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Gesendet: Freitag, 31. Mai 2013 um 15:50 Uhr
Von: "Heinrich Herre" [email protected]
Betreff: Re: [WISS-ORG] Langfassung: Über die Darstellung einer deduktiven Wissenschaft als Deduktgeflecht
 
Lieber Herr Herre,
 
haben Sie vielen Dank für Ihren Artikel „General Formal Ontology“; ich werde mich gelegentlich auf ihn beziehen. Zunächst aber ein Punkt, der mich etwas verwirrt hat. Sie schreiben:
 
> Mittels der Konzepte lassen sich eine Vielzahl von Aussagen formulieren; wir  interessieren
> uns natürlich für solche Aussagen, die wahr sind, oder von denen wir  überzeugt sind,
> dass sie wahr sind. Wenn gewisse Begriffe fehlen, kann man eben gewisse Aussagen nicht
> formulieren. Bevor wir die Wahrheit eine Aussage untersuchen, müssen wir die Aussage erst bilden.
 
Dies würde ich dem begriffsbasierten Ansatz zuordnen: Erst die Begriffe definieren, dann die Aussagen formulieren. Etwas später sagen Sie dann jedoch:
 
> Man sollte schon mit den eigentlichen Grundbegriffen beginnen, die selbst nicht definiert werden,
> sondern durch Axiome beschrieben werden, d.h. durch Aussagen, von deren Wahrheit wir überzeugt sind.
 
>> ganz abgesehen von der Frage, ob solche Definitionen überhaupt möglich sind. Die
>> Erfahrungswissenschaften folgen jedenfalls dem aussagenbasierten Ansatz: bei ihnen werden
>> die Grundbegriffe NICHT definiert.
 
> Diese Grundbegriffe werden zwar nicht durch explizite Definitionen beschrieben (hier käme man zu
> einem unendlichen Regress), sondern durch Axiome, die den Charakter von impliziten Definitionen haben.
 
Das ist doch aber gerade das, was ich als aussagenbasierten Ansatz bezeichne (s. Langfassung, p. 10), der hier so vehement abgelehnt wird. Wieso kann man in dem einen Fall Aussagen nicht formulieren, wenn Begriffe fehlen; in dem anderen Fall aber doch?
 
Von der Antwort auf diese Frage hängt nun manches Weitere ab. Deswegen möchte ich hier erst einmal abbrechen und die übrigen Themen auf später verschieben.
 
Viele Grüße

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