Am 22.10.2008 um 13:31 schrieb Martin Mair:
> auch aus philosophischer Sicht
Hallo Martin,
leider kenne ich weder Voraussetzungen, Rahmenbedingungen,
Durchführung und Ergebnis der letzten Wahl, da ich derzeit
bekanntlich nur sporadisch in Wien bin. Insofern bin ich auf
Informationen angewiesen, die hier über die Liste kommen.
Für mich bleibt Faktum, dass der partizipative Ansatz von NetzNetz
weit über das hinausgreift, was reaktionäre "Kulturpolitiker/innen",
papierhumanistische "Kulturmanager/innen", reaktionäre "linke"
Doktrinäre und fatalistische manichäische rote Puritaner als
"Partizipation" avisieren. Daher finde ich diesen gegen
Basisdemokratie gerichteten Alarmismus inakzeptabel und verwundere
mich ernstlich darüber, warum du unverständlicherweise im selben
Atemzug den "Hegemon" Sylvia Fassl-Vogler hofierst?
Das jetzige Modell von NetzNetz erfüllt - auch Dank der Trennung von
Juryentscheid / Community Voting seit 2008 - alle Voraussetzungen
progressiver Kulturpolitik, die schon Volkskommissar Anatoli
Wassiljewitsch Lunatscharski im Oktober 1920 formuliert hat:
1. Erhaltung der wirklichen Kunstwerte der Vergangenheit.
2. Kritische Aneignung dieser Kunstwerte durch die
proletarischen Massen.
3. Jede erdenkliche Förderung der Schaffung experimenteller
Formen revolutionärer Kunst.
4. Objektive Einstellung zu allen künstlerischen Strömungen.
5. Demokratisierung aller künstlerischen Einrichtungen, die den
Massen auf jede erdenkliche Weise zugänglich gemacht werden müssen.
"Die Kunst selbst ist heute in verschiedene Lager gespalten und eine
Trennungslinie fällt sofort ins Auge (...) Ohne der sogenannten neuen
Kunst Privilegien zu gewähren, sollte man auch weder ein
Kesseltreiben gegen sie veranstalten, wodurch wir uns die Sympathie
von Hunderten junger Künstler verscherzen würden, noch aus ihnen
Märtyrer im Namen ihrer Ideen machen, hinter denen sie fest stehen.
Das wäre völlig vergeblich, ohne jede Notwendigkeit und jeden
Nutzen." A. W. Lunatscharski, Das Rote Neuland, 1921
Das Koordinationsteam geniesst meinen vollen Respekt für seine
Leistungen und hat sich meine Anerkennung erworben.
Doch solange manche Proponent/innen, blind geworden vom langen Kampf,
im Auflehnen gegen oben und auch im Herfallen übereinander, einander
würgen und zerstampfen, die schweren Waffen schleppend, einander
überrollen und zerfleischen, solange sie nicht abliessen von
einander, würden sie die Herkulische Löwenpranke Leo Findeisens
(nomen est omen!) und seines Koordinationsteams nicht sehen, greifbar
für jede/n, sie aber müssen selbst mächtig werden dieses einzigen
Griffs, dieser weit ausholenden und schwingenden Bewegung, mit der
sie den furchtbaren Druck, der auf ihnen lastet, endlich hinwegfegen
können.
Beste Grüsse,
Stefan
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