Hallo Andreas, 
Am Tue, 3 Jan 2006 16:14:30 +0100, schrieb Andreas Borutta:
>>  Weder in die eine noch die andere Kategorie. HTML und CSS sind 
>>  "Beschreibungssprachen" bzw. Auszeichnungssprachen (siehe 
>>  Wikipedia). Sie beschreiben wie ein drittes Programm die 
>>  Informationen darzustellen hat. Das ist weder Fließtext noch 
>>  richtig Layout, kommt aber dem Layouten am nähesten. 
> 
> Für mich war das Kennenlernen des Konzeptes der strikten Trennung von
> Auszeichnung und Gestaltung bei HTML und CSS ein Aha-Erlebnis.

Ging mir bei TeX auch so. 

> Warum existieren noch andere Konzepte, frage ich mich.

Weil....

Gute Frage, nächste Frage. Ich weiß wirklich keine Antwort hierauf. 

Ursprünglich sollte ja durch das Aufheben der Trennung erreicht 
werden, dass die Bearbeitung einfacher wird. Du mußt nicht mehr 
"umständlich" einen Text schreiben und dem dann 
Anweisungen/Stilregeln vornedran bzw. hintendran stellen damit am 
Ende ein Ergebnis rauskommt. Eine nachvollziehbare Argumentation. 

> Welche Vorteile besitzen andere Konzepte diesem klaren Konzept
> gegenüber?
> Bei dieser Frage schließe ich ausdrücklich die optionale Nutzung von
> WYSIWY(G/M)-Editoren ein - für alle, die nicht ausschließlich
> Quelltext bearbeiten wollen.
> Ich zähle mich ebenfalls dazu. Hier ein Beispiel meines HTML-Editors,
> wo stets der WYSIWYM- und Quelltexteditor synchron offen sind:
> http://borumat.de/bilder/ergonomie/html-quellcode-und-wysiwyg-editor.png
> 
> Je nach Aufgabenstellung steht meine Einfügemarke entweder im oberen
> oder untere Editor.
> Beide Editortypen ergänzen sich. Eine Feindschaft besteht nicht.
> 
>>  Der treffendere, aber nicht wirklich korrekte, Vergleich wäre der 
>>  mit TeX [...]
> 
>>  Du schreibst einen Text und in dem Text gibst du die Formatierungs- 
>>  und Darstellungsanweisungen gleich mit
>                               ^^^^^^^^^^
> Davon hatte ich schon gelesen und sofort gedacht:
> Damit ist TeX der Klarheit der Trennung von Auszeichnung und
> Gestaltung in HTML und CSS unterlegen.
> Täusche ich mich?

Ja. 

In TeX ist die Anweisung ebenfalls sehr klar vom Inhalt getrennt. 

Einzig die Trennung in eine Datei Inhalt eine Datei 
Formatierungsregeln ist meines Wissens nach nicht vorgesehen. Du 
sollst ähnlich einer Programmiersprache dem Interpreter mitgeben 
was er mit dem Inhalt zu tun hat. Bin mir hier aber nicht mehr 
sicher. 

> Auch in HTML besteht die Möglichkeit sog. Inline-Stilregeln (im Tag)
> oder interne Stilregeln (im Kopf) zu verwenden.
> Gute Praxis ist jedoch das Aufführen der Stilregeln in einer separaten
> externen Datei.

Das ist heute in 2006 gute Praxis. Als ich mit HTML in Berührung 
kam so um 1995 war es gute Praxis die Stilregeln in den HTML Code 
zu schreiben, ganz wie bei TeX auch. allgemeine Stilregeln, Inhalt 
und falls notwendig abweichende Anweisungen, Inhalt, Ende 
abweichende Anweisung. Wenn Du keine besonderen Auszeichnungen wie 
fett oder so brauchst, dann kannst Du auch bei TeX mit den 
allgemeinen Anweisungen auskommen. Ist mir aber noch nicht 
gelungen. Da ja auch Absätze "Abweichungen" sind müssen hier auch 
Regeln mitgegeben werden. 

> Unter der Haube von OOo werkelt XML. Jedoch sind ist der Quellcode
> nicht so schlank und prägnant wie er sein könnte.
> Wertet ihr dies als ein Indiz für einen grundsätzlichen Mangel?
> Wäre gut von Menschen lesbarer Quellcode für OOo ein wertvolles Ziel?
> 
>>  dann wird ein drittes 
>>  Programm gestartet, dass dir entweder den Text korregt formatiert 
>>  und layoutet anzeigt oder im Falle von TeX noch ausdrucken kann, 
>>  setzen kann, als PDF speichern und vieles vieles mehr. 
> 
> Damit ist TeX dem Konzept, welches ich kenne und überaus schätze sehr
> nahe.

Ja. 
 
> Du schriebst hier im Thread, dass TeX zu denjenigen Anwendungen
> gehört, die Du "unbedingt noch erlernen möchtest".
> 
> Die Lernkurve von TeX ist bekannt (berüchtigt) und Du selber hast sie
> schon erfahren.
> 
> Wenn wir davon einmal absehen und uns vorstellen, der Lernaufwand sei
> bewältigt:
> 
> Welche Aufgaben kann man (prinzipiell) mit LyX schlechter lösen als
> mit OOo-Writer?

Keine Ahnung. Ich hab noch nicht mit LyX gearbeitet. 
 
> Oder kann man sagen:
> Wer bereit ist, den Lernaufwand für LyX zu betreiben, fährt bei
> ausnahmslos jeder Aufgabe mit der Nutzung von LyX (TeX, LaTeX) besser
> als mit OOo-Writer.

Dazu kann ich nichts sagen. Ich hab nicht mit LyX gearbeitet. Wenn 
ich aber von der LyX Homepage aus Rückschlüsse ziehen darf, dann 
bietet der LyX Editor eine gute Basis um in die Welt von LaTeX 
einzusteigen. Es kann durchaus möglich sein, dass man nie an die 
Grenzen von LyX kommt, nur dann wir das Ergebnis nicht um soviel 
besser sein, wie mit einem gut bedienten OOo. Einzig weil unter LyX 
eine LaTeX Distri ihre Arbeit tut wird es möglich sein ein paar 
Dinge, die Writer nicht kann, mit LyX zu machen. Richtig einsetzen 
kann man LyX aber nur wenn man auch bereit ist LaTeX zu lernen. Ich 
kann mir nämlich nicht vorstellen, dass LyX alle Erweiterungen 
einbinden kann. 

Ich rate Dir hier aber eher mal auf www.dante.de vorbeizuschauen. 
Das ist die deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V. Dort gibt 
es Mailinglisten etc. Leider hab ich auf die schnelle keine Seite 
gefunden die Hinweise drauf gibt ob es neben dem Sitz in Heidelberg 
regionale TeX Nutzergruppen gibt. Eine Mailingliste gibt es und 
auch ne FAQ. Ich denke, die Seite ist für Fragen rund um LyX 
geeigneter als diese Mailingliste hier. 

Auch auf Linuxtagen sind die Jungs von Dante ab und an vertreten. 
Ist immer nett sich mit Ihnen zu unterhalten. 

Mit freundlichen Grüßen
Eric Hoch

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