Hallo Flo,
ich schreibe Dir in einem privaten Mail, weil ich niemandem vor den
Kopf stoßen will. Mir fehlt es derzeit an Kraft und
Fingerspitzengfühl, um das, was ich zu sagen habe, so zu
formulieren, dass sich keiner angegriffen oder beleidigt fühlen kann.
Florian Effenberger schrieb:
Die zusammenfassenden Ergebnisse der Studie sind kostenfrei auf den
Seiten des deutschsprachigen Projektes von OpenOffice.org erhältlich.
Wenn damit das
http://www.mic-consulting.de/downloads/Ergebnisse_MA2007_kurz.pdf
gemeint ist, möchte ich einwenden, dass diese Ausarbeitung für mich
den Eindruck macht, dass es sich sprachlich und layoutlich um einen
Rohentwurf handelt. Die Grafiken sind auch kein positives Beispiel
für die Möglichkeiten von OOo.
Vor allem aber ist das Dokument IMHO inhaltlich nicht
nachvollziehbar, manches erscheint widersprüchlich.
Darüber hinaus:
Generell zweifelhaft ist für mich, ob eine Befragung von 154
Unternehmen einen Rückschluss auf die Verbreitung von OOo zulässt,
zumal diese nicht repräsentativ ausgewählt wurden. Wenn man solche
Unternehmen befragt, deren Verantwortliche auf den OOo-Mailinglisten
eingetragen sind und/oder Pressemitteilungen von OOo lesen, ist
deren Einsatz von OOo gewiss nicht für die Allgemeinheit aussagekräftig.
Soweit ich es aus dem Dokument heraus lese, basiert die Ermittlung
des Marktanteils zum weitaus überwiegenden Teil auf Schätzungen und
nicht auf statistisch erfassten Zahlen, wie man es von einer Studie
erwarten würde. Zum Beispiel erscheint der Prozentwert
"Erfassungsgrad" schlicht aus der Luft gegriffen.
Ich habe mir den Fragebogen noch einmal angesehen. Dort wird nach
der Anzahl der Arbeitsplätze gefragt, die mit OOo ausgestattet sind.
Völlig unberücksichtigt bleibt dabei die Frage, auf wie vielen
Arbeitsplätzen OOo auch tatsächlich anstelle einer anderen
Office-Software benutzt wird. Es könnte ja beispielsweise OOo und
MSO gleichermaßen vorhanden sein und MSO vorwiegend benutzt werden.
Trotzdem wird für OOo gezählt.
Unklar ist, auf welchen Markt sich die Untersuchung bezieht. Es wird
zwar von "globalem Zusammenhang" gesprochen, aber der Weltmarkt ist
wohl nicht gemeint. Ist Deutschland gemeint? Das DE-Projekt ist aber
(viel) mehr als Deutschland. Der Fuß der Pressemitteilung bezieht
sich wiederum auf OOo weltweit.
Weiter ist unklar, ob es sich bei der ganzen Sache um eine
offizielle Aktion des OOo-Projekts handelt oder ob das eine
Angelegenheit eines Consulting-Unternehmens ist. Die Ergebnisse
werden als proprietäres Produkt der Firma M.I.C. präsentiert. Die
ausführliche Studie muss man dort wohl kaufen. Der Fragebogen aber
ließ den Eindruck entstehen, dass die Erhebung im Namen des
OOo-Projekts durchgeführt werden würde.
Zitat: "Je genauere Informationen wir haben, umso besser können wir
auch das Marketing und das Produkt abstimmen. Die Ergebnisse der
Studie werden auf den deutschsprachigen Seiten von OpenOffice.org
veröffentlicht. Vielen Dank für Ihre Mithilfe. Thomas Krumbein
Ansprechpartner Marketing de.openoffice.org"
Der Aufruf zur Teilnahme, der über die Mailinglisten ging, war
ebenfalls signiert mit "Thomas Krumbein - Marketing
deutschsprachiges Projekt". Wer sich beteiligt hat, muss angenommen
haben, seine Daten der OOo-Community und nicht einer Beratungsfirma
gegeben zu haben.
Alles in allem finde ich das Ganze eher schädlich für das Projekt.
Und zwar nicht wegen der inhaltlichen Aussage (die ich noch gar
nicht richtig gefunden habe), sondern wegen der Außenwirkung durch
die Qualität der Präsentation und der fragwürdigen Vorgehensweise.
Viele Grüße
Stefan
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