Zunächst möchte ich die Unterscheide zwischen TCPA und Kristians Modell aufzeigen, damit klar ist das er nicht von TCPA spricht - ganz entgegen $subject.
Kristians Modell zu diskutieren ist aber auch sehr interessant, nur hat man dann natürlich keine Fakten als Grundlage sondern nur Spekualtionen. Leider ist Kristian nicht auf den Vergleich zwischen TCPA Anwendungen mit ganz bestimmtem Verhalten und PGP eingegangen. Auch ist sein Scenario weiter nur wage beschrieben. Mir würde weiterhin sehr helfen, wie denn das gleiche Scenario heute aussieht - eine verblödete Hausdurchsuchung: was machen die denn mit dem SAP system und dem Dokumenten server? Mitnehmen? Backup? Platten kopieren? Den Admin um Ausdrucke bitten? Was wird gemacht, wenn PGP verschlüsselte Dateien gefunden werden? Den "Besitzer" solange in Haft belassen, bis er bereit ist die Dateien zu entschlüsseln? Ich weis es nicht. Mir fällt es sehr schwer eine Scenario zu untersuchen das sich leicht von heute möglichen Fällen unterscheidet, wenn ich diese nicht mal kenne. Nun aber zu (nicht) TCPA: On Mi, 2003-08-20 at 13:02, Kristian Koehntopp wrote: > Es ist eigentlich egal, wo die Hintertür ist. Punkt ist, daà die > Sicherheitsdiensleistung eines konzerngesteuerten > Rechtemanagements mit den Zielen von staatlichen Ermittlern > gleich welcher Hutfarbe mehr oder weniger frontal kollidiert. Bei manchen Nutzungen: ja. Sind die Dateien dagegen "nur" auf dem Client verschlüsselt: kein Problem. Zudem lieben Konzerne ja die Key Recovery mit gutem Grund: ein Mitarbeiter der aussscheidet, gefeuert wird oder stirbt soll keine Unterlagen mit ins Grab nehmen. Wird aber ein Key Recovery implementiert, so könnte diese auch durch staatliche Organe genutzt werden. Eine genau dosierte Politik, die nur gewisse explosive Dokumente so schützt, das eher die Dokumente verloren gehen als das sie einsehbar werden, oder die den Zugriff auf sehr wenige, fest vorgegebene Personen beschränkt und einen recovery key aussen vor lässt: erinnert das nicht wieder sehr an Scenarios die mit PGP und anderen Technologien schon lange machbar sind? zurück zu TCPA: [Backup der TPM übertragen] > Bei korrekter Implementierung der Zertifikatsauthority nicht, > denn die wird dann nicht beim Hardware-Hersteller liegen, > sondern bei der IT des betroffenen Konzerns. Ganz genau kenne ich die Spec da nicht, aber mein bisheriges Verständnis sagt mir: TCPA macht das aber so, und nicht wie du willst. Die möglichkeit, das ein Konzern das Hersteller Zertifikat durch ein eigenes ersetzt, und auch die Möglichkeit erhält TPM Datentransfers selbst zu authorisieren, ist meines wissens in TCPA nicht vorgesehen. Doch auch die Grundlage für diese Spekulation - Mistrauen des Konzerns gegenüber dem Hardware-Hersteller - möchte ich hinterfragen: Entspricht das denn der Realität? Begeben sich nicht zur Zeit viele Konzerne, etwa Banken, durch Outsourcing ganz bewusst in Abhängigkeit der Lieferanten, etwa IBM? Nicht, das ich eine solche Politik für sinnvoll halte, negative Erfahrungsberichte gibt es zu genüge. Zudem möchte ich das Scenario präzisieren, um eventuelle Missverständnisse auszuräumen: ein TPM Backup von Rechner A auf Rechner B einzuspielen braucht bei TCPA die Kooperation des Herstellers. Ich gehe vereinfacht davon aus, es sei bei beiden Rechnern der selbe, ob es sonst noch möglich ist: ich weis es nicht. Der Hersteller erhält dazu aber nicht die TPM daten, sondern nur die Identifikation der beiden Rechnern. Eine staatliche Stelle oder Geheimdienst könnte vermutlich den Hersteller um Kooperation bitten, muss jedoch selbst besagte Backup Daten besorgen. Als Firma hätte keine Bedenken die Hilfe des Herstellers anzunehmen, um sensible Daten von einem Rechner in einen anderen zu überspielen. Erfährt der Hersteller doch nur, welcher Rechner defekt ist, und wohin die Daten gelangen, und das weis der Hersteller meist eh aufgrund eines Support Vertrages. Es erübrigt sich, auch die Notwendigkeit hinzuweisen, Backup Daten unter allem Umständen und in jeder Hinsicht zu sichern. [software updates] > Wo ist hier genau das Problem, das Du siehst? Es geht bei der > ganzen Sache nicht um eine bestimmte Software oder > Softwareversion, sondern darum, daà alle laufende Software in > einem der sicheren Compartments sich > unter einer Menge durch den Systemeigner festlegbaren > Zertifikaten validieren kann. TCPA weis nicht wie die software heist, welche version sie hat oder was sie macht, sondern kennt nur einen hash wert des binaries. Wenn sich die kette der hash werte ändert, dann ist eine Entschlüsselung der Daten nicht möglich. "sichere Compartements" könnte darauf hindeuten, das du auf NGSCB anspielst? Dort wird jedoch meines wissens keine Aussage gemacht, wie Daten verschlüsselt abgespeichert werden. Und wenn es um festlegbare Zertifikate geht, die einen Zugriff auf daten erlauben