Hallo. Am 22.03.2012 12:27, schrieb Thomas Leske: > Der Staat hat nicht die Aufgabe sicherzustellen, dass ein > Geschäftsmodell funktioniert.
Wir leben in einer Marktwirtschaft. Dass der Staat aktiv ein Geschäftsmodell am Leben hält ist eigentlich die Ausnahme. Die Aufgabe des Staates ist es, die Praktiken zu unterbinden die in besonderem Maße schädlich für die Gesellschaft sind. Und so lange niemand gezwungen wird, bestimmte Produkte einzusetzen sehe ich da nicht die erforderlichen Gründe für ein Verbot. > In einer Marktwirtschaft gibt es außer der Vertragserfüllung keine > "wirtschaftliche Pflicht". Ein Bäcker hat nicht die Pflicht, die > Bevölkerung mit Brot zu versorgen, sondern darf seinen Laden jederzeit > schließen. Ein Unternehmen (spätestens als Aktiengesellschaft) hat eine Verantwortung seinen Eigentümern gegenüber. Und die wirtschaftliche Pflicht besteht darin mit möglichst geringem Einsatz möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Das hat überhaupt nichts mit staatlich auferlegten Pflichten zu tun sondern macht nur deutlich dass es ganz klar diese Bestrebung gibt und (in einer Marktwirtschaft) immer geben wird. Wie gesagt: Ob man das jetzt für sich gut findet oder ob man diese Unternehmen unterstützt, steht auf einem ganz anderen Blatt. > Genaugenommen hat natürlich kein Softwarehersteller ein Monopol. Nur die > Markteintrittsschranken liegen sehr hoch. Statt "study and adapt to your > needs" heißt es dann "start from scratch". Genau. Aber das ist keine Besonderheit der Software-Sparte und funktioniert doch in den meisten Wirtschaftsbereichen so. Willst du ein Wörterbuch schreiben? Dann musst du vermutlich bei Null anfangen weil du nicht auf dem Duden aufbauen darfst. Der Vorteil bei Software gegenüber z.B. dem Maschinenbau ist doch, dass du an die elementaren Grundlagen (Programmierkenntnisse) frei herankommen kannst und die benötigten Geräte einen überschaubaren Preis kosten. Es sind eine große Zahl von Compilern, Programmierumgebungen und auch fertige Software-Biliotheken frei verfügbar. Es kann dich niemand effektiv daran hindern eine freie Alternative zu jedem gewünschten Stück Software zu schreiben. (Patente mal außen vor gelassen.) >> Wichtig ist doch nur, dass die Menschen diesen Umstand erkennen und sich >> dann bewusst gegen Produkte solcher Hersteller entscheiden können. > > Wenn es keine Freie-Software-Lösung gibt, werden 99% der Menschen an > sich denken und zur unfreien Software greifen. Wäre unfreie Software > verboten, könnten theoretisch 100% der potentiellen Kunden > zusammenarbeiten, um eine Freie-Software-Lösung zu erstellen. Gut, ein staatliches Verbot unfreier Software geht für meine Überzeugung zu sehr in den Bereich "unrealistischer Kommunismus". Es wäre doch schon viel gewonnen wenn die Gelder aller öffentlichen Haushalte die jährlich für z.B. MS-Office ausgegeben werden in fähige LibreOffice-Entwickler investiert würden. Warum kann es Hersteller geben, die nur proprietäre Amts-Software erstellen? Warum verlangt der Staat nicht, dass diese Software freigegeben wird? Warum kann es sein, dass die Bundesfinanzverwaltung eine öffentliche Programmier-Schnittstelle anbietet, die aus Prinzip nicht mit freier Software zusammenarbeiten kann? Dazu braucht es wirklich kein Verbot sondern nur eine konsequente Gangart der Politik bzw. eine Dienstanweisung. Mir sind die Ausgaben die die öffentlichen Haushalte tätigen sehr wichtig, staatliche Regulierung des Marktes halte ich aber für den falschen Weg. Ich fand das Verfahren EU gegen Microsoft eigentlich auch herzlich peinlich unter der Sichtweise dass vermutlich über 90% der EU-Parlamentarier damals mit genau dem beanstandeten Produkt (Internet-Explorer) gearbeitet haben. Gruß, Bernd -- Skeptiker sind jene Menschen, die einfach nicht an die friedliche Nutzung der Atombombe glauben wollen. - Werner Mitsch (dt. Aphoristiker)
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