> Wie misst du deinen „Schmerzfaktor” jetzt? Spielen die zusätzlichen > Ebenen für dich nicht auch eine Rolle? Kann man dein > „Auswertungsprogramm” irgendwo begutachten?
Ich habe eigentlich noch vor, das Progrämmchen vorzustellen. Ich habe natürlich alle die Fehler gemacht, die ein Hobbyprogrammierer nur machen kann. Das liegt daran, dass ich erstens nicht viel Ahnung von Python habe, aber ein solches Programm ist schlecht in AWK oder Perl zu schreiben, und so musste ich in den sauren Apfel beißen und Python-Dokumentation lesen. Ich habe mich anfangs einigermaßen an Peter Klauslers Algorithmus gehalten, einfach deswegen, weil er einfach ist. Nun hat Klausler ja seine Programme in C geschrieben, und von C habe ich (noch) überhaupt keine Ahnung. Diese Programme enthalten etwa 1000 Zeilen C-Code und akzeptieren keine Umlaute in den Eingabedateien. Es war erst Michael Dickens, der mich darauf brachte, dass Unicode überhaupt nicht nötig ist. Wie Recht er hat, aber da war es schon zu spät, jetzt habe ich schon alles geschrieben. Wie ein Trottel, der über sämtliche denkbare Steine stolpern muss. Aber Klausler ist so nett gewesen und hat seinen ganzen Algorithmus in Worten erklärt. Da kann sich also jeder hinsetzen und die zu Hause in Ruhe nachbasteln. Es ist alles ganz einfach: Jede Position auf der Tastatur bekommt eine Anzahl Strafpunkte zugewiesen. Direkt unter dem Zeigefinger ist die Punktzahl 0, unten in der Ecke 7. Andere Leute haben dieses Verfahren kritisiert und gesagt, das ist zu einfach, es müssen Punkte zwischen 0 und 90 vergeben werden, damit jede einzelne Taste sein genaues Maß bekommt. Hier gibt es also schon Möglichkeiten der Kritik. Den gleichen Finger zweimal benutzen (auf verschiedenen Buchstaben) kostet 10 Punkte. Sprung zwischen Reihen kostet 2 Punkte. Mehrere Anschläge hintereinander in der untersten Reihe kostet 2 Punkte. Je länger eine Hand eingesetzt wird, desto mehr Punkte - häufiger Handwechsel wird favorisiert. Kombinationen, die auseinander liegen, werden bestraft, benachbarte Buchstaben nicht. Auch dieses kann man kritisieren. Man kann jeden einzelnen Punkt kritisieren und alles in Frage stellen und das ganze Vorgehen für nutzlos erklären. Das würde ich als Neo-Fanatiker jederzeit tun - einfach das ganze als nutzlos, sinnlos, verfehlt und nicht aussagekräftig abtun. Trotzdem macht es Spaß, an dem Programm zu arbeiten. Zunächst besorgt man sich üblicherweise einen so genannten Textkörper (Corpus, sagen die Amerikaner). Ich habe hier ein ebenso fragwürdiges Verfahren benutzt: Ich habe zunächst "Kritik der reinen Vernunft" von Immanuel Kant, "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoj (zu einem Drittel), Sura al-Baqara (die zweite Sure des Korans) und einen Haufen Zeitungsartikel zusammengeworfen. Daraus habe ich sämtliche Wörter isoliert, gezählt und nach Häufigkeit sortiert. Das ergab 9960 Wörter, die ich alle einzeln manuell (!) durchgegangen bin. Erst wurde alles auf die neue Rechtschreibung getrimmt. Dann wurden alle Wörter mit fremdartigen Buchstaben entfernt. Auch alle Eigennahmen gingen heraus. Besonders fremdartige Wörter wurden auch gnadenlos gelöscht. Das Endergebnis wurde für die Auswertung benutzt, sodass nicht der Textkörper untersucht wurde, sondern jedes Wort für sich und die Strafpunkte dann mit der Worthäufigkeit multipliziert. Komma und Punkt wurden als eigenständige Wörter gezählt und per Hand in die Liste mit der entsprechenden Häufigkeit eingestellt. Das heißt, dass diese nur Strafpunkte für die Platzierung bekommen, nicht aber für Fingerwiederholung. Auch dieses kann kritisiert werden. Schließlich ist es ja nicht egal, ob man ein komma nach einem S setzt, oder nach einem M. Bei mir ist es aber egal. Sonstige Satzzeichen wurden nicht berücksichtigt. Auch das kann kritisiert werden. Am Ende wurden die verschiedenen Tastaturen mit einander verglichen. Ich schrieb ein Schüttelprogramm, das 1000 zufällige Tastaturen ergab und verglich die Punktzahl. Qwertz liegt hier im unteren Drittel. Das heißt, eine zufällige Tastatur ist genauso gut wie Qwerz. Die übrigen Punktzahlen für die verschiedenen Tastaturen können nur zusammen mit dem Programm veröffentlicht werden. Auch hier muss ich damit rechnen, dass die Leser nach Durchlesen des Programmcodes hier und da etwas auszusetzen haben. Wie man sieht, ist es alles vollkommen unsicher und erlaubt keineswegs, dass man in der Öffentlichkeit irgendwelche Aussagen macht. Und jeder von euch kann das ganze als belanglose und talentlose Basteleien eines nichtsahnenden Hobbyfricklers abtun. Ich würde sagen, tut einfach so, als hättet ihr nie davon gehört und ignoriert es einfach. Ich selber erzähle nicht davon weiter. Und irgendwann besorgt ihr euch jemanden der wirklich programmieren kann und Kriterien benutzt, für die ihr gerade stehen könnt, und die Ergebnisse dann in einer von euch annehmbaren Form darstellt, und die könnt ihr dann benutzen. Ich selber werde nicht mehr darüber reden. Macht weiter mit Neo. Die deutsche Tastatur wird immer noch gebraucht. Und jemand muss sich darum kümmern. Vielleicht wird Neo 3 ja der Knaller überhaupt. Ein kleiner Tipp zu letzt: tut nicht das E unter den Zeigefinger in Neo 3.
