Hi, Karl Köckemann, die Darlegung über die Tottasten ist schlüssig und überzeugend und kann (hoffentlich) von jedem akzeptiert werden. Beim Schreiben mit der Hand macht man für die diakritischen Zeichen ja auch zusätzliche Bewegungen. Bei einer Spezialtastatur für Schnellschreiber habe ich für die Umlaute ein Präfix mit einer besonders griffgünstig liegenden Tottaste vorgesehen. Zum Tote-Tasten-Prinzip möchte ich einen weiteren Hinweis geben:
In einer Studie habe ich gelesen, dass die Geschwindigkeit, mit der man Tasten bedienen kann, mit der Anzahl der Tasten abnimmt. Es ist für das feinmotorische System der Finger offenbar einfacher und schneller, eine kleine Auswahl zu treffen als eine große Auswahl. Dies ist nicht nur eine Folge der längeren Wege zu den Tasten, sondern auch eine Eigenschaft des Gehirns. In der Studie ergab sich, dass die Dauer einer Tastenbetätigung ungefähr mit dem Logarithmus der Tastenanzahl zunimmt. Dieses Ergebnis hängt natürlich von den Versuchsbedingungen ab. Die Betrachtung eines Extremfall soll diese Aussage anschaulich machen. Man kann ein Wort am schnellsten schreiben, wenn man dafür nur eine Taste zu drücken braucht. Demnach müsste man am schnellsten schreiben können, wenn man für jedes Wort eine eigene Taste vorsieht. Die dafür erforderlichen ~ 250000 Tastpunkte bedecken eine dicht mit Tasten besetzte Fläche von hundert Quadratmetern. Es leuchtet ein, dass man bei einer so großen Tastatur für das Auffinden und Drücken einer Taste mehr Zeit braucht als für das sequenzielle Eintasten auf einer üblichen Tastatur. Anscheinend sind weniger Taten besser. Am Besten müsste es demnach sein, wenn man nur eine Taste verwendet, und mit ihr alle Kodierungen sequenziell eintastet. Dies ist beim Morsealphabet realisiert. Aber das Morsen führt ebenfalls nicht zu einer besonders hohen Eingabegeschwindigkeit. Das Optimum muss man also zwischen diesen beiden Grenzen suchen. Die Buchhalter, die ihren Tastenblock mit einer enormen Geschwindigkeit bedienen können, und ihre Zahlen schneller schreiben können als auf einer normalen Tastatur Texte schreiben, legen die Vermutung nahe, dass man bei einer optimalen Tastatur alle Tasten mit möglichst wenig seitlichen Handbewegungen erreichen können soll. Übrigens: Zu den bewunderten Schnellschreibkünstlerinnen gehörten früher die Damen an den Kassen von ALDI. Kurzum, ich möchte den Gedanken unterstützen, dass es vorteilhaft ist, wenn man für eine Tastatur weniger Tasten vorsieht, als es bisher üblich ist. Mit freundlichen Grüßen zum Advent Wolf-Heider Rein Am 18.12.2009 um 03:24 schrieb Karl Köckemann: > Hallo, > > Am Thu, 17 Dec 2009 13:13:05 +0100 > schrieb Nora Geißler <[email protected]>: > >> Ich habe es nicht ausprobiert, Umlaute konsequent über tote Tasten zu >> tippen. Ich bin mir sicher, dass ich es lernen würde, und auch relativ >> flüssig – aber genauso sicher bin ich mir, dass es angenehmer und >> schneller ist, die Umlaute direkt eingeben zu können. > > Ja, angenehmer ist es, zum Erzeugen eines Zeichens eine Taste direkt > anschlagen zu können. Warum ich es mit Umlaut-per-Tot-Funktion so genau > nehme: Ich sehe eine Möglichkeit, dass es auf gut vertretbare Weise > umsetzbar ist, wodurch wir Platz frei bekommen. > > Warum wir Platz brauchen, das sei im übernächten Absatz erläutert. > > Die Möglichkeit kursiert hier als