Moin!

Vieles ist doch aber Augenwischerei von den sogenannten Visionären. Um ein Netz zu erschaffen muss ja auch irgendwo die Hardware herkommen. Die wächst nicht auf Bäumen, sondern wird Industriell gefertigt. Dieser Fertiger möchte dafür nun mal Geld sehen, also sind wir schon wieder beim kommerziellen. Und auch die Ökos die meinen weil sie in einer Wagenburg leben und sich autark versorgen, tun das z.B. mit Solarzellen, die sie nicht selber gefertigt haben, sondern sich bei Elektronik Versender ihrer Wahl bestellt haben.

Am 23.07.2016 um 02:40 schrieb Martin Tippmann:

Das ist doch alles politisch. Wo man auch stehen mag, man sollte wohl
die Begriffe klären.
Was ist für dich undemokratisch? Wie kann ich mir ein AS deklarieren
ohne eine Organisation, ohne Strukturen oder alternativ Geld, dass mir
erlaubt diese "Dienstleistung" einzukaufen.

Deklarieren kannst du alles. Aber wenn du bei den großen mitspielen willst, musst du deren Regeln akzeptieren. Wenn du am Straßenverkehr teilnehmen willst, musst du auch die Fertigkeiten mitbringen und die Regeln beachten. Ich sehe da keinen Unterschied.

Deine Argumentation ist ist völlig korrekt, aber eben auch an die
Prämissen geknüpft, die der Kapitalismus so vorgibt. Kostendeckung,
Nutzer, Dienstleistung, Service.. ich möcht  gar keine Stellung
beziehen, sondern nur darauf hinweisen, das viele Menschen im Freifunk
eben diese Prämissen auch in Frage stellen und so absurd es klingen
mag oder eben auch real momentan ist, ist es doch auch für mich ein
Teil von Freifunk über den Tellerrand zu denken und einfach mal die
für einen rationalen Kapitalisten absurde Parallelwelt versuchen
aufzubauen oder sich wenigstens die Freheit vorzubehalten sie zu
denken.

Von mir aus kann jeder alles in Frage stellen was er in Frage stellen möchte. Ich stelle in Frage das es eine Gesellschaft geben kann, in der es keine kommerziellen Interessen gibt bzw. das mir ein Bäcker immer Brot gibt und ich dafür nix zurück geben muss. In so einer Gesellschaft müsste jeder alle Fertigkeiten haben um überleben zu können. Habe ich nicht. Ich kann nicht Backen. Ich kann aber eine Dienstleistung anbieten und bekomme dafür Geld. Und mit diesem Geld kann ich dem Bäcker sein Brot abkaufen.

Mal angenommen, man belächelt das nicht sondern sondern möchte dahin
arbeiten, dann ist es doch schon eine andere Perspektive?

Hört auf zu träumen! Irgendjemand bezahlt immer irgendwo. Wenn ich Freifunk zur Verfügung stelle, dann kann ich das nur weil ich eine Ressource die ich vorher bezahlt habe anderen zur Verfügung stelle. Das ist einer der Kerngedanken beim Freifunk, und ich glaube nur dieser einer Gedanke, etwas zu teilen was sowieso vorhanden ist und das auch noch Rechtssicher für den der teilt, hat zu dem großen Wachstum von Freifunk geführt. Und diese Anzahl von Menschen die so denken sind Demokratisch gesehen mehr als diejenigen, ich nenne sie mal Kernies des Freifunks. Da können diese nun aufstehen und mit dem Fuß stampfen, aber sie haben nicht mehr die alleinige Deutungshoheit was Freifunk ausmacht.

Du hast ganz schön viel Politik in deinem Post, ob bewusst oder
unbewusst. Zu sagen, dass es keine Politik ist oder auch ideologiefrei
ist halt die aktuelle Ideologie. Das heißt nicht, dass du im Unrecht
bist in der Praxis, aber so eine Argumentation ist wie Scheuklappen
und Freifunk ist groß genug um die auch mal ablegen zu können, wie
absurd es für dich auch immer wirken mag. Wenn man eine Form des
Dialoges und der Kommunikation findet ist es für alle wohl etwas
gutes.

