Am 23.08.2011 02:26, schrieb Martin Koppenhoefer:
Gemeint war: Flächenausdehnungen bewusst falsch zu zeichnen.
Schon wieder "falsch" ;-). Wir haben fast keine Möglichkeit, die Flächenausdehnung korrekt zu erfassen - OSM ist keine Katasterkarte. Hier ist warum:
1) Oft wissen wir nicht, wem Land gehört, das auf Luftbildern zu sehen ist - das wäre für die Flächenausdehnung aber wichtig, denn oft endet die Fläche und ihre Nutzung mit der Grundstücksgrenze. Solche Daten können wir mit dem Anspruch auf Korrektheit bestenfalls vom Amt einholen.
2) Das Abschätzen einer Fläche per Luftbild hat keine Vermessungsgenauigkeit. Selbst genaues Abzeichnen führt damit nicht zur Belastbarkeit der Daten (für amtliche/rechtliche/sonstige Zwecke) - damit stellt sich die Frage, welchen Mehrwert genaues Abzeichnen hat, auch im Zshg. mit 1)
3) Tags in OSM präzisieren oft gar nicht, wo genau eine Fläche aufhört. D.h. das Datenmodell (vgl. Frederiks mail) schreibt nicht in letzter Instanz vor, was "richtig" oder "falsch" im Sinne des Datenmodells ist. Z.B. wird ein Wohngebiet als "landuse=residential" kodifiziert, aber es gibt keine genauere Definition dazu, in welchen Grenzen ein Wohngebiet existiert. Es wird weder definiert, dass wir uns dabei an irgendeine amtliche Katasterkarte halten, noch, dass wir überhaupt nur Gebiete als "Wohngebiet" taggen, die amtlich so gewidmet worden sind. Ein Vergleich amtl. Katasterkarten mit OSM-Daten wird hier erstaunliche Differenzen zu Tage treten lassen.
Wir stellen fest, dass es also einen Interpretationsspielraum gibt. In dem Sinne kannst Du nicht davon sprechen, dass es "falsch" wäre, Flächen bis zur Straße auszudehnen. Das könntest Du doch überhaupt erst dann, wenn Einigkeit über die Grenzen bestünde, sprich eine Definition dazu durch Konsens entstanden wäre.
Im Sinne des Datenmodells kann eben die Aussage "das Wohngebiet wird durch die Straße begrenzt" selbst dann richtig sein, wenn dort noch ein Graben und eine Leitplanke dazwischen ist. Solange es keine genauere Grenzdefinition von Gebieten durch das Datenmodell gibt, entscheiden wir durch Mapping-Praxis was evtl. mal Teil des fortlaufend spezifizierten Datenmodells wird.
Da OSM keine Katasterkarte ist und vermutlich auch nicht sein wird, hat /für mich/ topologisch korrektes Mappen (also wie stehen Objekte in Bezug zu anderen Objekten) einen wesentlich höheren Stellenwert, als das submetergenaue Taggen der Flächenausdehnungen von Flächen, deren Grenzen nicht klar definiert sind und nur durch amtliche Bestätigung überhaupt eine Belastbarkeit erfahren würden.
Falls OSM doch irgendwann zur Katasterkarte mutiert, also fast alles als Flächen erfasst wird, erübrigt sich der Wunsch nach korrekter Topologie innerhalb der Basisgeometrie, die wäre dann automatisch gegeben. Dann wird aber vermutlich ein linienhafter Routing-Layer übrig bleiben, der nicht mitgerendert wird. Damit hätten wir dann auch die Routing-Leute von den Flächenerfassern getrennt, *freu*.
Grüßle, Christian
ich halte es für einen Irrweg, der weitere Verfeinerungen erschwert und dem Mapper der dort etwas ändern will unnötige Komplikationen bereitet.
Andere halten das für einen sehr guten Weg, der ihnen das Editieren/Programmieren/Abbilden erleichtert und zudem die Qualität der Daten erhöht.
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