Ich wiederhole mich ungern, aber -
du bist nicht nur ein bürgerlicher Romantiker, bestenfalls ein
Individualanarchist, sondern eben auch ein 'alter Herr' ohne Zukunft,
der seine verlorene Jugend in der Zuflucht bei den verstaubten
Klassikern sucht: Le mort saisit le vif!
Deine unkritische Verherrlichung des 'Comandante' zeigt mir bloss,
dass die zeitgenössischen linken Diskurse um Herrn Ernesto Guevara,
etwa die immer noch aktuellen Rassismus-Debatten im Gefolge der sog.
"Kongo-Tagebücher" (dt. 2000) offenbar spurlos an dir vorbeigegangen
sein dürften.
Aber da Systemtheorie bekanntlich das einzige epistemologischem
Werkzeug in deinem Repertoire ungezielter politischer Rundumschläge
ist, lass mich dich bloss beruhigen und dir hiermit kurz bestätigen,
dass Systemtheorie fraglos in der Lage ist, neben Rechtspositivismus,
Naturrechtstheorie, Vertragstheorie, Institutionalismus und
Formalismus gewisse Aspekte neuer Herrschaftsmodelle als dynamische
und flexible Systeme - mithin: hybride Strukturen - etwa zur
Erzeugung von Legitimität zu beschreiben. Vom Formalismus zB kommt
die logische Erweiterung dessen, was die Systemtheorie
funktionalistisch begründet und einordnet, nämlich den
Totalitätscharakter des gesamten Prozesses.
Um jedoch diskursiv anschlussfähig zu bleiben, müsstest du allerdings
deine Hausaufgaben machen: leider fehlt mir in den nächsten Wochen
die Zeit, um dir Gratis-Nachhilfe in zeitgenössischen politischen
Theorien, insbes. jenen, welche die revolutionäre gesellschaftliche
Umgestaltung zum Thema haben, zu geben, da ich bis 15. Dez nahezu
jeden Tag ausgebucht bin.
Obwohl du geistig nicht mehr besonders flexibel zu sein scheinst und
das Neue fürchtest und meidest, könntest du von mir trotz deinem
fortgeschrittenen Alter gewiss nicht bloss lernen, wie du ein echter
Revolutionär, sondern darüber hinaus (obzwar als Spätblüher) auch
noch ein Mann wirst.
Wir nehmen uns nach den Feiertagen etwas Zeit dafür - abgemacht?
Quemada,
Stefan
Am 13.11.2007 um 00:16 schrieb FER:
ungeachtet der empfehlung von Paul Boehm...
At 16:25 12.11.07 +0100, Stefan Lutschinger wrote:
.................................................
John Holloway (* 1947 in Dublin) ist Politikwissenschaftler. Er
lehrt seit 1993 an der Benemérita Universidad Autónoma de Puebla
(BUAP) in Puebla/Mexiko. In seinen Veröffentlichungen greift er
zurück auf verschiedene unorthodoxe neomarxistische
Theorietraditionen, wie den italienischen Operaismus oder die
Kritischen Theorie, und interpretiert diese zum Teil neu bzw.
entwickelt sie weiter. Seine Interpretationen dieser Theorien
zeigen auch einen starken Einfluss der Bewegung der Zapatistas in
Mexiko. Ihre Ablehnung der staatlichen Macht und ihr Verständnis
von Theorie, welches sich in dem Satz "preguntando
caminamos" (fragend gehen wir voran) zusammenfassen lässt, und den
Holloway immer wieder zitiert, gab seiner Arbeit den
entscheidenden Schliff und daher rührt auch seine breite Rezeption.
zuerst muss mensch in der lage sein, soweit wie moeglich am
aktuellen ausdifferenzierungsstand des wissens ansetzen zu koennen.
und ein solcher wird dir sagen - Lutschinger: egal wie sehr ich
auch denkfiguren schaetze, die fuer (neo)marxistische
theorietraditionen stehen, wie auch die damit verbundene aber
dogmenueberschreitende und mithin facettenreichere Kritische
Theorie - ABER diese theorien ´bewegen´ sich weit unter dem
aggregatsniveau jener theoriewerkzeuge, die in stringenter weise in
der lage sind, zusammenhaenge in komplex-dynamischen, also nicht-
trivialen situationsbedingungen in einer heute polykontexturalen
welt-gesellschaft darzustellen und zu analysieren.
