Liebe Sari und liebe Valie, liebe alle,

Leider hab ich heute Abend einen wichtigen Termin, der schon lang
fixiert ist und kann nicht zu dieser Diskussion kommen.

Deshalb ein paar Bemerkungen:

Ich finde die Entwicklung bedauerlich. Es ist leider richtig, dass
Netznetz die Herausforderung einer wirklichen Selbstverwaltung in den
letzten Jahren nicht bewältigt hat. Aber es waren doch wertvolle Ansätze
da. Und all das an Kommunikation und Auseinandersetzung, an
Gedankenaustausch und Anregung wird offenbar weder von der Stadt noch
von der Community selbst als Wert gesehen. Das ist schade, denn die
geforderte Selbstverwaltung kann nicht von wem immer auch im Nichts
aufgesetzt werden. Sie braucht eine Basis, die wachsen muss. In diesem
Sinn möchte ich Sari und Valie für ihr Engagement danken - was immer
daraus wird. 

Eine Selbstverwaltung muss auch eine Klärung darüber herbeiführen, wer
dieses Selbst ist, das sich verwaltet. Dieser Prozess wurde bisher aus
meiner Sicht nicht zuletzt dadurch behindert, dass seine Schwierigkeit
und sein innovativer Charakter von den meisten Akteuren nicht erkannt
wurde, sondern dass da verbal so herumgefuhrwerkt wurde, als wäre das eh
eine ganz einfache Sache und nur der Nebenakteur würde sie blockieren.

Natürlich ist auch aus meiner Sicht die ganze Bandbreite digitaler
Kunst, Netzkunst, Netzkultur, digitaler Kultur, neuen Medien und was
immer noch in diese Felder hineingehört wichtig. Mit einer Beschränkung
auf "digitale Kunst", die jetzt daher kommt, wird die Stadt jedenfalls
ihren "Innovationsschub" nicht erreichen...

Ich sehe genau wie Peter das Auseinanderdividieren der Bereiche
kontraproduktiv. Wichtig ist, dass Interessantes und Weiterführendes
entsteht. Und das entsteht gerade dann, wenn die einzelnen Felder nicht
getrennt oder gar unterdrückt werden, sondern gegenseitige Anregung
möglich ist - und auch angenommen wird. Allerdings ist es eine
Herausforderung, mit der Unterschiedlichkeit der Bedürfnisse und
personellen Repräsentanz dieser Felder so umzugehen, dass sie alle in
ihrer Entwicklung wirklich unterstützt werden. 

Was ich aber vor allem bei Netznetz problematisch sehe, ist diese
ausschließliche Fixierung auf die Stadt Wien (gerade im Netzbereich
eigentlich lächerlich) und ihren für die Größe der Szene viel zu kleinen
Fördertopf - wenn diese eben nicht nur aus ein paar Leuten bestehen
soll, sondern beansprucht, wirklich repräsentativ zu sein. Dadurch kommt
diese peinliche Zwiespältigkeit zustande: verbal wird so getan als ginge
es darum, eine Community der Netzkultur und Netzkunst zu etablieren, de
facto aber geht es dann doch nur um die Kohle der MA7 für den jeweiligen
Akteur.

Es fehlt 
- die inhaltliche Diskussion
- der Aufbau von Community-Kontakten zur Wirtschaft
- Kontakte und Kontaktpflege zur EU 
- und Projekte mit den Universitäten 

Es wäre also toll, wenn Ihr Euch heute nicht wieder gegenseitig
beschuldigen und zerfleischen würdet, sondern der Wille zu einer echten
Communitybildung (die auch Regeln und Klärung, wer zu ihr gehört,
braucht - denn sonst ist es keine) da wäre. Denn nur eine solche kann
die erwähnten weiteren Ziele angehen - und wäre auch der Stadt gegenüber
ein ernster zu nehmendes Gegenüber.

Leider kann ich eben nicht dabei sein.
Ich wünsche auch alles Gute und bin neugierig auf das Ergebnis des
Abends.

Herzliche Grüße
Helga




-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: [EMAIL PROTECTED] [mailto:[EMAIL PROTECTED] Im
Auftrag von Peter Kuhm
Gesendet: Dienstag, 13. November 2007 16:03
An: [email protected]
Betreff: Re: [netznetz.net] mittwoch arbeitsgruppen arbeitsweise

On Tue, 13 Nov 2007 15:33:41 +0100 das ende der nahrungskette wrote:

> die stadt dreht uns die kohle ab und stellt 
> grossteils auf jury um, und schon gibts wieder die boesewichte.
> und bitte warum? und bitte wie? weil wir alle 
> juror/innen schon jetzt bestochen haben?

ich zitier da mal eine Mail die ich heute morgen anderswo hingeschickt
hab:

--- snip ---
> Finde ich gut, wenn neutrale, weise Leute iin der Jury sitzen. :)  

die Neutralitaet halte ich in dem Bereich fuer eine recht Relative und
die
paar Namen die in der Vergangenheit von manchen fuer so eine Jury
aufgepoppt
sind, waren zwar augenscheinlich Verdienstvolle in ihrer speziellen
Sparte
aber beeindrucken mich wenig, wenn es um Bewertung anderer Sub-Genres
und
lokalem Kolorit geht - insbesonders wenn dafuer ein Haufen Geld
aufzuwenden
ist.

Fuer die veranschlagten 20.000 Jury- und
Community/Beteiligungs/Illusions-
Euronen koennte man zB auch einer aus 200 Leuten bestehenden Szene
jeweils
einen Hunderter p.a. ohne jede Bedingung in die Hand druecken und
schauen
ob sich vielleicht Allianzen finden die zu weiteren netten Projekten
fuehren.
Schon klar, dass das so direkt nicht gehen wuerde, aber ich will nur
darauf
hinweisen, dass die zunehmenden Administrationskosten die man ja nur in
Kauf
genommen hat um eine echte Community-Entscheidung herbeizufuehren
scheinbar
darin muendet, dass die Sache teurer und langwieriger wird als wenn das
gleich die dafuer von der Stadt installierte Buerokratie machen wuerde.

> Intreressant finde ich die Auftrennung "digitale Kunst" und "digitale
> Kultur" - gabs eine ähnliche Einteilung bis dato auch?  

frueher hiess das sogar "Förderung für Neue Medien"
vgl. http://web.archive.org/web/*/http://www.wien.gv.at/ma07/neuemed.htm

aber "die Kuenstler" glaubten durch die Kristallisation der Communities
wuerde der vermeintlich ihnen allein zustehende Topf gepluendert. Ich
hab da wiederholt darauf hingewiesen, dass darunter eben nicht nur die
holde Kunst darunter zu verstehen ist (und auch nie war)
s.a. http://listen.esel.at/pipermail/liste/2006-June/003932.html
 
Immer wieder haben manche Netznetzler bemaengelt, dass es keine klaren
Definitionen von Netzkunst und Netzkultur gibt. Mit persoenlich geht das
am A vorbei, solange Interessantes entsteht und das Geld nicht irgendwo
ohne breiterem Nutzen hinversickert.

> > ... hast Du denn nicht das Mail davor
> >   http://listen.esel.at/pipermail/liste/2007-November/007162.html
> > auch gelesen? Und seinen Anhang
> >
> > FÖRDERUNG DER DIGITALEN KUNST ab 2008 - final.doc
> >
http://listen.esel.at/pipermail/liste/attachments/20071112/ff8fbb44/atta
chment-0001.doc

> > > > es scheint, dass die stadt einen grossteil der selbstverwaltung
von
> > > > netznetz abgeschossen hat.  
--- snap ---

cu,
Peter
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