On Mi, 2003-08-20 at 11:56, Kristian Koehntopp wrote: > Meine Frage nach den Hintertüren in der TCPA-Architektur für die > einschlägigen Bedarfsträger ist noch immer offen.
Ich halte die Hintertür in TCPA für vollkommen unnötig, da a) man das in der Anwendung viel besser verstecken kann und b) TCPA ja mechanismen hat, die man misbrauchen kann. Warum also braucht egal wer eine zusätzliche Hintertür? > Dann soll eine Hausdurchsuchung mit Aktenbeschlagnahme > durchgeführt werden. Backup der TPM durchführen, beim Hersteller anrufen, und um ein Zertifikat bitten, mit dem das TPM backup in einem eigenen Rechner eingespielt werden darf? Reicht das nicht aus? Vielleicht nicht, weil die gleiche Software erwartet wird. Die Software hat eine Methode eingebaut, die nur dem echten Besitzer den Zugang ermöglicht, aber nicht der Steuerfahndung. Zum Beispiel könnte die Software eine Passphrase erwarten, ohne die kein Zugang auf die Daten möglich ist? Wie unterscheidet sich diese Software von PGP? In beiden Fällen braucht man eine Passphrase um die Daten über die Software zu entschlüsseln, in beiden Fällen ist der Angriff an der Software vorbei wegen Verschlüsselung zum Scheitern verurteilt. TCPA hat aber noch ein weiteres Problem: Software braucht updates, die Daten sollen bei sowas aber nicht verloren gehen. Wie dieser Punkt gehandhabt wird ist mir nicht bekannt, habe dazu bisher keine Fakten gelesen, und hier vermute ich mal Schwachstellen. Letzterer Punkte könnte aber auch so implementiert werden: Bei einem Software Update geht die Möglichkeit zur Entschlüsselung der Daten verloren. Das ist kein größeres Problem für die Online Videothek - man möge doch bitte vor download des Filmes das Update einspielen, und kein weiteres vor ende der Leihfrist. Zudem ist der DRM Datenblock sehr klein - dekodierschlüssel und Daten über das ab wann / bis wann / wie oft abspielen. Diese Daten können bei Verlust ja einfach nochmal von der Webseite geladen werden, der remote server kann ja verifizieren das es sich um den gleichen Rechner mit anderer aber zulässiger Software handelt. Für das Scenario der Geschäftsdokumente die mit DRM auf TCPA basis gesichert werden wird das aber viel komplizierter. Hier kommt es genau darauf an, wie die Implementierung arbeitet, und das wurde ja nicht diskutiert, und auch hier sind vergleichbare Mechanismen denkbar, die beim Software eine erneute authentifizierung erforderlich machen, ohne das die Datenbestände verloren gehen. Bisher habe ich keine Beispiel für eine TCPA Anwendung getroffen, die *immer* die Daten verschlüsselt speichert. Üblicherweise werden nur die Daten auf dem "client" verschlüsselt gespeichert, etwa dem Kundenrechner bei der Online Videothek, oder dem Laptop beim Offline folder mit Geschäftsdokumenten. In beiden Fällen kann die Staatsanwaltschaft den File Server mitnehmen. Ich sehe daher nicht, warum eine typische Anwendung überall Dokumente mit TCPA speichern sollte. Falls doch so könnte die Implementierung schwachstellen haben, die durch Zusammenarbeit mit Software Hersteller oder Hardware Hersteller einen Zugriff auf die Daten erlauben. Falls nicht, so ist die TCPA Software von der Sicherheit PGP gleichzusetzen. Besonders interessant wird in dem Zusammenhang jedoch erst NGSCP: dort wird im Gegensatz zu TCPA ein sicherer Pfad zu Tastatur und Maus verlangt. Bei TCPA alleine sollten Key sniffer weiterhin gut funktionieren, bei NGSCB wird das schwieriger. Aktuelle Techniken wie die Nutzung von Smart Cards mit Class 3 Readern haben aber auch ein deutlich geringeres Angriffspotential. Viele Angriffe bleiben aber lange, weswegen ich das Problem nicht wirklich sehe: auch ein Class 3 Smart Card Reader oder eine NGSCP Tastatur kann gefilmt werden, oder durch Modifikation der Hardware können Tastenanschläge aufgezeichnet werden. Ross Anderson unterteilt in seinem exzelenten Buch "Security Engineering" die Angreifer in mehrere Klassen. Wenn der Staat wirklich will, so kann er in der Klasse mit Zeit, Geld und fähigen Leuten mitspielen. Gegen diese Angreifer gibt es kaum wirkungsvolle Sicherheitsmechanismen. TCPA scheitert spätestens, wenn der Chip von Spezialisten geöffnet und ausgelesen wird. Irgendwo war mal ein IBM Statement, das deren TPM Chips keine sicherheitsmerkmale wie bei Smart Cards enthalten. Angriffe gegen Smart Cards wurden von Markus G. Kuhn veröffentlicht. Also ja: TCPA knacken kann teuer werden. Ich kann aber nicht erkennen, wie mittelfristig eine TCPA Anwendung sicherer sein kann als das allseits bekannte und verbreitete PGP. Wer befürchtet, das spezielle TCPA Anwendungen genutzt werden, um die Strafverfolgung schwieriger zu machen, der muss auch erklären, welchen Vorteil die TCPA Anwendung gegenüber PGP bringen soll. Bisher sehe ich eher Nachteile. Tschüss, Andreas
