hello | florian kuhlmann: > verzeihung, das hatte ich wohl falsch formuliert.
schon klar. der 2. betonsarg in tschernobyl zeigt nur, wie das konkret aussehen könnte ohne zwangsarbeiter und tote. > die frage die sich mir derzeit stellt ist, wer jetzt die konkret > anstehende arbeit dort machen wird. > ein anstellungsverhältnis nach regulärem muster ich denke, ausserhalb von diktaturen wird das über die höhe des gehalts, entschädigungen, zulagen etc. plus ein gewisses maß an desinformation geregelt. die kollateralschäden bleiben dann unter der medialen wahrnehmungsschwelle. > von daher finde ich es durchaus legitim und sinnvoll über die > gesellschaftlichen fragen rund um fukushima zu diskutieren. ja, selbstverständlich. zumal solche katastrophen mit knalleffekt auch zu einer art mythologischen kernspaltung führen, die ziemlich aufschlussreich ist. das setzt die schillerndsten diskurs- und deutungs- maschinerien frei und in gang, genauso wie bagger und anderes schweres gerät. zumindest lässt sich das ausmaß der verwirrungen und formatierungen in den mentalen landschaften durch unverstandene technologien erahnen. "strahlung" ist so ein begriff, von dem viele erzählungen ausgehen, dieser diskussionsfaden ist vermutlich eine davon. die zuständige redakteurin aus der forschungsredaktion des DLF erzählte letztens im morgenmagazin von ihren alpträumen wegen fukushima, um anschliessend über isotope und mikrosievert aus dem abklingbecken zu spekulieren. (gerade war sie schon wieder da und sagte: "...ist viel plutonium drin..."). keine ahnung wie gesellschaftliche diskurse entstehen und ablaufen, aber meine helfer beim begreifen der krise während der letzten wochen waren eher godzilla und seine amerikanischen pendants der atomic 50s, allesamt strahlungsinduzierte bestien jenseits der beherrschbarkeit, medien der apokalypse, für generationen eingeschrieben ins kollektive bewusstsein -- verarbeitungen der atomkraft, das oszilliert zwischen untergangs- und machbarkeitsfantasien. ob man nun blauhelme nach japan schicken soll, die tepco und prime kan das desastermanagement abnehmen -- da sind ja noch ein paar fragen bzgl. der souveränität von staaten vorher zu besprechen. ausserdem gibts keine spezialisten oder sowas wie eine eingreiftruppe ausserhalb des systems, die experten sind allesamt bei der internationalen atomwirtschaft auf der lohnliste. das war bei BP im golf von mexico letztens ähnlich. das könnte man auch systemfehler nennen. gruß, udo -- rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost http://post.in-mind.de/pipermail/rohrpost/ Ent/Subskribieren: http://post.in-mind.de/cgi-bin/mailman/listinfo/rohrpost/
