Am Freitag 25 April 2008 21:50:05 schrieb Jörg Schmidt:
> Hallo,
>
> M. Houdek schrieb:
> > Ich denke mal, das Mr. Ballmer nun mal einen sehr
> > entscheidenden Einfluss auf
> > die gesamte Marketingpolitik von Microsoft hat. Und dieser
> > Mann bürgt auf
> > seine Art für "Qualität und Einfallsreichtum" auf diesem Sektor.
>
> Das ist alles unbestritten, allein war es nicht Thema /meiner/
> Betrachtungen und es schien mir wichtig das klarzustellen.
>
> Meine Betrachtungen beziehen sich u.A. darauf das weder die handelnden
> Personen, noch MS insgesamt beliebig handeln können, sondern innerhalb
> von Rahmenbedingungen, die sie nicht direkt beeinflussen können, handeln
> müssen.
> Ich gehe weiterhin davon aus das die Ziele von MS weitestgehend
> unverändert sind, aber genau deswegen müssen sie ihre Methoden ändern
> wenn sich die Rahmenbedingungen ändern und das sich Letztere geändert
> haben sehe /ich/ allerdings.
Die Rahmenbedingungen haben sich IMHO nicht so gravierend geändert - zumindest
nicht in D, wo Microsoft-Office in fast allen Bereichen des öffentlichen
Lebens wie auch im Mittelstand den Quasi-Standard darstellt. Ob da nun andere
Systeme 5% oder 10% oder sogar 15% Prozent Marktanteil haben, ändert daran
noch nicht wirklich etwas.
Und das es jetzt ein von Microsoft initiiertes weiteres offenes,
ISO-zertifiziertes Standardformat gibt, ist momentan nur ein weiteres
Marketing-Argument. OOXML wird es sehr wahrscheinlich noch für längere Zeit
in 2 Versionen geben: der zertifizierten und der realisierten.
Der Normalverbraucher wird es nicht merken und die meisten Dokumente werden
auch weiterhin im alten doc-Format gespeichert werden (wegen der
Kompatibilität).
> (Im Vergleich ist das nichts Anderes als das ein Boot gerade aus segeln
> soll (=Ziele von MS) früher der Wind von rechts hinten kam
> (=Rahmenbedingungen) und eine bestimmte Segelstellung erforderte
> (=Methoden von MS). Nun hat sich aber der Wind geändert und kommt von
> links hinten und ich sage dann ist zu erwarten das sich auch die
> Methoden ändern müssen wenn die Ziele die Gleichen bleiben sollen.)
Der Vergleich ist gut. Der Wind hat sich um 90° gedreht, er weht aber immer
noch von hinten. *g*
> > Aber so zu
> > tun, als könne man in dem derzeitigen Vorgehen von Microsoft
> > eine positive
> > Richtung sehen (so lese ich das in deinen Zeilen) halte ich
> > für gefährlich,
> > weil es einen schnell in (falscher) Sicherheit wiegen kann.
>
> Zum Letzteren sage ich ja.
>
> > Daher auch meine
> > Zeilen vorweg, die du leider nicht mitgequotet hast.
>
> Hielt ich nicht für notwendig, da ich mich durch Deinen Post nicht
> angegriffen fühlte, also nicht gegenargumentieren mußte, sondern einzig
> meine Position zur Frage der handelnden Personen klarstellen, so Deine
> Einführung von Ballmer weder falsch noch sonstwas war, aber ebend
> überraschend da es bisher nicht eine Zeile dazu gab.
Für mich war es erstaunlich, dass er noch nicht genannt wurde, denn vieles der
Geschäftspolitik hängt in den letzten Jahren an seiner Person. Und die
Politik von MS ist in diesen Jahren aggressiver geworden, allerdings auch
raffinierter.
> > Microsoft kämpfte schon immer mit harten Bandagen und wird es
> > auch weiterhin
> > tun (zumindest auf absehbare Zeit) - das darf man nie vergessen.
>
> Auch richtig, nur MS kämpft m.E. rational. MS tut keine Dinge die ihnen
> nicht nutzen
Natürlich nicht. Wär doch schade um die verplemperte Energie.
> und trotzdem schimmert überall die Beschuldigung durch das
> es das täte.
Hm, den Anschein wollte ich nicht erwecken.
> Es ist für mich sehr einfach: MS wird dann Dinge tun die
> uns schaden wenn sie MS nutzen, MS wird hingegen nichts tun nur weil es
> uns schadet ohne das es MS nutzt, denn das wäre verschwendeter Aufwand.
Genau.
Aber MS tut auch Dinge, die zukünftig von Nutzen sein _könnten_. Wie z.B. ein
eigenes, ISO-zertifiziertes Format. Momentan bringt es keinen direkten
Nutzen. Es kostet nur, und ein Anpassen von MSO2007 an dieses Format kostet
noch mehr. Deswegen glaube ich kaum, dass MS in dieser Richtung viel
unternehmen wird, solange kein Druck der User da ist.
In der jetzigen Situation kann MS für sich postulieren:
- Wir haben ein ISO-zertifiziertes Standardformat namens OOXML.
- Wir haben eine Office-Suite, die Dateien im OOXML-Format speichern kann.
Beide Sätze sind richtig, und die meisten User werden kaum bemerken, dass
OOXML != OOXML. Zumal es viele gar nicht nutzen werden (Siehe oben).
Aber man ist ja mit dem neuen Office2007 sooo zukunftssicher wegen dem
ISO-Format (und diese Schlussfolgerung, die MS so wahrscheinlich nie
behaupten wird, ist leider nicht mehr wahr).
Und so ist mit einer unzulässigen Schlussfolgerung ein gutes Argument für OOo,
Staroffice und viele andere entkräftet, ohne die eigene Codebasis
irgendwelchen Standards unterwerfen zu müssen.
MS kann sich nun in dieser Beziehung zurücklehnen und abwarten, inwieweit das
neue Format überhaupt genutzt wird oder ob es vielleicht in der MS-Variante
wieder zu einem neuen Quasi-Standard wird, der die ISO-Zertifizierung gar
nicht nötig hat. Und sollte beides nicht eintreten, hat man immer noch eine
zertifizierte Variante, die man dann in den eigenen Anwendungen vollständig
implementieren kann.
Clever eingefädelt, kann ich da nur sagen.
--
Gruß
MaxX
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