Quick-Tot und wird unterschiedlich > aufgefasst. Gemeint ist damit keine Tot-Taste, die 6 Ebenen beansprucht > - die Tot-Tasten sollen dabei bleiben wie sie sind -, sondern zwei gut > erreichbare Ebene1-Positionen. Die eine soll gefolgt von aou die > Zeichen äöü erzeugen, die andere gefolgt von aou die Zeichen ÄÖÜ, d. h. > das Betätigen von Shift entfällt, weswegen das Schreiben grundsätzlich > flüssig möglich bliebe, zumal aou bestens erreichbar sind, was > angesichts der ursprünglich ungünsterere Lage äöü also keinen > nenneswerten Nachteil fürs flüssige Schreiben darstellt. > Wenn es z. B. möglich wäre auf ein angeschlagenes Mod3_rechts > gefolgt von uiaeo die Zeichen üßäéö und auf ein angeschlagenes > Mod3_links gefolgt von uiaeo die Zeichen ÜẞAÉÖ zu erzeugen, dann kann > nicht allen Ernstes an einer sehr guten Alternative gezweifelt werden. > Für den Zweck wäre es besser als Diaresis auf Ebene1 einer zu schlecht > erreichbaren Tot-Taste zu legen, die keine dafür wirklich gute Position > erhalten könnte, weil sie alle 6 Ebenen belegt. > Das beschriebene Prinzip halte ich zumindest für vielversprechend genug, > als dass es nicht hinreichend von mehreren Bereitwilligen erprobt werden > sollte oder nur anhand von Vermutungen, Prophezeiungen, > Sich-nicht-zutrauen oder wie auch immer gearteten Vorurteilen den > Mantel des Vergessens umhüllt bekäme. > Bislang gibt Ulf sich als Einziger zu erkennen, der mit alternativen > Eingaben der Umlaute viel Erfahrung hat - allerbeste Erfahrung. > > > Das Problem: > Aus den vorliegenden Erkenntnissen der Hardware-Entwicklung ist sowohl > von den Entwicklern als auch von den an einer Tastatur Interessierten > eine Tastatur mit weniger Tasten erwünscht. Anders wäre es auch Unfug, > sonst könnte man Neo3 gleich auf eine Kompakttastatur für eine Cherry > G84-4100er-Serie oder die zweiteilige Kinesis freestyle optimieren > (könnte sinnvoll sein). > > Es ist allgemein bekannt, dass Standardtastaturen eine inzwischen viel > zu hohe Tastenanzahl haben, weshalb deren Erreichbarkeit von > der Grundposition ausgehend teilweise ergonomisch unvertretbar ist. > > So wie ich es auffasse, scheint die Notwendigkeit zu bestehen, Neo3 mit > weniger belegten Hauptfeldtasten umgesetzt zu bekommen. Bei Auslegung > von Neo3 auf zu viele Tasten, befürchte ich große Schwierigkeiten, Neo3 > auf einer ergonomisch vertretbar gut optimierten Hardware-Tastatur (mit > weniger Tasten) übertragen zu bekommen. > > Es kommt nicht auf den Buchstabenblock allein an. Auch > Ebene1-Funktionen für Enter und Backspace sollten besser erreichbar > sein. Neo3 bringt mit den Modifiern neue Funktionen, für die auf der > Standardtastatur keine Tasten vorgesehen sind. Allein deshalb läuft es > bereits auf die Verringerung der Buchstabentasten auf dem Hauptfeld > hinaus. > > Die Diskussion über die Positionierung der Modifier weist schon jetzt in > eine vielversprechende Richtung. Jedoch kann es dabei auf weniger > Buchstabentasten hinauslaufen. Dass die Buchstabentasten unbedingt als > Block zusammenliegen sollen (fürs Erlernen vielleicht (nicht sicher) > sinnvoll; einmal erlernt, ist es überflüssig), erschwert das Belegen. > Punkt und Komma sollte man nicht allen Ernstes für ein > unterzubringendes selteneres äöüßj ofern. Eher gehörten zudem " und - > auf eine bessere Ebene1-Position des