Milan Guenther schrieb am 11.01.1999 19:41 Uhr:
>ich finde Preise festzulegen ist oft das schwierigste am ganzen Business,
>besonders wenn es um Dienstleistungen geht. Man kann kaum festlegen wie
>lange man f+APw-r eine Arbeit wirklich braucht und wieviel diese arbet
Lieber Milan,
dem kann ich nicht so ganz zustimmen. Das Problem liegt zum Teil
darin begruendet, dass viele Leute nicht wissen, wie man eine
*richtige* Kalkulation durchfuehrt. Ich hab mal eine Ausbildung
als Schreiner gemacht und in dem Job auch recht lange gearbeitet.
Zwar hab ich keinen Meisterbrief, weiss aber, dass man in Bezug
auf Kalkulation und gewisse betriebswirtschaftliche
Grundkenntnisse auf den Meisterschulen ziemlich brauchbar
ausgebildet wird. Als Schreiner ist es sehr wohl moeglich, sogar
auszurechnen, was das Eindrehen einer Schraube kostet.
Ferner gibt es fuer das Handwerk mittlerweile ziemlich brauchbare
Programme zur Betriebsfuehrung, die sehr umfangreiche Funktionen
zur Nachkalkulation enthalten. Man muss es nur machen.
Wenn man sich natuerlich nicht die Muehe macht, eine vernuenftige
Nachkalkulation durchzufuehren, ist man es selbst schuld.
Wenn "arche-media.net" fertig ist, werd ich Dir ganz sicher sagen
koennen, was das Ding gekostet hat, weil ich auch meine eigenen
Sachen nachkalkuliere. Ganz einfach deshalb, um dann zu einem
anderen Zeitpunkt zu wissen, ob es sich fuer mich rentiert,
bstimmte Sachen selbst zu machen oder machen zu lassen.
Nur als Bespiel: Fuer mich als Schreiner lohnt es nicht, eine
"Apfelsinenkiste", Spanplatte weiss beschichtet, selbst zu bauen.
Denn fuer den Betrag, den ich fuer das fertige Moebel bei IKEA
bezahle, bekomme ich nicht einmal die rohen Platten und ich
bekomme sie schon etwas guenstiger, weil ich die Sachen beim
Grosshaendler kaufen kann.
Eine andere Sache, weshalb manche Leute mit ihrer Kalkulation
nicht klarkommen, ist einfach der Punkt, dass man mit Methoden
aus der Steinzeit arbeitet. D. h. natuerlich kann ich als
Schreiner meine Profile mit dem Profilhobel in Handarbeit
anschlagen und Kanten mit dem Buegeleisen anfahren.
Es ist halt bloed, dass man nicht daran vorbeikommt, noch bevor
man die Bude aufmachen kann, sich solchen Luxus wie eine Fraese
und evtl. Kantenmaschine leisten zu MUESSEN.
Im Multimediabereich sehe ich das aehnlich. Natuerlich moechte
jeder mit moeglichst wenig Aufwand Geld verdienen. Tatsache
ist jedoch, dass man an bestimmten Anschaffungen *vorher*
nicht vorbei kommt.
Nun kommt es bei mir eher selten vor, dass ich mal eine Website
zu erstellen habe, weil mein Job ein anderer ist, naemlich
Site Promotion.
Die drei Sites, die ich im Jahr zu machen oder zu betreuen habe,
kann ich auch so erledigen bzw. dafuer reichen Page Spinner und
BBEdit (Mac). Du kannst aber sicher sein, dass bei mir ganz
schnell Dreamweaver oder GoLive vorhanden sind, wenn die Situation
eine andere waere. Denn nur mit entsprechendem Werkzeug kann man
effektiv und damit schnell arbeiten. Fuer Rundungen sollte man
halt einen Schiffhobel haben und nicht mit dem normalen
Doppelhobel rumfuhrwerken. Ich sehe keinen Unterschied.
