Für mich gibt es hier zwei Fragen die sich stellen:

1. Frage an jeden persönlich: Bis zu welchem Detailgrad möchte ich Varianten abbilden?

2. Allgemeine Frage an die Gemeinschaft: Wenn jemand jede Variante als separate Relation mappen möchte, ist das in Ordnung oder schadet er dem Gesamtprojekt damit?

Ich bastle selbst genug an ÖPNV-Karten daß ich detaillierte Informationen zu schätzen weiß. Für mich persönlich beantworte ich Frage 1 daher mit ja.

Frage 2 läuft auf einen Punkt hinaus der bei OSM immer wieder aufkommt: Was für Daten sollten besser außerhalb von OSM verwaltet werden als innerhalb? Wo ist die Grenze zu ziehen? Bei Fahrplänen sind wir uns ja alle einig - die haben in OSM nichts verloren. Ist die Abbildung jeder einzelnen Variante dann ein Schritt zu weit in Richtung Fahrpläne? Schaffen wir damit nur eine Kopie von Informationen die extern autoritativ vorliegen, die wir kaum aktuell halten können und besser bei Bedarf referenzieren sollten als sie nach OSM zu übertragen?

Ich habe mir diese Frage lange durch den Kopf gehen lassen und komme doch immer wieder zu dem Schluß daß die Abbildung aller Varianten als separate Relationen (so denn ein Mapper persönlich Zeit und Lust dazu hat) einen Gewinn für die Gemeinschaft darstellt. Ja, Du hast Recht daß sich mit Hilfe eines Routingalgorithmus eine plausible Route erstellen läßt. Aber hier gibt es unmittelbar zwei Probleme:

* Die plausible Route muß nicht auch die tatsächliche, richtige sein. Wir wollen ja mit OSM Informationen richtig abbilden. Eine solche automatisch berechnete Route stellt damit einen Startpunkt dar den wir dann innerhalb der Gemeinschaft verfeinern können. Das ist für mich analog zu Straßen oder Gebäuden die wir Luftbildern entnehmen können. Wir haben einen sehr guten Startpunkt, können dann aber darauf aufbauend die Informationen verfeinern und korrigieren.

* Einen weiteren sehr wichtigen Punkt sehe ich darin daß die Informationen, nach Varianten aufgegliedert, in einer "vorgekauten" Version vorliegen. Wenn jemand eine interessante Anwendung hat die einzelne Varianten referenzieren oder abbilden möchte muß er dann eben nicht einen Routingalgorithmus implementieren oder zwangsweise Fahrpläne konsultieren. Diese Arbeit braucht nur einmal gemacht zu werden um die einzelnen Varianten abzubilden. Anschließend stehen sie in sehr einfach zu verarbeitender Form der gesamten Gemeinschaft zur Verfügung.

Die Sache erinnert mich insgesamt sehr an den Fragenkomplex rund um TMC. Auch hier wird immer wieder diskutiert was in OSM gehört und was sich jeder bei Bedarf selbst zusammenstellen und errechnen kann. Ich denke daß wir bei den ÖPNV-Anwendungen von OSM wirklich kurz vor dem Durchbruch stehen, daß hier echt viel passiert und viele interessante Anwendungen entstehen. Ich für mich stecke gerne mehr Aufwand in die Datenerfassung um damit die ÖPNV-Daten so einfach verwendbar zu machen wie möglich.

Gruß,
- Bartosz

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