Liebe Liste

Am 12.02.2010 06:54, schrieb Peter Schild:
Kurze Projektbeschreibung der Ausbildung der Jugendlichen:  (...)
Wenn ich die Wunschliste von Peter mal so überfliege, dann denke ich mir: entweder "wurstelt" Ihr da unten in Zentralamerika weiter wie bisher (und da spielt es wahrscheinlich keine grosse Rolle, ob mit Word/Writer oder Calc/Excel), oder dann muss wirklich professionelle Arbeit geleistet werden (die im geforderten Ausmass wohl hier nicht einfach verfügbar ist). Das muss nicht zwangsweise mit Kosten verbunden sein: eine Ausbildungsstätte für Informatiker (in der Schweiz würde ich sagen: gute Berufsschule, noch besser Fachhochschule, sicher keine Universität mit Theoretikern) könnte da Einiges bringen. Azubis und FH-Studierende suchen immer wieder nach realistischen Projekten. Ist dann mal ein konzeptionell sauberer "Boden gelegt" mit entsprechender Dokumentation, dann kann hier evtl. weiter gearbeitet werden und einzelne Ergänzungen können geliefert werden.

Das Andere ist m.E. eine Lerndatenbank, die es Base-Neulingen ermöglicht, schrittweise in das Thema einzusteigen. Dazu gehört m.E.:

   * Das Problem muss von den Adressaten verstanden werden  - wenn
     nicht, ist der ganze Rest der Arbeit sinnlos und wird auf ein
     blosses "Klicken Sie mal da, dann setzen Sie ein, schieben Sie auf
     Position, usw." reduziert. Derartige "Anleitungen" gibt es zur
     Genüge, das bringt absolut nix.
   * Die Lösung muss sauber konzeptionell erarbeitet werden - wenn
     nicht, bleibt es wieder undurchsichtig wie eben geschildert.
   * Das Problem muss so gelagert sein, dass recht schnell ein erster
     Erfolg vorliegt - wenn nicht, werden viele der späteren "Anwender"
     zu schnell wieder aussteigen. Es muss schnell ein Ergebnis
     herauskommen, mit dem man arbeiten kann, das aber realistische
     Erweiterungswünsche (noch) unberücksichtigt lässt. Die Leute sind
     dann motiviert, das Ergebnis zu "verbessern". Dann lässt sich
     nämlich auch zeigen, dass Makros sehr sinnvoll sein können, aber
     eben auch ein Grundwissen verlangen, das über das reine
     Herumgeklicke hinausgeht. Die Erweiterungen sollten im Konzept
     angedacht sein. Dann kann das Ganze schön entwickelt werden.

Ich fände es sinnvoll, wenn zwei, evtl. drei Stränge verfolgt werden könnten: eine Entwicklung in Base, eine in MySQL, und evtl. eine in Postgre - das würde den Leuten auch zeigen, was konzeptionell gleich bleibt und wo die Programme verschieden sind, wozu welches Programm fähig ist, und wo seine Beschränkungen liegen.

Aus solchen (und weiteren) Überlegungen habe ich vor einem Jahr, als ich in einer Handelsschulklasse Informatik/DB unterrichtete, das Beispiel Terminkalender gewählt, und das auch hier vorgeschlagen. Gegenüber einem Projekt Nordwind/Handelsfirma hat es m.E. drei grosse Vorteile:

   * Jeder vernüftige Mensch kann sich bis in ziemlich komplexe
     Sachverhalte eines Terminkalenders hinein denken - bei einer
     Handelsfirma ist das nicht unbedingt der Fall. Ich behaupte: mehr
     Leute werden das als "ihr" Problem ansehen als eine Handelsfirma.
   * Es ist ein realistisches Problem, mit dem sich die meisten Leute
     irgendwann herumschlagen müssen. Man kann auch realistisch die
     Einzel- und die Mehrplatzlösung zeigen.
   * Schon eine einfache Lösung ist eine Lösung - zeigt aber auch
     schnell am *praktischen* Beispiel die Beschränkungen und weckt
     damit den Appetit auf mehr.

Was sonst geschrieben worden ist, kann ich nur unterstützen: klare Konzeption; saubere Dokumentation; schrittweises Vorgehen; trotzdem die Leute anregen, in vernünftigem Ausmass und mit entsprechenden Vorsichtsmassnahmen auch mal zu experimentieren und Dinge einfach mal auszuprobieren.

Ich hoffe, dieser Beitrag werde etwas Klarheit in die Projektidee bringen - wenn nein, dann ziehe ich mich wieder daraus zurück, denn dann ist es nicht mein "Ding".

Liebe Grüsse

Ernst

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