>> Was soll man stattdessen tun? Es ist besser, Erkenntnisse aus den 
>> Vrijbuiter-basteleien zu Kenntnis zu nehmen, und sie in die 
>> Optimierungsalgorithmen einfließen zu lassen.

> Ein Teil des Gebastels (Kollision «ph» eliminieren, Punkt und 
> Komma tauschen) würde vielleicht mit einem anderen Korpus nicht 
> nötig sein. Ansonsten ist es schwierig: Ich sehe nicht, wie ich das 
> Gebastel (zum Beispiel den Spaltentausch) abstrahieren und in 
> Bewertungskriterien übersetzen kann. Andere Einzeltastengewichte?

Nein, nein, ich sehe das schon. Die Frage musste ja kommen.
Punkt und Komma ist ja kein Problem, sie werden in der letzten 
Minute sowieso immer getauscht, egal, wo sie liegen.

Ich habe andere Einzeltastengewichte probiert, und zwar:

2 1 1 1 2   2 1 1 1 2 3
1 0 0 0 1   1 0 0 0 1 3
4 3 3 3 4   4 3 3 3 4

um dem Programm mehr Freiheit zu geben und mehr Möglichkeiten zu
bekommen. das hat aber keinen Sinn, wenn ich nur zwei Größen
optimiere. Für einen Optimierer mit vielen Faktoren kann das aber
Bedeutung haben. Der Gedanke geht dabei in die Richtung, dass
die Lagepunkte nichts darüber sagen, wie wir die Tasten bewerten,
sondern dem Optimierer lediglich mitteilen, in welcher Reihenfolge
wir die Tasten belegt sehen möchten.

Ein weiteres Mittel wäre, außer alles auf Kleinschreibung zu setzen,
sämtliche Bigramme zu entfernen, die Komma und Punkt enthalten und
Komma und Punkt bei den Lagepunkten mit 0 % Häufigkeit zu versehen,
also schlicht diese zwei Zeichen zu ignorieren. Das bewirkt aber,
dass sie immer die schlechtesten Tasten bekommen, was unrecht ist.
Werden sie mit ihrer tatsächlichen Häufigkeit, aber ohne Bigramme
gezählt, bekommen sie Dvorak-ähnliche Plätze. Ich glaube, dass er
sie nicht in den Bigrammen mitgezählt hat. Falls er überhaupt
Bigramme verwendet hat.

Man muss aber nicht jetzt alles übersimplifizieren. Die obigen
Methoden glaube ich, sind Desperadomethoden, die man machen kann,
wenn gar nichts mehr geht.

Der Spaltentausch ist nur mit einem Mittel in den Griff zu kriegen,
und das ist, was ich selber gemacht habe. Ich habe E und N auf die
Mittelfinger gelegt und S auf den Kleinfinger und die wurden dann
in den Optimierroutinen nicht mehr getauscht. Dabei sägt man sich
aber unheimlich viel Ideen ab und es geht viel flöten. Das habe ich
zwar so gemacht, soll nicht unbedingt eine Anregung sein. Das
Würfelprogramm, das Tastaturen randomisiert, habe ich dann alle
andere Buchstaben mischen lassen, und dann E, N und S dahin gelegt.
Es fällt mir nichts anderes ein, denn die Punktevergabe ist auf
beiden Händen, bei mir jedenfalls, für Mittel- und Ringfinger
Identisch. Nur eben die Ein- und Auswärtsbewegungen werden davon
betroffen, wenn man sie umtauscht.

In der Regel war es aber nicht notwendig, das Würfelprogramm
einzusetzen. Ich habe einfach die alte Belegung als Grundstoff
eingegeben und sie dann durch Mutationen vervielfacht und 
durch die Evolution geschickt. Die Erfahrung zeigt dann, dass die
zentralen Buchstaben sich meistens nicht mehr bewegen. Wie ich schon
vorher irgendwo geschrieben habe. So brauchte ich mir keine 
Gedanken zu machen.

Zurück zu den gewonnenen Erkenntnissen aus der Bastelei:
Ich habe den ganzen Tag darüber nachgedacht. Die Analyse, die ich 
nachher gemacht habe, also der „tatsächlichen Schreibtätigkeit“ und
so weiter, ergibt ein Ergebnis, dass nur gaanz wenig weniger
Buchstabenkombinationen als Nordtast hat. Ich habe mir sie alle 
durchgesehen und sie sind praktisch identisch mit denen von 
Nordtast.

