lieber thomas,

dank fuer deine antwort. wir sind offensichtlich unterschiedlicher auffassung. denn ich finde es einfach verschenkt, wenn man wie du das schreiben (und lesen) darauf beschraenkt, eine polemische aufzaehlung von verfehlung zu machen, statt ueber das zu sprechen, was es dort zu sehen gibt. warum schreibst du nicht von dem schwer ertraeglichen pathos der arbeit von james coleman, reibst dich an den lobpreisungen fuer cosima von bonin, oder setzt dich mit der so praesenten malerei von divalo kritisch auseinander?

ich fuehle mich persoenlich fuer die quantitative repraesentation von 'digitaler kunst' in gegenwartskunstausstellungen nicht verantwortlich, transmediale hin oder her, und werde mich deshalb auch nicht ueber deren abwesenheit bei der d12 beschweren. interessanter ist ja, dass die erwaehnte arbeit von Inigo Manglano-Ovalle sehr wohl ueber ihre medialitaet in ganz hervorragender weise reflektiert, und dass es interessant waere, die verbindung zur computerkunst in den assemblagen von Bela Kolarova zu untersuchen. und dann ist selbstverstaendlich das mohnfeld von sanja ivekovic ein stueck medienkunst! sein im binaercode geschriebenes programm '0-1-0' steht noch auf '0', und es waere aus meiner sicht intellektuell viel ambitionierter, ueber die widerstaendigkeit der natur dgegen ihre kuenstlerische zurichtung zu reflektieren, als die kommunikation darauf zu beschraenken, auch hier ein heilloses scheitern zu diagnostizieren.

ich finde, dass kunstkritik die aufgabe hat darueber zu reflektieren, was die kunst in ihren praesentationsformen kulturell hervorruft. es liegt mir fern, die d12 in allem gut zu finden. aber ich finde, dass sie eine differenzierte und in's kuenstlerische detail gehende beschaeftigung verdient. deine rigorose ablehnung wird nicht verhindern, dass in diesem sommer einige hunderttausend menschen nach kassel fahren werden und dort dinge sehen und erleben werden. ich glaube, dass viele sehr positive entdeckungen machen werden, wie zum beispiel die geschichte aus dem kosovo, aufgeschrieben von Mary Kelly. oder die klanginstallation von Olga Neuwirth. die anderen rohrpostler, und die leser deines blogs, sind bestimmt neugierig, welche kulturelle produktivitaet (oder den mangel daran) du den werken und ihrer auswahl diagnostizieren wuerdest. angesichts einiger hunderttausend kuenstler, die weltweit aktiv taetig sind, kommt mir eine 'was fehlt?'-liste dagegen etwas deplaziert vor. aber das ist wieder eine frage persoenlicher vorlieben.

herzlichen gruss,
-ab

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