Buchstabenblocks. > > Neo2 sieht nicht danach aus, als wäre die zu hohe Tastenanzahl einmal > Thema gewesen. Vielleicht kann das Problem bei Neo3 überdacht werden. > > Wie soll eine Tastatur ergonomisch belegt werden, die zu > viele Tasten hat, d. h. mit teils ergonomisch unvertretbar schlechten > Erreichbarkeiten? > Man kann die Grundposition der rechten Hand um > eine Taste weiter nach rechts legen. Dabei müssen unbedingt bestehende > "Standard"-Tastaturen mit geteiltem Tastaturfeld berücksichtigt werden. > Die andere Möglichkeit besteht im Verringern der Buchstabentasten. > > Unter den Buchstaben, die keine eigene Taste haben müssen, kommen > insbesondere die Umlaute in Frage, weil sie mittels Toter Taste > sinnvoll erzeugbar sein dürften und das ß, weil es selten vorkommt. > Dazu jedoch müsste mindestens eine Tot-Funktion an gut erreichbarer > Stelle stehen, wobei dafür Ebene1 genügt (eine 6-ebenige Tot-Taste > könnte an so einer Stelle die anderen Ebenen stören). > Das j wäre der naheliegenste Buchstabe, der keine eigene Taste haben > muss, da insgesamt selten, und wenn, dann häufig an Wortanfängen. > Allerings ist j kein sprachliches Sonderzeichen. > > ============ > > Das mit den Häufigkeiten möchte ich genauer wissen. Daher ein Versuch, > die Häufigkeitssumme sprachlicher Sonderzeichen für Französisch, > Spanisch, Deutsch und Italienisch (¹): > > Französisch > Éé 2,349 % > Àà 0,476 % > Èè 0,362 % > Çç 0,066 % > Ââ 0,060 % > Ôô 0,048 % > Îî 0,046 % > Ûû 0,038 % > Ùù 0,037 % > Ïï 0,024 % > Œœ 0,016 % > Ëë 0,012 % > Êê 0,003 % > Summe: 3,537 % > > Spanisch > Íí 0,806 % > Óó 0,629 % > Áá 0,431 % > Éé 0,347 % > Ññ 0,271 % > Úú 0,110 % > Üü 0,005 % > Summe: 2,599 % > > Deutsch (Leipziger Textkorpus (332 Millioen Zeichen)) > Üü 0,556 % > Ää 0,483 % > Öö 0,218 % > ß 0,193 % bis 0,133 % (Neue Rechtschreibung) > Summe: 1,450 % bis 1,391 % > > Italienisch > Èè 0,246% > Àà 0,212% > Òò 0,100% > Ùù 0,081% > Ìì 0,072% > Éé 0,030% > Óó 0,001% > Summe 0,742% > > > Laut Institut für Deutsche Sprache beträgt die Häufigkeit von > fremdsprachigen Sonderzeichen in deutschsprachigen Texten 1,758 % > (11-Mrd.-Zeichen-Korpus), d. h. sie kommen häufiger vor als die > deutschsprachigen Sonderzeichen ÄäÖöÜüß (insbesondere seit die Neue > Rechtschreibung das ß erheblich verringert). > (In den drei anderen Sprachen kommen fremdsprachige Sonderzeichen > viel häufiger vor als im Deutschen.) > > Bei der Häufigkeitssumme der sprachlichen Sonderzeichen liegt das > Deutsche nicht gerade hoch. > > Daraus folgere ich, dass es sinnlos ist, die Häufigkeiten von > sprachlichen Sonderzeichen zusammenzufassen. Vielmehr wird jedes > einzeln betrachtet werden müssen. > > Wo es für üä vielleicht noch nachvollziehbar erscheinen kann, eigene > Tasten zu belegen - bei guter Tot-Funktionslage (erst recht bei gut > gemachtem Quick-Tot) bezweifle ich das immer noch-, sind eigene Tasten > für ö, aber ganz sicher für ß kaum vertretbar, zumal " und - aufgrund > ihrer Häufigkeit eher auf Ebene1 gehören können als öß. > > Vom Prinzip her weist das das Erzeugen von Umlauten mittels > Tot-Funktion eine hohe Ähnlichkeit zum Erzeugen von Großbuchstaben auf. > Für Großbuchstaben muss erst eine Taste heruntergedrückt werden, bevor > die Buchstabentaste betätigt wird. Bei Tot wird die erstere Taste nur > angeschlagen. > > Mit netten Grüßen > Karl
