Hallo allerseits,
Hans-Christoph Wirth schrieb am 08.05.2009 14:21 Uhr:
Das liegt nicht zuletzt daran, dass dort an zwei Stellen ein ſ steht, wo nach meinem Verständnis ein Schluss-s hingehört:
Abſtimmungszuſammenfaſſungsemail.
Ja, das dürfte die richtige Schreibweise sein – und ich bleibe bei
meiner Ausſage, das dies ein schönes Bandwurmwort sei :-). Aber man kann
sich schon mal im Eifer des Gefechtes vertippen, das passiert mir leider
auch viel zu häufig :-(.
Bernd Steinhauser schrieb am 08.05.2009 07:07 Uhr:
[Sinngemäß: Bitte kein langes ſ hier auf der Mailingliste verwenden]
Aldi senkt deutlich die Milchpreise, die Bauern drohen wieder mit einem
Streik, und jetzt haben sich auch wieder so viele lange ſ hier auf der
Mailingliste eingeschlichen, dass die Antiqua-Fraktion auf die
Barrikaden geht. Und schon steht eine Neuauflage einer schon längst
geführten Diskussion an – so falsch kann das zyklische Geschichtsbild
wohl doch nicht sein:
»All [of] this has happened before, and [it] will happen again … again
… again … again … again … again … again …«
http://en.battlestarwiki.org/wiki/Hybrid_utterances#First_Hybrid
Aber nochmal zum Inhaltlichen: Ich werde versuchen, den Gebrauch des
langen ſ hier auf der Mailingliste wieder zurückzufahren; im
Frakturkontext scheint es mir aber weiterhin passend zu sein.
Zu mindestens hat mich dieser Diskussionsfaden davon überzeugt, dass wir
dem Fraktursatz eine eigene Wikiseite widmen sollten, schon um dort die
Argumente zu sammeln und sie hier nicht ständig wiederholen zu müssen.
Da würde ich mich auch über Deine konstruktive Mitarbeit freuen, Bernd –
sonst würden dort wahrscheinlich nur Pro-ſ-Argumente gesammelt werden ;-).
Also ich kann das nicht lesen. Schreib es am besten nochmal in
lesbarer Form
Ich ſoll alſo doch konſequent das lange ſ anwenden? Du verwirrſt mich ;-).
, sprich ohne ſ.
Also jetzt bin ich total verwirrt ;-) – Entschuldige Bernd, aber ein
bisschen Spaß muss sein :-)
:-[ :-\ 8-)
Viele Grüße,
Dennis-ſ
PS: Und wenn ich schon die Grammar-Nazis ;-) provoziere, kann ich bei
der Gelegenheit auch gleich die
Eine-Signatur-hat-4-Zeilen-mit-je-maximal-72-Zeichen-Puristen nochmal
auf 180 bringen – wenn schon, denn schon ;-). Und Nein, ich werde diese
Signatur /nicht/ immer anhängen, sondern nur hier an diese E-Mail.
--
In den gebrochenen Schriften (Fraktur, Sütterlin, …) ſchreibt man das
»normale« s nur am Silbenende; anſonſten wird das lange ſ geſchrieben¹².
So tritt die Silbenſtruktur weſentlich deutlicher hervor und der Text
iſt viel leichter zu leſen. Oft beſteht zwischen ſ und s auch ein echter
inhaltlicher Unterſchied:
Der Satz »Die Wachstube in der Wachſtube, die am Dienſttag Dienstag nach
der Verſendung der Versendung über das Kreiſchen der Kreischen in
Röſchenhofs Röschenhof anläſslich des Landestages zum Landeſteg gebracht
wurde …« bedeutet etwa (einmal ganz explizit aufgebröſelt):
»Die Wachs-tube (eine Tube voller Wachs) in der Wach-ſtube (die Stube in
der Wache), die am Dienſt-tag (ein Tag, an dem man arbeiten muſs)
Diens-tag (der Wochentag) nach der Ver-ſendung (etwas wurde
transportiert) der Vers-endung (etwa am Ende eines Gedichtes) über das
Krei-ſchen (ſich laut artikulieren, brüllen) der Kreis-chen
(Verniedlichungsform der geometrischen Figur Kreis) in Rö-ſchen-hofs
(Der Hof von einer Perſon mit den Namen Rösch) Rös-chen-hof (ein Ort
voller kleiner niedlicher Roſen) anläſslich des Landes-tages (Das
Jubiläum eines Landes) zum Lande-ſteg (Ein Platz, wo man vom Land aufs
Schiff wechſeln kann) gebracht wurde…«
Bedauerlicherweiſe werden die Gebrochenen Schriften heutzutage von
vielen mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht. Das iſt jedoch
völlig falſch: Am 3. Januar 1941 verboten die Nationalſozialisten mit
dem ſog. »Normalſchriftenerlaſs«³ die Verwendung gebrochener Schriften
im Schulunterricht und in den Behörden, da es ſich um »Schwabacher
Judenlettern« handle.
Bis zu dieſem Verbot waren Gebrochenen Schriften über Jahrunderte hinweg
im deutſchen Sprachraum üblich; ſo wurde die Bibelüberſetzung Martin
Luthers in der Schwabacher, »Das Kapital« von Karl Marx in der
Frakturſchrift geſetzt. Andere mögen auch heute noch den Befehlen des
»Führers« Folge leiſten und ſich damit ſelbſt der Fähigkeit berauben,
die Briefe ihrer Großeltern leſen zu können – aber ich gehöre nicht dazu!
Beſondere Ironie liegt darin, daſs dieſe Tatſachen den meiſten
Nazivollpfoſten gar nicht bewußt ſind; geſchweige den die Anwendung des
langen ſ: Wenn in der Bierwerbung nicht Haſſeröder geſagt werden würde,
würden die wahrſcheinlich »Hafferöder« dazu ſagen ;-).
»Die deutſche Schrift iſt uns eine Lebensnotwendigkeit wie Luft, Waſſer
und Brot. Aber auf die lateiniſche wollen wir ſo wenig verzichten wie
auf Salz, Wein und Muſik. Und das ſei auch das Maßverhältnis.«
‣ Otto Hupp (* 1859, † 1949), Heraldiker, Schriftgrafiker, Kunſtmaler
und Ziſeleur.
»Wie dunkler Tannen würziger Harzduft, wie wenn die Amſel weithin durch
den Abend ruft, wie des Wieſengraſes leichtſchwankende Zierlichkeit,
herrlichſte, deutſcheſte Schrift, ſo lieben wir dich ſeit langer Zeit«
‣ Rudolf Koch (* 20.11.1876; † 09.04.1934; Typograf und Schriftkünſtler)
über die Frakturſchrift.
»ex antīquā faſcitā mē expediō«
(lat.) Ich rette mich aus der faſchiſtiſchen Antiqua
‣ MartiN EO
¹ Eine gute allgemeine Einführung zum langen ſ bietet etwa die Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Langes_s
² Eine ausführliche und die meines Wiſſens auch genaueſte Beſchreibung
der »ſ oder s«-Regeln gibt es hier:
http://www.e-welt.net/bfds_2003/bund/fragen/13_Langes%20oder%20rundes%20S.pdf
³ Der Normalſchriftenerlaſs in der Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Antiqua-Fraktur-Streit#Normal-Schrift