Freifunk kann viele Strömungen haben. Aber die Kernies wollen das ihre eine Ideologie die einzig Wahre sein soll. Ich sehe Freifunk da auch wesentlich breiter aufgestellt ist. Welche Dinge für mich bei Freifunk relevant sind, habe ich auch schon mehrfach hier und anderswo dargelegt. Für mich bedeutet Freifunk das es ein Mesh Netz bleiben soll. Das die Erweiterbarkeit einfach und unkompliziert für Knotenaufsteller sein soll. Das der Datenaustausch unzensiert erfolgt. Das Netzneutralität gegeben ist. Das die Technik die ein Freifunk Netz ausmacht dokumentiert und für jeden der technisch dazu in der Lage ist oder sich das Wissen aneignen will, und nicht muss, es nachvollziehen kann was in den Netzen passiert.

Bäm, Bäm. Warum muss sich das denn wie auch immer "lohnen", warum
sehen wir uns einer Konkurrenz zu kommerziellen Netzen? Lohnt es sich
nicht für das Individium die Gedenken mal spulen zu lassen und und den
Austausch zu suchen? Natürlich gibt es die Realität 2016, abe warum
muss man sich da so dranpappen und andere Ideen bekämpfen? Warum
müssen oder wollen wir überhaupt in eine vermeintliche Konkurrenz zu
irgendwas treten? Ich glaube sowas ist in Genossenschaften oder auch
GmbHs besser aufgehoben, in dieser Form kann man all diese Probleme
lösen ohne Diskussionen und eben Konkurrenz sein zu den anderen.
Vermutlich sogar eine bessere Konkurrenz die auch irgendwie besser
ist, aber warum muss sich Freifunk als Idee den Schuh anziehen?

Jeder kennt das Video zu Freifunk in der Lisa etwas mit jemand anderem teilt. Um das zu können muss das Netzwerk leistungsfähig sein. Das Foto würde bei ihrem Kumpel nicht ankommen wenn das Netz schnarchlahm ist. Jeder ist daran gewöhnt das in heutige Netzen alles schnell geht. Die Zeiten wo wir uns mit 56k bzw. 64k mit ISDN Daten schickten sind lange vorbei. Ich bekämpfe keine anderen Ideen, aber ich geben meinen Senf dazu wenn ich sie für Blödsinn halte. Und was ich für Blödsinn halte das darf ich ja noch selbst entscheiden, oder? Und wenn ich das Ziel habe das Netz meiner Freifunk Community so leistungsfähig zu machen wie es die Kommerziellen können, was ist daran verkehrt und wieso muss ich deswegen eine Genossenschaft oder GmbH gründen?

Dann diskutiert man eben. Vielleicht macht man was falsch und
vielleicht bringt die Diskussion was sinnvoles hervor. Letzlich
missioniert du hier auch, halt für den Status Quo - ist doch schön,
wenn jemand mal unbequem ist.

Wenn ich missioniere, dann mea culpa. Will ich nicht. Ich will aber nicht das die Leistungen der vielen Communitys geschmälert wird, nur weil sie ihren Focus mehr aus das Teilen und der Teilhabe gelegt haben und der Dienst "Internet Zugang" bei ihnen vorrangig ist, anstatt der Bau einer Infrastruktur. Wobei das grundsätzlich falsch ist, denn auch diese Netze bilden eine Infrastruktur und jeder kann darin Dienste anbieten wenn er denn will.

Freifunk sollte der Spielplatz für Utopien und Ideen bleiben, der er
IMHO ist. Wenn man Internet und ISP machen will, dann gründet ne GbR
oder GmBH sagt inspired by Freifunk und habt Spass. Niemand - also ich
zumindest nicht - hat ein Problem damit dass sich Leute
professionalieren, dann ist alles was du sagst auch richtig und so...
aber den Spielplatz schließen, weil man jetzt da seine GmbH machen
will und überhaupt die anderen die Realität nicht so wahrnehmen und
blöd sind ist IMHO die falsche Lösung.