Ich nehme also erstmal meinen Verdacht zurück, dass diese
Vrijbuiter-Idee jetzt ganz besonders bequem ist. Was geschafft ist,
ist die Einwärtsbewegungen zu erhöhen. Das ist an sich angenehm
und kann beim Tippen mit dieser Tastatur direkt so gespürt werden.
Vielleicht hat die Einwärtsbewegung eine eigene Berechtigung
außer der Muskelergonomie bei mechanischen Schreibmaschinen.

Ich weiß nicht, wie viel Einwärtsbewegungen, man schafft, aber ich 
schätze, dass mehr als 2/3 wohl nicht drin ist, man wird wohl meistens
bei 60% oder so landen. Dvorak auf Englisch hat ein:aus = 10:15,
Vrijbuiter 10:18. Auf Deutsch.

Ich habe auch nie 
Handwechsel gesehen, der viel über 70% geht. Hier hat man also
wahrscheinlich ein Optimum erreicht.

Wenn bei dieser Tastatur schon alles optimiert ist, was fehlt noch 
dazu, dass sie noch ultrabequem wird?

In meinem Hinterkopf spukt immer noch die „Autobatterie“, die Wolf
mit NordTast geschrieben hat. AU ist eine Schrägfolge auf den
zwei kleinen Fingern, TO eine Schrägfolge auf den starken Fingern.
Ich kann sie mühelos bewältigen, als geübter Musiker, aber es mag
Leute geben, die das als nicht so wünschenswert sehen. BA ist
angenehm zu tippen, AT auch, TE und IE geht.

Auch hier hatte ich nachgeschaut, was die Vrijbuiter-Belegung
tatsächlich für Buchstabenkombinationen zu Tage fördert. Es sind
genau so viele und genau so häufige Ringfinger-Kleinfinger-
Kombinationen drin wie bei NordTast.

Bisher habe ich den Gedanken an Strafpunkte für benachbarte Tasten
abgewiesen unter Verweis auf Muskelkraft und Anatomie und
mechanische Schreibmaschinen. Es mag aber sein, dass es selbst
auf einer Computertastatur ein bisschen weniger fummelig ist,
wenn man eine Taste häufiger überspringt. Ich bin ja immer noch
sehr von Dvorak überzeugt und es ist mir weiterhin ein Rätsel,
warum diese Tastatur so bequem ist, obwohl die Hand sich ja ziemlich
viel bewegen muss.

Man kann diese Optimierung auch übertreiben zu Lasten der 
Lagepunkte. Auf Englisch hat die Qwerty 292 Lagepunkte 
(meine Rechnung) und Dvorak 164. Auf Deutsch hat Dvorak 169 
Lagepunkte (mehr Buchstaben). So hoch werden wir aber 
wahrscheinlich selbst bei fanatischer Bestrafung von Nachbarn
nicht kommen. Da die Hand sich bei Dvorak doch recht viel bewegt,
nehme ich an, dass man an Lagepunkten nicht viel mehr als 160
akzeptieren kann, jedenfalls nicht ohne gute Argumente zu haben.

Mir schwebt so etwas vor, wie Strafpunkte zu vergeben bei allen
Bigrammen, die aus Kleinfinger und Ringfinger (viel Strafe) oder
Ringfinger und Mittelfinger (wenig Strafe) bestehen. Bigramme 
aus Zeige- und Mittelfinger könnte man ignorieren. Dann den
Optimierer laufen lassen mit starker Strafe für diese Dinge, und
dabei alles andere belassen, wie es jetzt ist. Das gibt kaum
zusätzliche Rechenaufwand. Das würde bedeuten, dass 18 Tasten
straffrei rausgehen und 12 mit Strafe belegt werden. In dieser
Proportion dürfte die Maßnahme modellierende Wirkung haben.
Je nach Dosis natürlich. Sollten die Lagepunkte zu sehr
ansteigen, würde ich die Auswärtsbewegungen ein bisschen
weniger bestrafen.

Die PH-Verbindung ist wohl nur durch eine Beimischung von Englisch
im Textkorpus beizukommen. Zum Prozentanteil kann ich nicht viel
sagen, mehr als 30% ist wohl kaum vertretbar. Aber Verbindungen,
mit denen es früher Ärger gegeben hat, sind auch LY und TH. Sowas
kriegt man nur durch die Korpuswahl weg. Anders geht das nicht.

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Wenn man aber Einwärtsbewegungen bevorzugt und Randnachbarschaft
bestraft, dann kann man nicht mehr nach der Optimierung Finger
umtauschen.

Ulf


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