Aus meiner Sicht stellt sich eigentlich nur die folgende Frage:
"Möchte ich ermöglichen, dass dritte mein Werk (unkompliziert)
weiterverwenden können?".
Wenn das mit ja beantwortet wird, so ist eine offene Lizenz zu wählen.
Wenn das mit nein beantwortet wird, so sollte man keinen Vortrag auf
einer öffentlichen Konferenz halten, bzw. zumindest gar nicht erst
aufzeichnen lassen.
(Wobei hier für mich nicht wirklich klar ist ob es sich um da das Werk
des FOSSGIS oder des Vortragenden handelt, der von FOSSGIS Mitwirkenden
bei einem öffentlichen Auftritt gefilmt wird?)
Zu denken, dass man die Aufzeichnung eines Vortrages auf einer
öffentlichen Veranstaltung, die übrigens von dritten als Service
angeboten, durchgeführt (und aufgezeichnet) wird, vermarkten (bzw.
monetarisieren) zu wollen/können, bzw. das verhindern zu wollen, ist aus
meiner Sicht absurd.
Dieses Argument, dass andere ja meine harte Arbeit zu Geld machen
könnten, und das dies dann schlecht ist, ist mir auch wirklich
unverständlich, und aus meiner Sicht diametral gegenüber dem
Grundgedanken von freier und offener Software/Daten/Wissen. Die Idee ist
es, Hürden zur Weiterverwendung von Inhalten (engl. Content) abzubauen
und nicht aufzubauen. Daten oder Wissen kann man keinem im Materiellen
Sinn weg nehmen, du wirst nicht ärmer wenn sich dritte deine Daten
kopieren. Alle schlimmen Dinge die durch Datenmissbrauch passieren
können, wie Verunglimpfungen, Privatsphäreverletzungen, Überwachung etc.
stehen auf einem anderen Blatt, hier geht es nicht um Urheberrecht. Wenn
man hier Befürchtungen hat, sollte man möglichst Datensparsam sein und
keine öffentlichen Vorträge halten, dieses Problem hat nur sehr sehr
wenig mit offenen Lizenzen zu tun.
Und eigentlich sollte man sich doch freuen, wenn dritte seine
Inhalte/Werke interessant und nützlich finden und dieses Interesse im
besten Fall zu neuen Ideen und Anwendungen führen könnten?
Gruß,
Christian
Am 09.11.18 um 10:51 schrieb Johannes Kröger:
Moin zusammen,
ich will auch doch noch mal meinen Senf dazu geben.
Erstmal: Jede CC-Lizenz ist eine "freie" Lizenz. Bei Medien steht der
Begriff für etwas anderes als bei freier Software.
CC-BY ermöglicht es anderen, die vom Vortragenden erarbeiteten Inhalte
kommerziell zu verwerten, ohne mehr als einen Nachweis des Urhebers
anzugeben. D.h. jemand könnte die hart erarbeiteten Workshopinhalte von
jemandem nehmen, weiterentwickeln und verkaufen, ohne dass die
Änderungen der Gemeinschaft zu Gute kommen. Das finde ich sehr schlecht.
-NC allerdings könnte zu Problemen für den FOSSGIS-Verein führen, was
Weiterveröffentlichungen der Konferenzinhalte angeht, das wäre schade.
Andererseits könnte hier einfach eine extra Klausel exklusiv für den
Verein abgezeichnet werden, die das erlaubt. Ich halte eine
kommerzielle Nutzung (z.B. die Weiterentwicklung und Vermarktung von
Workshopinhalten) für eine gute Sache, solange die Gemeinnützigkeit der
Weiterentwicklung eingehalten wird.
-SA könnte dies sicher stellen.
-ND würde den Urhebern Sicherheit geben, wenn sie nicht möchten, dass
ihre erarbeiteten Inhalte von anderen substantiell verändert werden.
Grundlegender Schnitt, Formatveränderung, u.ä. sind selbstverständlich
möglich! Hier muss ich sagen, es kommt drauf an. Wenn ich einen super
tollen Vortrag zu einem eigenen (meinem) Thema erarbeite, will ich
nicht unbedingt, dass jemand anders meine Inhalte nehmen kann und damit
weiterarbeitet (über die sowieso(!) möglichen Wege hinaus). Erarbeite
ich andererseits einen Workshop, um freie Software zu promoten, dann
will ich das vielleicht schon.
Wir sprechen hier im Kontext von einem kleinsten gemeinsamen Nenner für
Konferenzinhalte im FOSS-Bereich. Die Inhalte sollen verbreitet werden
können. Das ist doch die Hauptintention oder?