und ich werfe dir mal einen knochen (gegenueber feinden gilt
gnadenlosigkeit):
wenn du verstanden hast, dass gesellschaft ´beobachtungen´ nur in
der form von ´kommunikation´ taetigen kann, also nicht in der form
von bewusstseinsinternen operationen und vor allem nicht in der
form von wahrnehmungen(!) und das ´beobachten zweiter ordnung´ mit
seiner semantik, seinen eigenwerten der kontingenz, methodologisch
gesprochen also eine intervenierende variable ist - dann bist du
schon ganz nah dran.
cheers - und feier dich als einen der totengraeber von
netznetz.net, neben den kerntruppen von team teichenberg und
monochrom.
denn ein netznetz.net, dass sich ´von unten´ formiert haette und
als ein ´selbst´ anstatt als lakaienriege aufgetreten waere,
haette zumindest voraussetzungen gehabt, um sich als ein
tatsaechlich partizipatives projekt zu realisieren. ich war immer
gegen jury.
und bleib dabei: fickt...................
fer
At 16:25 12.11.07 +0100, Stefan Lutschinger wrote:
Am 09.11.2007 um 23:56 schrieb FER:
deine mails zeigen vor allem ein uebermass an
selbstwertunsicherheit, indem du krampfhaft bemueht bist, hier
einen fight zwischen jung und alt zu suggerieren. ein versuch der
nur klaeglich scheitern kann, zumal du mit untauglichen ´waffen´
(wie schon gehabt) aufkreuzt:
es ist im Grunde unmöglich mit jemandem über linke politische
Theoriekonzepte zu diskutieren, der die aktuellen politischen
Diskurse der Linken - Toni Negri/Michael Hardt, John Holloway,
Giorgio Agamben - nicht intus hat.
es waere ueberzogen, alles so einfach runter zu machen, aber
gerade diese referenzen bzw. ihre elaborate stehen bei mir schon
ganz nah am altpapiercontainer. mit philosophen-quatsch laesst
sich laengst keine gesellschaftliche analyse mehr machen - sowas
beeindruckt nur naive menschen, wie die vermachteten netznetler.
Wie gesagt,
du bist zu keinem politischen Diskurs mündig.
Der "Philosophen-Quatsch" (besser: aktuelle linke Theorien der
gesellschaftlichen Umgestaltung), den du hier mit der pathetischen
Geste eines Stammgasts kurz vor der Sperrstunde wegzuwischen
versuchst, bildet einfach die Grundlage der zeitgenössischen
linken Diskurse und Praxen - siehe zB John Holloway und die
Zapatistas *)
Holloways "Die Welt verändern ohne die Macht zu übernehmen" (2002)
bspw. IST "Guerilla Warfare" von heute, und der
antiimperialistische Kampf im Kuba der 50er findet - um beim
Beispiel zu bleiben - etwa in Chiapas, Oaxaca und Mexico City
statt, ungeachtet dessen, ob und wieviele polternde Mails du an
die NetzNetz-Liste schickst, in denen du Gegenteiliges behauptest.
Der "Fight" läuft also mitnichten zwischen jung und alt, sondern
vielmehr zwischen Vergangenheit und Gegenwart ab - und deine
Positionen haben mangels Realitätsbezug keine Zukunft, soviel ist
sicher.
Ciao,
Stefan
.............................
*)
John Holloway (* 1947 in Dublin) ist Politikwissenschaftler. Er
lehrt seit 1993 an der Benemérita Universidad Autónoma de Puebla
(BUAP) in Puebla/Mexiko. In seinen Veröffentlichungen greift er
zurück auf verschiedene unorthodoxe neomarxistische
Theorietraditionen, wie den italienischen Operaismus oder die
Kritischen Theorie, und interpretiert diese zum Teil neu bzw.
entwickelt sie weiter. Seine Interpretationen dieser Theorien
zeigen auch einen starken Einfluss der Bewegung der Zapatistas in
Mexiko. Ihre Ablehnung der staatlichen Macht und ihr Verständnis
von Theorie, welches sich in dem Satz "preguntando
caminamos" (fragend gehen wir voran) zusammenfassen lässt, und den
Holloway immer wieder zitiert, gab seiner Arbeit den
entscheidenden Schliff und daher rührt auch seine breite Rezeption.
http://de.wikipedia.org/wiki/John_Holloway
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