Freifunk sollte vor allem funktionieren und da wo eine Freifunk SSID in der Luft ist hoffe ich das ich dort unkompliziert rein und ins Internet komme. Klar kann ein Community Netz auch mal stocken, aber Ziel von vielen ist halt, das Netz soll möglichst Störungsfrei funktionieren. Einige Communitys sind schon soweit das die Knoten die SSID ändern und somit hinweisen das dieser Knoten gerade keinen vollen (Internet) Service bieten kann.

Ich hoffe du verstehst was ich meine, das ist nicht als Angriff
gemeint sondern ich glaube das da wirklich Welten kollidieren und es
keinen Dialog darüber gibt - deswegen gibt's so viel Ärger und Hass.
Ich möchte auch gerne, dass das Netz 24/7 sauber läuft, die Technik
rennt und man Telekom und Co. den Rang abtreten kann und die Leute
happy sind. Aber da begibt man sich halt in eine Situation in der man
als freiwilliges Non-Profit nur verlieren kann, wenn man es ernst
meint. Das führt dann dazu, das Leute die wilde Ideen haben
ausgegrenzt werden, weil sie der vermeintlichen kapitalistischen
Realität entgegentreten mit ihren Ideen. Irgendwie müsst es da eine
Lösung geben und meine Meinung ist, dass ein dezentral professioneller
abgespalteter "Freifunk" mit GbR und Rechnungen für Betreiber und
Kosten durchaus was gutes wäre, weil dann die Freiwilligen nicht
ausgenutzt würden, andererseits wäre man halt ein weiterer
Dienstleister am Markt mit direkter Konkurrenz zur Telekom oder wem
auch immer - eine FIrma.

Ja Welten kollidieren. Diejenigen die vor zig Jahren den Freifunk kreiert haben und denen die in den ca. letzten 3 Jahren dazugekommen sind. Und wenn man mal in die Geschichte schaut, dann haben die "alten" Freifunk auch deswegen gegründet um Internet von der gut versorgten Straßenseite auf die andere zu bringen. Ich grenze niemanden aus, jedenfalls nicht bewusst. Aber ich darf mir doch ne Meinung dazu bilden was andere schreiben, oder nicht? Wenn ich Willis Ansätze für Blödsinn halte, dann darf ich das doch so sagen. Wenn andere dann meinen ich wäre blöde, dann ist das halt so.

Diese zunehmende Vermischung dieser zwei Denken macht Freifunk grad
ziemlich kaputt, ich hätt nix gegen eine professionelle non-profit GbR
wo Leute auch gut dafür bezahlt werden, dass sie sich die Arbeit
machen, aber ich möchte auch den anarchischen utopischen Ideengarten
nicht missen der so im Freifunk Umfeld umherschwebt wo Leute halt
weiter denken als Kapitalismus und 2016 und Marketing. Beides geht
immer schwerer zusammen unter dem Label Freifunk.

Nein, dann wäre es kein Freifunk mehr wenn man das als GbR, GmbH oder sonst was aufzieht. Selbst Vereine werden ja kritisch gesehen. Ich habe auch nix gegen Ideen. Ich mag aber nicht wenn jemand daher kommt und sagt, wie ihr es macht ist alles falsch, ich habe die ultimative Idee und die müsst ihr jetzt umsetzen. Vor allem wenns nur Ideen sind und noch keine funktionsfähige Implementation in Hard- und Software gegossen. Ich habe auch viele Ideen im Kopf, belaste meine Umwelt damit aber nicht weil ich diese nicht selber umsetzen bzw. funktionsfähige Implementationen liefern kann.

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Mit freundlichen Grüßen
Marc-Andre Alpers

Wenn Du meinst, Privatsphäre ist egal, nur weil Du nichts zu verbergen hast, kannst Du genauso behaupten, Redefreiheit ist egal, nur weil Du nichts zu Sagen hast! - Edward Snowden

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