Am Dienstag, 1. September 2009 14:07:27 schrieb Ulf Bro:
> Einfach pauschal zu behaupten, dass nur weil die Tastatur einen
> wohlklingenden Namen hat, und nur, weil sie auf Englisch getrimmt ist,
> dass sie dann gleich wertlos ist, ist vielleicht ein bisschen weit zu
> gehen.

Von „wertlos“ hat niemand gesprochen. Aber dass es Unterschiede zwischen auf 
das Englische und auf das Deutsche optimierte Belegungen gibt, kann nicht 
ernsthaft bestritten werden – im Englischen wird das „y“ sehr viel wichtiger 
sein während die Silbe (oder das Wort) „die“ deutlich seltener als im 
Deutschen vorkommen wird.

Kritik an der Messung (Messfehler):
In deiner quantitativen Untersuchung wird ein zusätzlicher Einfluss durch die 
Auswahl der relevanten Element, der Art der Bepunktung, die Gewichtung, die 
Auswahl der Textquellen etc. beinhaltet sein. Dieser Einfluss muss (durch 
Variation der Auswertung) zumindest abgeschätzt werden, um eine Vorstellung 
davon zu erhalten, ob ein Unterschied von 10% (Neo-Arensito) oder gar 
1% (Neo-Dvorak) überhaupt relevant ist.

Kritik an der Methode Ⅰ:
So wichtig dein Ansatz ist, um eine möglichst optimale Tastatur zu erhalten, 
so klar ist auch, das er alleine nicht ausreichend ist. Er reduziert die 
Ergonomie als Qualität der Mensch‑Maschine-Schnittstelle auf die techische 
Gegebenheiten. Säße eine Maschine vor der Tastatur, wäre diese Methode sicher 
angebracht. Mit einem Menschen vor derTastatur greift eine solche Auswertung 
immer zu kurz.
Die Konzentration der Vokale auf eine Reihe, die Verwendung der gleichen 
Finger und Positionen für häufige Bigramme¹ (z.B. en oder ch), die 
Kombination von u‑ü a‑ä und o‑ö sowie die Konzentration dieser seltenen (aber 
zusammengehörigen) Zeichen auf kleinen Raum sind wesentliche Punkte der 
menschlichen Komponente der Engonomie.
Es müssen (auch im Hinblick auf Neo3) nicht genau diese Elemente herangezogen 
werden, wichtig aber ist, dass auch die menschliche Komponente 
Berücksichtigung findet.

Kritik an der Methode Ⅱ:
Neben der bloßen Eingabe von Texten muss ebenfalls berücksichtigt werden, dass 
das Ziel die Belegung einer COMPUTERtastatur ist. Mindestens häufige 
Kombinationsfolgen wie STRG+x gefolgt von STRG+v müssen beachtet werden. Im 
konkreten Fall heißt dies: linkshändige Bedienung beider Kombinationen 
während die rechte die Maus führt – keine der von dir aufgeführten Belegungen 
beachtet dies; besonders schlecht ist in dieser Hinsicht die Positionierung 
bei Dvorak (und übrigens auch bei Neo1).


Diese E‑mail will keine Genalkritik üben, wohl aber deutlich machen, dass die 
Entwicklung und Bewertung einer Belegung weit schwieriger ist als ein oftmals 
verkürzter Blick es vermuten lässt. Neo profitiert darum von seiner großen 
Interessenten- und Entwicklergemeinde, die mehrfach neue relevante Elemente 
(zuletzt die Beachtung der Einfingerkollisionen) aufgedeckt hat, wodurch ein 
Neuansatz (Neo3) notwendig wird.
Darum würde ich mich statt einer Abwendung deinerseits von Neo2 über eine 
Hinwendung zur bald startenden Entwicklung von Neo3 freuen.


Gruß,
Pascal

¹ meiner Meinung nach einer der wichtigsten Punkte und zugleich einer 
derjenigen, die am schnellsten übersehen werden

-- 
GPG-Schlüssel-ID: 0xC237D6DE
Fingerabdruck: 14ED FAFD 0273 F505 8FD0 F7B8 E8A0 03EB C237 D6DE

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