Hai Juergen,

> bevor man als Medienverantwortlicher den Internetanschluss der Schule
> für Freifunk zur Verfügung stellt, sollte da nicht das Thema
> "Störerhaftung" gesetzgeberisch geklärt sein?!

Das ist bei Freifunk für meine Begriffe ausreichend geklärt insoweit,
dass der Anschlussinhaber in der Kommunikation nach Außen nicht
auftaucht, da die Ausleitung ins Internet über Freie Netze Berlin oder
entsprechende andere VPN Provider erfolgt. Dass die Politik hier
"gesetzgeberisch" eine sinnvolle Regelung schafft zeichnet sich ja auch
eher nicht ab -- Überraschung!

> Wenn die Schule nicht Anschlussinhaber ist (in HH ist es Dataport!),
> geht dies schon mal gar nicht.

Da gebe ich dir recht, der Anschlussinhaber muss prinzipiell der VPN
Nutzung zustimmen, weniger wegen der Störerhaftung als wegen der
Bandreite, die z.T. ja an Freifunk fällt. Bei uns ist es aber so dass
die Schule der Anschlußinhaber ist.

> Das Thema "Kontrolle" sehe ich etwas anders:
> Nutze ich meinen privaten Internetanschluss, so gilt GG, Art. 10,
> Fernmeldegeheimnis,

[...]

> Nutze ich den Internetanschluss meines Arbeitgebers, so kann der die
> Bedingung daran knüpfen,

[...]

Stimmt alles -- ich war jedenfalls geschockt, wie weit sich meine
Schüler damit abgefunden haben, dass prinzipiell Ihre gesamte
Kommunikation von jemandem kontrolliert wird, seien es Eltern, Lehrer
oder Geheimdienste. So weit, dass Sie Freifunk als geradezu unnatürlich
wahrgenommen haben.

Und Sie sollten ja irgendwie auch mal lernen, dass es die Unterscheidung
die du oben triffst überhaupt gibt - die Schüler, mit denen ich da
gesprochen habe, fänden es jedenfalls mit Sicherheit o.k. wenn der
Provider auch filtert und loggt was das Zeug hält, denn so wurden Sie
erzogen, als Ihr Wertesystem sich gebildet hat. Das war bei dir
wahrscheinlich anders, und das sollten wir nicht vergessen.

> für SchülerInnen kommt der Aspekt der Aufsicht hinzu. Mit
> einem URL-Filter macht man deutlich, wofür ein schulischer
> Internetanschluss dienen soll - nicht mehr und nicht weniger. 

Das ist eben die Frage, als was man den Freifunk Router sieht: Zählt es
als schulischer Internetanschluss, wenn beim Frisör nebenan ein Router
steht, mit dem die Schüler surfen können? -Sicher nicht. Wenn der Router
10m weiter rechts steht und den Draht der Schule verwendet - ja,
wahrscheinlich, vielleicht, man kann es aber auch einfach als "Netz
vorhanden" sehen, denn prinzipiell ist es wurscht, welcher Draht
letztlich genommen wird um die Verbindung zum FF Gateway herzustellen.
Bin da selbst noch nicht sicher. Bislang ist das in der Schulleitung
geklärt, man muss das sicherlich noch ganz deutlich mit GLK und SK
besprechen, ich halte das alles aber eben nicht prinzipiell für eine
doofe Idee.

> Man kann
> den Filter auch als Dienstleistung sehen, die einen in gewissem Umfang
> vor unerwünschten Inhalten schützt, mit denen die "interessanten" Seiten
> gern gespickt sind.

Tut er ja eben nicht. Wenn überhaupt in einem sehr minimalen Umfang zum
Preis hohen Adminaufwands. Jeder der glaubt ein Filter löst pädagogische
Probleme, lügt sich meines Erachtens was in die Tasche. Ein Filter macht
nur bei sehr jungen Schülern Sinn (z.B. Grundschule, am besten mit
Whitelisting). Ein 7. oder 8. Klässler mit eigenem Smartphone ist durch
einen Filter im Schulnetz nicht wesentlich eingeschränkt, da dient der
einfach nur dazu den eigenen Kopf aus der Schlinge zu kriegen.

> Aber ist das ein Grund, seitens der Schule kostenloses, ungefiltertes
> WLAN für jeden anzubieten? Vielleicht spart man so nur administrativen
> Aufwand?

Mit Sicherheit, jede Menge. Ich verwende meine Adminzeit eben lieber für
etwas sinnvolles ;)

> Vor allem sollte man sensible Daten verschlüsseln (dazu gehört auch ein
> verschlüsseltes WLAN).
> Hier herrscht auch nach bald zwanzig Jahren Krypto-Kampagne noch
> verbreitet erschreckende Arglosigkeit!

Ich bin da nicht arglos, glaub mir. Aber wer glaubt, WPA2 ersetzt eine
Anwendungsbasierte Ende zu Ende Transportverschlüsselung, der ist es.
Und man sollte den Schülern und Kollegen diesen Eindruck tunlichst auch
nicht vermitteln.

Das Wlan für die Lehrer ist übrigens natürlich verschlüsselt - das
Konzept mit 2 WLans (Lehrer/Offen) erlaubt ja sehr einfach genau dieses
Problem im Unterricht anzusprechen und evtl. sogar zu demonstrieren, so
ein DNS-Spoofing Angriff ist ja eher was für Anfänger ;)

Insgesamt will ich ja niemanden "bekehren", ich bin selbst noch etwas
unsicher, denn wie ich bereits geschrieben habe, ist es nicht einfach,
hier plötzlich alles anders zu machen, als man es jahrelang gedacht hat.
Bislang sind die Erfahrungen aber eher positiv.

VG

Frank



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