oder nicht, so sind wir vollkommen im Bereich der Anwendungen. Dort verweise ich gerne auf Firma Adobe, die eine zertifikatsbasierte Verschlüsselung und besondere Sicherheits- mechanismen in diesem Bereich für Version 5 von Acrobat doch massiv beworben hat, wenn ich es noch richtig weis. Mich wundert nur die recht einseitige Fixierung auf Microsoft, sicherlich der größte Teilnehmer am Markt, aber ich könnte mir gut vorstellen, das Microsoft wiedereinmal in einem florierenden Markt einen Anbieter gekauft hat, und deren Software in ihr eigenes Portfolie integriert. Dies dürfte den anderen Anbietern diverse Kopfschmerzen bereiten, vermutlich überleben die meisten nicht. Zumindest dies ist meine Sichtweise, wie Microsoft seit jahren und mit recht viel Erfolg arbeitet - zumindest in monetärer oder machttechnischer Sichtweise. Auch die von dir genannte Webseite über Vorteile des neuen Office liest sich für micht nur so, als wären Features von Adobe Acrobat mit ein paar Jahren verspätung auch in Office angekommen. Etwas neues oder gar revolutionäres kann ich daran nicht erkennen, einzig wird ein Feature das bisher meines Wissens eher ein Schattendarsein führte nun ganz in den Vordergrund geschoben. Aber detailierte Berichte, wie erfolgreiche etwa Adobe mit seiner DRM technologie in Acrobat war liegen mir nicht vor. Sicher interessant wäre eine Untersuchung über die Akzeptanz solcher Massnahmen. Ein mir bekannter Grosskonzern hat viele Manager, die fast ausschliesslich Ausdrucke ihrer eMail und Dokumente lesen. Ein IRM/DRM System das Ausdrucke erlaubt hat aber ein massives Loch. Wo genau kann eine Firma von einem solchen System profitieren, solange es solches Verhalten akzeptiert, oder wie wird die Akzeptanz aussehen, wenn Manager ihre Verhalten ändern müssen? Der RMS ist übrigens Bestandteil von Windows 2003 Server und kostet keinen Aufpreis. > Wir reden hier nicht von internationaler Spionage, sondern von > einer verblödeten Hausdurchsuchung im Falle etwa eines kleineren > Deliktes. Nun, erkläre mir wie bisher in diesem Bereich vorgegangen wird, auch in fällen SAP Software, PGP Dateien und so weiter, und wir haben eine gute Grundlage um die Folgen neuer Anwendungen zu diskutieren. > Und wenn das System korrekt konstruiert ist (wovon ich > bei Microsoft inzwischen erst einmal ausgehen würde), dann ist > der n-te Angriff immer noch fast genauso teuer wie der erste. Es > ist also nix mit einmal Knacken, n mal nutzen. Nun, ich habe obige zweifel, ob generelles interesse an einem solchen System bestehen. Ich bin sehr gespannt auf deine Antworten zu meinen Fragen. > Wenn es eine Hintertür gibt, dann ist natürlich auch die Frage Womit die Frage, ob eine solche denn überhaupt notwendig ist, ein weiteres mal ignoriert wurde. Ich sehe ein, das bei kleinen, übersichtlichen Anwendungen mit kleinen Schnittstellen nur eine Hintertür bleibt. Beispiel: Telefone der Crypto AG. Aber in einem Monstrum wie Windows: wo braucht es da eine Hintertür? Kann man mit genügend Motivation hier nicht immer ein Loch finden, das sich nutzen lässt? > individualisiert angepaÃten Zwangsupdates durch ein > automatisches Windows Update). Bitte um Links zu guten Artikeln zu dem Thema. Ich habe das Thema bisher ignoriert, da es mir als Hype erscheint. Zum Vergleich möchte ich auf die Online Registrierung von Windows verweisen, die seiner Zeit auch viel Aufsehen erregt hat. Grosse Firmen haben die Select Version, die ohne das auskommt. Raubkopierer auch. Betroffen sind am Ende nur die Endnutzer und kleinere Betriebe. Und das sind meiner Ansicht nach beides Kandidaten, die vielleicht mal Linux probieren, wenn man Sie zusehr gängelt, daher habe ich gar nichts gegen Microsofts vorstösse. Einzig der Terminal Server von MS will *immer* eine Online Registrierung, ohne die kann man den Server nicht betreiben. Aber auch damit haben sich viele Admins abgefunden, es ist nervig aber kein wirklich grosses Problem. Man kann das natürlich als Schritt zum Abgrund betrachten, hat Microsoft doch die online Registrierung erfolgreich eingeführt. Man kann es aber auch als Fehlschlag Microsofts betrachten, bei dem die grossen Firmen sich nichts aufzwingen liessen, was ihnen unangenehm war und mehr Arbeit verursacht hätte. Spekulieren über Windows Updates kann man ganz einfach: Microsoft könnte die Updates auf per default an und automatisch stellen. Damit würden clueless User ihr Update immer bekommen, der rest kann es sich aussuchen. Falls Microsoft ein Update erzwingt, und dabei Fehler erzeugt werden, wie schon mehrfach vorgekommen (siehe Heise archiv), so werden wohl Schadenersatz -forderungen aufkommen. Sowas kann unter "grob fahrlässig" fallen, und das keine Software sich mit keiner Lizenz davon freisprechen kann, das haben wir doch erst eben in einer Studie zu Open Source nachlesen dürfen, nicht wahr? Tschüss, Andreas
