Hi Björn, *

Am 09.10.2010 21:34, schrieb Björn Michaelsen:
Am Fri, 08 Oct 2010 20:20:45 +0200
schrieb André Schnabel<[email protected]>:

Und es gibt auch schon seit sehr langer Zeit immer wieder Hinweise,
dass dieses Statement nicht unbeding von allen als ideal für ein
FReies Softwareprojekt angesehen wird.
Sicher. Das Leben ist kein Wunschkonzert.

Das sicher nicht :)


Ich fuege hier besser wieder den Satz von mir ein, den Du in Deinem
Zitat unterschlaegst:
Und es davon auszugehen, dass man fuer so eine Forderung auch
besser ein entsprechend attraktives Gegengewicht mitbringt.

Dann füge ich hier auch nochmal einen Link ein, der beim zitieren meiner Mail gelöscht wurde:
http://www.openoffice.org/about_us/governance.html

Sun muss auch schonmal der Ansicht gewesen sien, dass eine Foundation keine schlechte Idee wäre, und auch Formulierungen benutzt, die wir jetzt jetzt eigentlich nur recyclen: "... board will consist of members ... with Sun Microsystems as an equal member."

Wir tun nichts anderes als das umzusetzen, was vor 10 Jahren von Sun angekündigt wurde.

Aber ...


Und das wurde auch schon häufiger getan - mit der permantent gleichen
Antwort seitens Sun / Oracle: es wird keine Änderung geben.
Mit welchen konkreten Anreizen? Also solche, die auch fuer die
Aktionaere von Oracle nachvollziehbar und vermittelbar sind. Um genau
deren Investition geht es doch.

Ok, was wäre denn für die Oracle Aktionäre anders? Was haben die Oracle Aktionäre denn jetzt für ein Interesse an der BU?

1. Sie haben ein Team von erfahrenen Entwicklern und Mitarbeitern, die sich sehr gut damit auskennen eine Office-Suite zu betreuen.

2. Sie haben eine Business-Unit, die rund um diese Office-Suite Support und Projekte anbieten und Geld erwirtschaften kann.

3. Sie haben die Möglichkeit durch Synergien aus Oracle Open Office und dem gesamten Oracle Application Stack gute Marktpositionen zu erobern

4. Sie haben die die Möglichkeit aus einer beiten Codebasis, die als OpenSource-Projekt bereit steht eigene Produkte abzuleiten

5. Sie haben die inzwischen recht bekannt Marke OpenOffice.org und können nach ihrem eigenen Willen benutzen

6. Sie können alle Codebeiträge, die im Rahmen des OpenOffice.org-Projektes erfolgen nach eigenem Willen benutzen (weiterlizensieren, für eigene kommerzielle/geschlossene Projekte nutzen oder für kommerzielle/geschlossene Projekte von Drittanbietern verwerten)

dem steht gegenüber, dass sie

7. Die Entwicklung von OpenOffice.org zu einem erheblichen teil selbst bezahlen müssen (Entwickler, Infrastruktur ...).

Ob die massiven Kosten auf Dauer von den vorhandenen Assets aufgewogen wird, müssen die Aktionäre sich wirklich gut anschauen.

Was würde sich nun ändern, wenn Oracle die Kontrolle an eine Foundation übergibt?

1. würde bleiben, am Team ändert sich aus diesem Grund überhaupt nichts

2. würde sich kaum ändern - Support und Projekte können genauso angeboten werden. Evtl. würde sich die Lage sogar verbessern. Wer auf der OOoCon den Vortrag von Lothar Becker gehört hat, sollte wissen, dass viele Businessanwender von OpenOffice.org nicht unbedingt glücklich mit den Supportangeboten sind - auch die wenigen Partner von Sun / Oracle nicht immer. Das mag zum Großteil daran liegen, dass KMUs nicht wirklich der Zielmarkt von Firmen wie Oracle sind, dort sind größere Kunden im Fokus .. nur die gibt es noch nicht in Masse. Um kleinere Kunden zu betreuen (und somit OOo soweit zu verbreitn, dass es auch für wirklich große relevant wird) brauchen wir aber ein Netzwerk von Anbietern - was bisher nie aufgebaut wurde. Einen fertigen Plan hat dafür keiner in der Schublade (wobei - lokal wird schon an manchen Orten daran gearbeitet), aber eine international aufgestellte Foundation hätte die Möglichkeit, soetwas mit rechtlichem Hintergrund zu versehen.