>Man mu+AN8- sich schon ein wenig am Markt orientieren wenn man gute Preise
>machen will. Daher finde ich solche Fragen auch v+APY-llig OK, Preisabsprache
>ist das wohl kaum.
Aber was sind "Gute Preise"? Im Multimediabereich erzielen
manche Leute "Gute Preise" oft dadurch, dass sie ihre
Kunden schlicht fuer dumm verkaufen.
Soll heissen, man kann natuerlich fuer einen Kunden z. B.
eine Chatgeschichte voellig neu programmieren.
ODER sich umsehen, ob und wo es solche Sachen schon fertig
gibt und dann modifizieren. Geht erstens viel schneller,
man kann es ausserdem viel guenstiger anbieten und den Kunden
freut es, wenn er weniger bezahlen muss.
Der Haken bei "Guten Preisen" ist leider der, dass der Kunde
nicht bloed ist und manchmal selbst etwas entdeckt. Wenn er
dann herausfindet, dass er das, was man ihm fuer teures
Geld eingebaut hat, haette erheblich billiger bekommen
koennen, ist man DEN Kunden garantiert los.
Im Grunde liegt das Problem oft darin, dass die meisten
Webdesigner ihren Kunden nicht ausfuehrlich genug befragen.
Macht man das, ist es sehr wohl moeglich, die Kosten fuer
bestimmte Arbeitsschritte ziemlich praezise festzulegen.
Nur ein Beispiel: wenn keine Entwurfsarbeiten mehr
anstehen und die Seitentemplates erstellt sind, sollte es
sehr wohl moeglich sein, ziemlich praezise zu bestimmen,
was es kostet, EINE HTML-Seite runterzuhacken.
"Gute Preise" (fuer den Kunden) erzielt man auch damit,
dass man Standardloesungen anbietet, wie das z. B.
RP-Online in Duesseldorf macht. Webseiten aus dem Katalog.
Nicht immer ist die massgeschneiderte Loesung notwendig,
fuer manche Leute/Branchen reicht tatsaechlich 08/15.
Das muss man nur entsprechend vorbereiten, und die
Vorbereitungskosten auf eine bestimmte Seitenanzahl
umlegen. Die man verkaufen MUSS damit die Entwicklungs-
kosten wieder reinkommen. Dann kann man die Seite
fuer DM 80,-- anbieten, soll heissen eine Site mit
20 Seiten fuer 1600,-- Mark. Irgendwie ist es nichts
anderes wie jede X-beliebige Kalkulation in der
Industrie.
Natuerlich koennte ich als Inhaber einer Schreinerei
und einem kalulatorischen Unternehmer-Stundenlohn von
DM 150,-- selbst Fensterbaenke einbauen. Ich kann aber
auch den Stift losschicken. Das ist selbst dann, wenn
er doppelt so lang braucht wie ich, immer noch guenstiger.
Was ich nach zwanzig Jahren allerdings mittlerweile
geschnallt habe: You get what you pay for! D. h. der
billigste Anbieter ist noch lange nicht der
preis - werteste und der teure nicht der beste.
Abschliessend: Ich kann hier nur Uwe zustimmen, der die
Auffassung vertritt, dass man Preise sehr detailliert
kalkulieren kann. Wie man Preise kalkuliert, steht in
fast jedem Lehrbuch zu BWL. Nur, man muss sie halt mal
lesen.
Ich hatte auch das Problem, dass ich mir irgendwann mal
die VOB (Verdingungsordnung fuer Bauleistungen) antun
MUSSTE, obwohl es mir gestunken hat. Als Unternehmer
und das ist man auch als Multimediamensch, kommt man
leider nicht daran vorbei, sich auch einmal mit Sachen
zu befassen, die toedlich langweilig und voellig unkreativ
sind. Es gehoert dazu.
Herzliche Gruesse
Klaus
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God is not dead: He is alive and well and working on a
much less ambitious project. (Graffito, London, 1975)