Hallo Frank, bevor man als Medienverantwortlicher den Internetanschluss der Schule für Freifunk zur Verfügung stellt, sollte da nicht das Thema "Störerhaftung" gesetzgeberisch geklärt sein?! Wenn die Schule nicht Anschlussinhaber ist (in HH ist es Dataport!), geht dies schon mal gar nicht.
Das Thema "Kontrolle" sehe ich etwas anders: Nutze ich meinen privaten Internetanschluss, so gilt GG, Art. 10, Fernmeldegeheimnis, an das sich mein Provider gegenüber allen Schnüfflern aus Staat, Wirtschaft oder auch dem Privatbereich gefälligst zu halten hat (Das mancher dies nicht immer tut, ist mir bewusst). Nutze ich den Internetanschluss meines Arbeitgebers, so kann der die Bedingung daran knüpfen, unter Beachtung des Datenschutzes (begründeter Anfangsverdacht, keine unberechtigte Einsichtnahme oder Weitergabe, ...) protokollieren zu dürfen. Dann weiß ich, was ich tue, und wenn dabei sensible private Daten übertragen werden, lasse ich es bei der Arbeit! Für KollegInnen gilt in der Schule dasselbe (Onlinebanking ist "verboten"), für SchülerInnen kommt der Aspekt der Aufsicht hinzu. Mit einem URL-Filter macht man deutlich, wofür ein schulischer Internetanschluss dienen soll - nicht mehr und nicht weniger. Man kann den Filter auch als Dienstleistung sehen, die einen in gewissem Umfang vor unerwünschten Inhalten schützt, mit denen die "interessanten" Seiten gern gespickt sind. Natürlich gibt es in jeder Schule jede Menge private Hotspots, aber deren Anschlussinhaber sind (meistens) dieselben Eltern der SchülerInnen, die (weder durchzusetzende noch zielführende) Handyverbote fordern oder bekämpfen ;-) Aber ist das ein Grund, seitens der Schule kostenloses, ungefiltertes WLAN für jeden anzubieten? Vielleicht spart man so nur administrativen Aufwand? Vor allem sollte man sensible Daten verschlüsseln (dazu gehört auch ein verschlüsseltes WLAN). Hier herrscht auch nach bald zwanzig Jahren Krypto-Kampagne noch verbreitet erschreckende Arglosigkeit! Gruß Jürgen Am 25.05.2015 um 16:32 schrieb Frank Schiebel: > Hallo Helmut, > >> So isses - ist (um-)gewöhnungsbedürftig. >> Und ändert die Aufgaben und Verantwortlichkeiten mal wieder ein wenig. >> a) wenn die Schüler per UMTS o.ä. "ins Netz" gehen, dann ist das nicht >> mehr der Verantwortungsbereich des Netzbetreuers und/oder des >> beaufsichtigenden Lehrers, >> >> b) während des Unterrichts (insbesondere bei Klausuren) muss der (auch >> zur Aufsicht verpflichtete) Lehrer auch einkalkulieren, dass einzelne >> Schüler sich mit anderen Sachen als dem Unterrichtsstoff beschäftigen. >> Ok - ich habe damals unterm Tisch Krimis o.ä. gelesen ... (und meine >> Frau hat "Käsekästchen" gespielt). So etwas wie "ich schalte jetzt das >> Internet aus" geht schon seit einigen Jahren nicht mehr. > Ich hatte dieses Jahr zwei Aha-Erlebnisse, die mich glauben lassen, dass > wir mit dieser ständigen Kontrolle und zu wenig Vertrauen auch > erzieherisch einen Fehler machen: > > 1) Ich habe in zwei Kursen J1/J2 "Citizen Four" gezeigt. Die Reaktionen > waren - interessant. Irgendwie fanden die das schon schlimm, aber das > ist eben "wie immer", und wenn man brav ist, hat man ja kein Problem. > > 2) Als ich die Freifunk-Router aufgestellt habe, haben mich unabhängig > voneinander etwa 10 Schüler gefragt, ob Ich "denn da gar nicht sehen > könnte, was Sie im Netz machen". Ich habe dann stets geantwortet, dass > das Freifunk Netz mit dem Schulnetz nichts zu tun hat, und es eben > vergleichbar zum UMTS Zugang zum Netz ist. > > Und das obwohl ich den Umstand, dass ich das im Schulnetz sehen könnte > nicht sehr ausführlich kommuniziere. > > Ich weiß natürlich nicht, was die Kollegen machen, das Ergebnis > schockiert mich jedenfalls, nämlich, dass ich 10.Klässlern an einem > Gymnasium erklären muss, dass der Normalfall von Kommunikation der > ist/sein sollte, dass niemand kontrolliert, wer mit wem was für Infos > austauscht. > > Insgesamt hat mich das für mich folgern lassen, dass ich sehr vorsichtig > sein muss, die Einstellung der Kinder zu Privacy-Themen komisch finde, > ich habe da als Lehrer letztlich einen nicht unerheblichen Anteil dran, > und das vorleben, dass "überwacht werden" normal ist, ist hochproblematisch. > > Und das Ganze verändert auch Sachen im Kopf der Schüler, die fragen ich > plötzlich zurecht, warum es eigentlich nicht mehr offene W-Lans gibt und > merken dann, dass man das selbst ändern kann.... > > Auch deswegen, hoffe ich jetzt, dass das WLan Konzept: "Freifunk für > alle, WPA mit Coova für Lehrer" in der GLK und der Schulkonferenz nach > dem Testlauf auch Zustimmung finden wird. (Sieht nach einigen Gesprächen > nicht so schlecht aus, ich bin optimistisch). > > VG > > Frank > > > _______________________________________________ > linuxmuster-user mailing list > [email protected] > https://mail.lehrerpost.de/mailman/listinfo/linuxmuster-user > _______________________________________________ linuxmuster-user mailing list [email protected] https://mail.lehrerpost.de/mailman/listinfo/linuxmuster-user