3. Besteht weiterhin.

4. Besteht ebenfalls weiterhin. Eigene Produkte auf einer LGPL-Lizensierten basis anzubieten ist durchaus möglich.

5. Wird nichtmehr möglich sein - nichtmehr "nach eigenem Willen" sondern nur in Abstimmung mit anderen Mitgliedern der Foundation. OpenOffice.org ist aber sowieso nicht das Produkt, welches den Oracle Aktionären das Geld bingt - das ist Oracle Open Office. Allerdings wurde die Marke (nicht das Produkt) im wesentlichen von der Community aufgebaut - und auch durchaus wahrgenommen, dass Oracle allein Änderungen diesbezüglich durchdrücken kann und wir als Community seit mehreren Monaten bzgl. der Marke gelähmt sind.

6. Wäre definitiv nichtmehr möglich. Nur, wäre das so schlimm, wenn es tatsächlich so wäre, dass >90% der Codebeiträge von Oracle stammen? Zusätzlich hatte Sun versprochen, dass Codebeiträge auf Basis der CAs auch als Freie Software herausgegeben werden. Aber auch wenn das so ist, vermindert allein dieses CA schon die Menge der Beiträge (auch wenn es andere Gründe geben mag, aber viele Patches aus ooo-build konnten wegen fehlenden CAs nicht integriert werden - einige davon betreffen Features, die viele User gerne sehen würden)

dagegen 7 ...

Könnte man einen (großen?) Teil der Infrastruktur abgeben, administrative Kosten sparen, potenziell mehr Entwickler für das Gesamtprojekt gewinnen, als man jetzt hat. (Effektiv passiert das sogar schon jetzt).

Insgesamt - eigentlich würde sich aus Sicht der Oracle Aktionäre nicht viel ändern. Es wird sich aber früher oder später die Frage für sie stellen, ob sich der Aufbau und Betrieb der BU lohnt. Ob diese dann weiterhin die Kontrolle über "OpenOffice.org" hat oder sich im Rahmen einer Foundation daran beteiligt, ist da eher uninteressant. Ich wünsche keinem in Hamburg, dass diese Entscheidung negativ ausfällt. Falls es aber doch passieren sollte, wünsche ich mir für das Projekt, dass es auf eigenen Füßen steht.

Klar, das geht Oraclemitarbeitern, die sich ueber ihren Job hinaus
engagieren aehnlich.

Das wollte ich auch garnicht in Abrede stellen.

Es sollte doch aber klar sein, dass wir uns
nicht anmassen, zu entscheiden, wie, ob und zu welchen Bedingungen
Leistungen, die wir fuer unseren Arbeitgeber erbringen ins Projekt
einfliessen. Deswegen sind auch saemtliche Aufforderungen, da "mal
drueber zu reden" oder das hier auf der Mailingliste zu diskutieren
voellig fehl am Platze.

Na ja .. immerhin kommt man hier aber ins Gespräch. Dass das die höheren Ebenen nicht wirklich beeinflussen wird ... ist anzunehmen. Aber lsutig wäre es schon mal, wenn diese hier Rede und Antwort stehen würden, wie "die Fundies" :)

Ich glaube nicht, das sich an der Entscheidungshoheit durch die
Gruendung einer Foundation per se irgendetwas aendert(*). Entscheidend
dafuer ist, wo die meisten Entwickler und QA'ler sitzen und wie
effektiv diese arbeiten.

Jepp .. reden wir in einem Jahr nochmal drüber, ok?


(*) Zumal ich bei der Foundation, noch nichts aber auch garnichts dazu
gefunden habe, wie sich die Entscheidungstraeger legitimieren. Bei
OpenOffice.org gibt es einen (vielleicht verbesserungswuerdigen, aber
klar definierten) Prozess, wie wer zu einem Entscheider wird.

Die Diskussion wird im wesentlichen auf den LibreOffice-Listen geführt. Hier wurde ja schon nett darauf hingewiesen, dass Diskssionen zu "Forks" und deren Politik nicht auf der Infrastruktur des OOo-Projektes geführt werden sollten.

also nur soviel:
Das momentane Steering Committe wird es für maximal ein Jahr geben. Bis (spätestens) dahin muss es Regeln erarbeitet haben, wie in Zukunft Entscheidungen getroffen und legitimiert werden. Das wird natürlich innerhalb der Community abgestimmt. Wer diese Regeln mitgestalten will, kann das natürlich auf den Listen von LibreOffice machen - und ich hätte nichts dagegen, wenn sich dort Oracle mit einbringt, als Gleichberechtigter unter anderen auch.

Gruß,

André

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