Am 12.05.2020 um 10:17 schrieb Kristian Rink:
Hi Theo, *;

...
Das Thema halte ich insofern schon für interessant, aber hier sehe ich
zwei Baustellen, die mit FLOSS nur am Rande zu tun haben, für die ich
aber keine Lösung kenne:


- Allgemein: .... Dort stelle ich mir manchmal
schon die Frage, wie "effizient" ein KMU mit eigenem Serverraum hier ist
im Vergleich zu Google oer Amazon, die das in extrem großem Stil und
extrem optimiert machen bis zu einem Punkt, an dem sie sogar so etwas
wie "green IT" ...


- Konkreter: ...Für die meisten
Organisationen, mit denen ich zu tun habe, sind Ansätze wie Amazon oder
Azure deswegen interessant, weil sie extrem gut in *beide* Richtungen
skalieren ...

Diese Themen sind aus meiner Sicht hinreichend relevant und spannend,
aber absolut nichts, wofür die Lizenz von Software irgendwie maßgeblich
wäre ...

Hallo Kristian,

Ich glaube es gehört schon alles ein bisschen zusammen. Ich kann hier nur meine eigene Geschichte erzählen, die zeigt, dass es eigentlich nur um den Willen geht: den eigenen politischen und den guten der Mitarbeiter.

Ich bin der Gatte einer ehemaligen Geschäftsführerin einer kleinen Organisation mit anfänglich 2, später 8 Arbeitsplätzen und half bei der IT mit. Anfänglich MS-DOS, der Wechsel zu Mac scheiterte weil ich als Mac-User realisierte, wie extrem die Abhängigkeit zu Apple war: einfachste Hardwarefehler liessen sich nicht reparieren (oder brauchten Monate) und das ehemalige geschlossene System kam nicht gut zurecht mit dem Internet und fremder Hardware und stürzte dauernd ab.

So kam Windows, und es war recht teuer. Ich kann mich erinnern, dass unser Profi-Support acht Stunden aufschrieb für die Einrichtung eines Zip-Laufwerks. Deshalb untersuchte ich Linux, und obwohl ich es sehr schwierig fand, konnte ich meine eigene IT umstellen und später auch des Geschäfts. Wir kauften entweder aktuelle Spargeräte oder verwendeten gebrauchte PCs oder solche aus dem Abfall. Durch das Terminal-Server-Thin-Client System LTSP war die Administration pro Arbeitsplatz recht günstig und im Prinzip wäre auch "Homeoffice" gegangen. Unsere Internetdienste hostete der erste solare Anbieter der Schweiz.

Kleine Probleme belasteten die Geduld, z.B. die Verwendung von USB-Sticks war mühsam. Ich veranstaltete mal einen Wettbewerb unter Profis und keiner konnte unsere Medien zuverlässig mounten. Dieses Problem hatte Windows nicht Dieses hatten wir für einige Programme virtuell dabei, wenn es mit WINE nicht ging. Dafür hatte wir nie irgendwelche Sicherheitsprobleme und brauchten kein Anti-Virus Zeug, während Kollegen immer wieder ihre Systeme oder Daten verloren. Wenn bei uns Festplatten ausfielen, war das zwar etwas traumatisch, aber mit dd oder so wurden schnell wieder neue von den Backups auf externen Festplatten eingerichtet.

Zu der Zeit brauchten die Linux-Systeme ähnliche Hardwareressourcen wie Windows, aber wir ersparten uns das Lizenzchaos und das regelmässige Eintippen von 20-stelligen Zahlen. Ein Pproblem war, dass es keinen zuverlässigen lokalen Support gab. Die Anbieter und ihre Angestellten wechselten dauernd, aber bei Mac und Windows war es mir nicht besser gegangen, ausserhalb von Userkreisen. Deswegen konnten einige Probleme und Wünsche der Mitarbeiter nicht immer oder nicht immer schnell gelöst werden. Sie waren zufrieden, wenn alles lief, und wenn nicht, war Linux oder Open Office, etc. schuld. Aber insgesamt konnten die Systeme mit Hilfe der wechselnden lokalen Profis doch zuverlässig unterhalten werden, die Wertschöpfung blieb vor Ort.

Ungefähr zwei Jahrzehnte ging das recht gut. Die Kosten waren, so weit ich das beurteilen konnte, ziemlich niedrig, und die Hardwarekosten sehr niedrig.

Mit dem Wechsel der Geschäftsleitung änderte alles. Komplett neue, Windows-taugliche Geräte wurden angeschafft, aber auch neue Bildschirme usw. Die einfachen Router und Switches wurden durch einen grossen Rack voll dauernd blinkenden und niemals ruhenden Geräten ersetzt. Backups via Dropbox. So weit ich das beurteilen kann, ist es jetzt viel teurer und braucht mehr Strom, von grauer Energie gar nicht zu sprechen, für etwa dieselbe Funktionen wie vorher.


Fazit: es ist immer ein politischer Entscheid, ob man die übliche Komfortlösungen wählt und dabei z.B. die Weltraumpläne von Jeff Bezos unterstützen will, oder sich mit lokalen Individuallösungen abmüht. Und beim Energieverbrauch kann ich mir nicht vorstellen, dass auch die effizientesten Green-IT Cloud-Lösungen sparsam sind, wenn man die ganze Infrastruktur des Internets einrechnet, besonders wenn es dann noch drahtlos gehen soll, wie immer mehr gefordert wird.

LG, Theo
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