Diesem Monster-Thread mit vorbildlichen Zitaten (Lob!) möchte ich  
auch noch etwas beifügen.

Am 29.11.2007 um 15:20 schrieb Thomas Böttiger:

> Das Problem ist eher, dass wir schon konditioniert sind. So wie wir
> einfach nichts dabei finden, den Rechner über START auszuschalten,
> stört es uns nicht, in einem Dokument in- und her zu blättern statt
> mit dem Finger durchs IVZ zu fahren.
> Daran ist nichts Anstößiges, nur sollten wir uns von Zeit zu Zeit
> vergegenwärtigen, dass man manchmal schon so tief in der Materie
> hängt, dass möglicherweise zweckmäßigere Optionen uns nicht mehr
> auffallen. Betriebsblindheit sozusagen.


Mir ist schon klar, dass nicht überall Produktvarianten dokumentiert  
werden müssen und nicht überall Single-Source-Publishing (also  
gleichzeitiges Erstellen einer Online-Fassung aus der gleichen  
Quelle) betrieben wird. Aber beides kann m.E. jeden Redakteur an  
seinem derzeitigen oder seinem nächsten Arbeitsplatz jederzeit treffen!

Und ich entnehme einigen Äußerungen ebenfalls ein tradiertes  
Verhaften in konditioniertem Verhalten. Dazu gehört z.B. auch der  
Glaube, dass ein Stichwortverzeichnis mit möglichst vielen  
Seitenverweisen besser sei als eines mit wenigen Verweisen.

Wenn wir die zwei Extreme der Nutzung von Dokumentation heran nehmen:  
Strukturiert (top-down, mit dem IVZ beginnend) und am anderen Ende  
atomisiert (netter Begriff!, bottom-up, also per Stichwortverzeichnis  
oder Kontexthilfe oder Querverweis mitten hinein gesprungen), so wird  
doch allen klar, das beide Verwendungsszenarios (und alle  
dazwischen!) bedient werden müssen. Da ist kein Platz für persönliche  
Vorlieben, niemand kann dem Anwender vorschreiben, wie er zu lesen hat.

Daraus folgt für mich, dass vor allem das Print-Layout noch eine  
Menge von der Online-Nutzung lernen kann, um die Bottom-up-Nutzung  
besser zu stützen:

* Pro Stichwort exakt eine Zielstelle, ggf. mit zweiter Ebene genauer  
fassen!
* Detaillierte Überschriften, die so genau wie möglich verraten, was  
an Inhalt folgt!
* Auf jeder Seite Darstellung des hierarchischen Zusammenhangs  
(übergeordnete Überschriften)!
* Querverweise nach Typen ordnen und am Beginn oder Ende eines  
Sachzusammenhangs anbieten!
* ...

Ich habe festgestellt, dass all die Dinge, die man im Online-Medium  
braucht, auch im Print-Umfeld keinesfalls schädlich sondern nützlich  
sind. Deren Fehlen hat uns nur bislang nicht gestört, weil wir eben  
schon jahrelang konditioniert wurden.

Schönen Abend,

- Michael Müller-Hillebrand

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Michael Müller-Hillebrand: Dokumentations-Technologien
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