Hallo,

On 02/16/11 09:23, Stephan Knauss wrote:
Das ist jetzt, sag ich mal, etwas kindlich gedacht ("Mama, wenn der das
darf, dann darf ich das aber auch...").

Aber darauf läuft es hinaus. Wer ist denn diese Instanz, die das
entscheidet? OSM hat keinen Prozess mit dem die Community so etwas
demokratisch entscheiden könnte.

Genau, und damit fahren wir im Augenblick noch ganz gut.

OSM ist keine Demokratie. Trifft dann die DWG so eine Entscheidung?

Die DWG tritt normalerweise erst auf den Plan, wenn es Aerger gibt - wenn sich also jemand beschwert. Wobei sie manchmal natuerlich auch die Augen offenhaelt, ob irgendwo Sachen gemacht werden, bei denen es sehr wahrscheinlich scheint, dass sich demnaechst jemand beschwert. Auf eine recht konkrete Anfrage eines Betreibers eines Kartenportals, der neulich fragte, ob er Sammelaccounts nutzen kann, haben wir sinngemaess geantwortet: "Erwuenscht ist es nicht, verboten ist es auch nicht, aber wenn es Aerger gibt, werden wir Deinen Sammelaccount behandeln wie jeden anderen auch, also im Zweifel kann es passieren, dass der Account gesperrt wird und alle seine Edits entfernt, wenn damit Mist gemacht wird".

Triffst du eine andere Entscheidung wenn ich dir Geld gebe oder mal ein
Bier zahle? Oder wenn dir meine Nase nicht gefällt?

Zahl mir mal ein Bier, dann denke ich darueber nach ;)

Auch wenn das mal wieder als typisch deutsch gelten könnte: Klare
Richtlinien helfen weiter.

Die klare Richtlinie ist: Sammelaccounts sind unerwuenscht, werden aber im kleinen Rahmen geduldet, solange sich niemand beschwert. Wer auf der sicheren Seite sein will, benutzt keine Sammelaccounts. Wer Sammelaccounts benutzen will, tut das auf eigenes Risiko und kann sich nicht darauf berufen, dass das ja "offiziell erlaubt" waere.

Und am besten werden diese ganz demokratisch beschlossen.

Die Demokratie in OSM funktioniert meiner Ansicht nach grob so:

1. Alles, was nicht unbedingt verbindlich entschieden werden muss, wird auch nicht verbindlich entschieden. Ueberall da, wo man auch ohne eine Entscheidung "von oben" leben kann, sollte man auf eine solche Entscheidung verzichten.

2. Wenn eine Entscheidung notwendig ist, dann trifft diese Entscheidung die OSM Foundation, vertreten durch ihren demokratisch gewaehlten Vorstand. Der Vorstand kann solche Entscheidungen in gewissem Masse an Working Groups delegieren, wie z.B. die Data Working Group.

Der Punkt 1 ist mir besonders wichtig, denn wenn man den wegliesse, kaeme es zu einer Inflation von Regeln. Der Punkt 1 sorgt dafuer, dass ein Mapper, der sich an die OSMF wendet mit der Bitte, dass man doch entscheiden moege, wie strassenbegleitende Radwege zu taggen sind, abgewiesen wird.

Das demokratische Beschliessen von Richtlinien klingt nett, wuerde aber dazu fuehren, dass ein Haufen Leute sich statt mit Mapping mit dem Richtliniendesign beschaeftigen, dass zahllose neue Gremien und Prozesse geschaffen wuerden, und dass am Ende diejenigen regieren, die es verstehen, diesen Apparat form- und fristgerecht zu bedienen. Es kann sein, dass wir sowas in ein paar Jahren mal als "kleineres Uebel" einfuehren muessen. Bis dahin bin ich mit dem Status Quo ganz zufrieden.

(kleiner Haken ist dabei, die Stimmberechtigung sollte auf Personen
bezogen sein nicht auf accounts, weil davon kann ich mir ja beliebig
viele erzeugen).

Das ist der erste von einigen tausend "kleinen Haken".

Ich habe bei mir schon ein oAuth fertig. Das wäre nicht das Problem.
Allerdings erfordert oAuth nicht nur die Registrierung bei OSM sondern
zusätzlich noch einen Account beim oAuth comsumer.

Dieser "Account" koennte aber auch einfach ein Cookie sein, oder?

Bei der typischen Haltbarkeit von Cookies eher ungünstig. Meist werden
die doch am Ende einer Session entsorgt. html5 Web-Storage oder Flash
cookies wären wohl haltbarer.

Mittelfristig gehe ich davon aus, dass OSM auch OpenID unterstuetzen
wird, so dass dann ein Account bei Google & Co. schon ausreicht (in den
die Leute zudem meistens eh schon dauer-eingeloggt sind). Siehe aktuelle
Diskussion hierzu auf dev.

Das hilft hier aber nicht weiter. Oder willst du wirklich bei jedem
Zugriff eine neues Token erzeugen? Sonst spart es nicht den zweiten
account.

Ich hab sowas selber noch nicht praktisch implementiert, aber ich wuerde das Token im Cookie speichern. Am Anfang einer Session muesste der Nutzer also einmal sein OSM-Password eingeben, um den Zugriff zu erlauben. Wenn er Cookies nicht bei Browser-Close wegwirft (und ich glaube, dass die meisten Leute das nicht machen), kann er beim naechsten Mal ohne Login weiter editieren, sonst ist nochmal ein Login erforderlich. (Da gibt es uebrigens auch Bestrebungen, das auf OSM-Seite zu vereinfachen, z.B. eine einzige Maske, auf der man Login und OAuth-Grant abwickelt.) - Und in Zusammenhang mit OpenID wuerde dann sogar der Login wegfallen, da muesste man, wenn man sein Cookie wegwirft, nur nochmal bestaetigen, dass das Aendern von Daten gestattet ist.

Ob diese "oberflächliche Kontrolle" reicht ist auch fraglich. Auch da
hast du wieder einen Sammelaccount, bei dem jemand ohne die
Faktenkenntnis das einfach durchwinkt. Der Unterschied zum direkten
Eintragen ist nicht so groß.

Der Unterschied zum direkten Eintragen ist, dass hier eine bekannte Person die Verantwortung uebernimmt.

Die Frage läuft für mich doch wieder auf das hinaus: Grundsätzlich
erlauben oder nicht. Und falls wir es erlauben, dann gilt das für alle

Eine explizite Erlaubnis fuer Sammelaccounts wird es nicht geben. Die fuer alle geltende Regel ist: "In kleinem Umfang ok, solang sich keiner beschwert; sobald Umfang groesser und/oder begruendete Beschwerden, wird sich die Data Working Group mit der Sache beschaeftigen und Dich ggf. bitten, das ab- oder umzustellen."

Bye
Frederik

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