist es aber ganz schlicht in jeder Beziehung einfacher und billiger, eine breitere Trasse zu bauen als 2 Schmale. Die Planungskosten sind niedriger, es reicht eine Achse und eine Gradiente, pro Station ein Querprofil, es sind weniger Anrainer betroffen, es ist in der Bauausführung einfacher und billiger, im Betrieb ist es einfacher, den Verkehr ggf. umzuleiten, etc. . Die Fahrbahnen werden eigentlich nur getrennt, wenn sonst unverhältnismäßig große Massen bewegt werden müssten, insbesondere in bergigem Gebiet. Auf der A7 gibt es in der Nähe von Soltau eine Stelle, wo sich die Fahrbahnen trennen. Die Autobahn wurde in den 50er Jahren gebaut (AFAIK). Damals wurde noch mit Lorenbahn und Schaufel gearbeitet. Da spielte es dann schon eine Rolle, wenn ein relativ niedriger Hügel auf 2 Trassen umgangen wurde und damit weniger Erdbewegung erforderlich wurde. Eine einfache Rechnung: Eine Autobahn soll auf einem Niveau-Unterschied zum umliegenden Gelände von 2m gebaut werden. Der Platzbedarf für 2 Fahrspuren und Standstreifen ist immer derselbe. Hinzu kommt pro Trasse 2x Bankett (ca 1,50m), 2x Entwässerungsgraben (ca 1,50m), 2x Böschung (1:2 bei 2m -> 4m) Eine gemeinsame Trasse braucht hier zusätzlich zur Fahrbahn ca. 14m. 2 Trassen brauchen ca. 28m. Dazu kommt die eigentliche Nutzbreite mit ca. 11m pro Richtungsfahrbahn. Das heißt, bei einer Nutzbreite von 22m werden zusätzliche Breiten von 14/28m benötigt. Anders ausgedrückt, 22 +14 = 36 gegen 50 m. Das entpricht ca 40% mehr Massenbewegung = Baukosten. Hinzu kommen die Mehrkosten für Planung, rechtliche Durchsetzung, Anwohnerentschädigung etc. Außerdem ist es für einen Bauausführenden eine andere Kalkulation, wenn er 2 einzelne schmale Baustellen hat statt einer breiten. Auch da entstehen Mehrkosten, z.B. durch Machinentransport. (Bitte jetzt keine Erbsen zählen, ich habe die Breiten so geschätzt, ohne Standardquerschnitte heranzuziehen). Bei einem größeren Niveauunterschied sind diese Mehrkosten noch beträchtlich höher. In anderen Ländern ist es häufig so, dass bisherige Straßen zur Autobahn ausgebaut werden. Ein solchen Beispiel kenne ich aus Spanien, wo einfach neben die bestehende Landstraße eine zweite Spur gebaut wurde. Da kommt es dann schon vor, dass neben der Landstraße liegende Hindernisse von der neuen Spur einfach umgangen werden. Besonders deutlich ist das auf dieser Karte zu sehen: <http://www.openstreetmap.org/?lat=38.38311&lon=-3.50458&zoom=15&layers=M> Am Pass "Despañaperros" wurde einfach die Süd-Nord-Fahrbahn neu gebaut, während die Nord-Süd-Richtung auf der unveränderten Passstraße liegt, einschließlich Serpentinen und Parkplätzen auf der für den Verkehr jetzt linken Seite. Als ich die Straße befahren habe, waren sogar die Fahrbahnmarkierungen noch die Alten. Möglicherweise wurden die Parkplätze inzwischen umgebaut. Im Gegensatz dazu werden in Deutschland Autobahnen überwiegend auf einer neuen Trasse gebaut, wo die Baukosten entscheidend sind, s. o. . Es gibt allerdings Ausnahmen, wie z.B. die A21. Gruß, Wolfgang _______________________________________________ Talk-de mailing list [email protected] http://lists.openstreetmap.org/listinfo/talk-de