Also, -BY ist selbstverständlich. -SA meiner Meinung nach auch (sonst
könnte es direkt CC0 sein), damit es nicht weniger frei werden kann.
-ND ist Streitthema und sollte daher eher Default sein, da es den
Urheber erstmal "schützt".
-NC hab ich keine größere Meinung zu, außer dass ohne -NC ein -SA sein
MUSS.
Abgesehen von der Lizenz für alle, kann doch jeder Urheber ohnehin
seine Inhalte selbst unter jeglicher Lizenz veröffentlichen. Der eine
mag es gemeinfrei, der andere (ggf. auch Arbeitgeber) besteht auf "du
darfst es verbreiten und sonst nichts).
So, das mal frei von der Seele weg. Ich lese ^ nicht nochmal gegen, ich
hoffe es ergibt Sinn und ist schlüssig.
Meine Empfehlung: CC BY-SA für Workshops, CC-BY-ND für Vorträge.
Viele Grüße, Hannes
On Wed, 7 Nov 2018 17:01:20 +0100
Christoph Hormann <[email protected]> wrote:
Hallo,
ich wollte gerade meinen Vortrag für die FOSSGIS-Konferenz nächstes
Jahr einreichen und habe festgestellt, dass diese mal im Gegensatz zu
früher (so weit ich mich erinnere - man korrigiere mich, wenn ich da
falsch liege) eine Zustimmung erforderlich ist zu:
"Ich stelle meinen Konferenzbeitrag unter der Lizenz CC BY 4.0 zur
Verfügung. Der Konferenzbeitrag umfasst die Kurzbeschreibung des
Beitrags, den Aufsatz im Konferenzband, die Vortragsfolien sowie die
Videoaufzeichnung und Liveübertragung des Vortrags."
Für die Informationen aus dem Einreichungs-Formular, die ja auch ins
Programmheft und auf die Webseite müssen und dabei ggf. redaktionell
bearbeitet werden, halte ich das für legitim und nachvollziehbar.
Für den Vortrag selbst jedoch nicht.
Wir sind ein Verein zur Förderung Freier Software und Freier
Geodaten, was aber meiner Meinung nach nicht rechtfertigt, für
persönliche kommunikative Inhalte wie einen Vortrag eine Lizenzierung
unter CC-BY zu fordern. Diese Mailing-Liste erfordert bei Anmeldung
ja auch nicht, dass man seine Mails unter CC-BY zur freien Verwendung
lizenziert. Die Integrität der eigenen persönlichen Äußerungen ist
für eine funktionierende Kommunikation essentiell und es ist heikel,
wenn man von Leuten fordert, dass sie das Urheberrecht als Mittel,
diese Integrität sicherzustellen, aufgeben.
Wenn eine einheitliche Lizenz für die Vorträge gewünscht ist, dann
hielte ich nur ein CC-BY-ND für moralisch vertretbar, wodurch die
Vortragenden ihr Recht auf eine unveränderte Wiedergabe der Inhalte
nicht aufgeben müssten. Die allgemeinen gesetzlichen Regelungen zum
Zitatrecht usw. bleiben davon sowieso unberührt. Ich denke das täte
dem Ziel, die Inhalte der Konferenz einem möglichst breitem Publikum
zugänglich zu machen keinen Abbruch.
Für mich persönlich ist das jetzt kein Drama - ich werd den Vortrag
trotzdem einreichen. Aber ich hielte es dennoch für gut, das zu
ändern, sowohl aus grundsätzlichen moralischen Überlegugen heraus als
auch weil uns dies möglicherweise auch tatsächlich interessanter
Vortrags-Einreichungen beraubt.
--
Dr. Christian Willmes
AG GIS & Fernerkundung | GIS & RS Group
Geographisches Institut | Institute of Geography
Universität zu Köln | University of Cologne
Tel.: +49 (0)221 470 6234
http://www.geographie.uni-koeln.de/14126.html
http://www.sfb806.de
http://crc806db.uni-koeln.de
http://publons.com/a/1316706/
http://orcid.org/0000-0002-5566-6542
--
....................................................................
FOSSGIS 2019, die Konferenz für Open Source GIS mit OpenData und
OpenStreetMap in Dresden!
13.-16. März 2019 an der HTW Dresden
https://fossgis-konferenz.de/2019/
FOSSGIS Veranstaltungen 2018
https://www.fossgis.de/node/306
FOSSGIS e.V, der Verein zur Förderung von Freier Software aus dem
GIS-Bereich und Freier Geodaten!
https://www.fossgis.de/ https://twitter.com/fossgis_eV
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[email protected]
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