Zitat von Stefan Lutschinger <[EMAIL PROTECTED]>:

> Am 22.10.2008 um 13:31 schrieb Martin Mair:
>
> > auch aus philosophischer Sicht

auch wenn wir es nicht so eng sehen wollen - nicht der schlechteste ansatz - hi!

und alles was ich und wenige andere in dieser liste seit 2005 zur diskussion
gestellt habe - mit mitteln was immer -, wird mit fortschreiten der zeit
weithin bestaetigt.

"der gerne fuer die gegenwart diagnostizierte paradigmenwechsel im verhaeltnis
zwischen wirtschafts- und rechtsordnung westlicher demokratien besagt, dass
gerechtigkeit und repraesentation als ideale durch die des zugangs und der
partizipation(!) ersetzt worden sind. damit sind die subjekte (ich votiere fuer
den begriff ´beobachter´, auch als reflexiv handelnder) ihrer rueckzugsgebiete
in faulheit, negation, kunst etc. beraubt und haben, wenn sie ueberleben
wollen, keine andere wahl als mitzumachen: bei der netzwerkkultur, dem
konnektivitaetsimperativ folgend, staendig verbunden sein und zur verfuegung zu
stehen - das allein sichert den zugang. mit diesem modell gehen aber auch die
alten demokratischen gueter mit verloren: gleichheit, repraesentiertheit und
verteilungs-gerechtigkeit. diese vorzuege bleiben nur denen, die in jedem sinne
des wortes mitmachen(!). die besonderheit dieser kultur ist, dass sie hier ihre
lebendigkeitspornos(!) beisteuern muss. (...) partizipation ist das neue
spektakel (der autor meint ´spektakel´ im sinne Guy Debords)."

und

"...dislozierung oder dekontextualisierung partizipatorischer prozesse als kunst
(oder verwandter kultureller praktiken - also arbeit im selbstauftrag) ist eng
mit dem kulturellen paradigma des aktuellen kapitalismus verbunden."

Diedrich Diederichsen hat es 2008 pointiert auf den punkt gebracht.

bei allem respekt vor A. W. Lunatscharski, 1920 (steht bei mir schon sehr lange,
etwas verstaubt, im buecherregal)

schauen wir einfach auf gegenwaertige umstaende und bedingungen.

das ende der nahrungskette schrieb:
> anstatt irgendwas konstruktiv weiterzubringen geht wieder der bloede
> verschwoerungsdreck los.

der "verschwoerungsdreck" von dem dieser typ redet, ist der dreck seiner ganz
persoenlichen lebensluege.

cheers,
fer


Zitat von Stefan Lutschinger <[EMAIL PROTECTED]>:

> Am 22.10.2008 um 13:31 schrieb Martin Mair:
>
> > auch aus philosophischer Sicht
>
> Hallo Martin,
>
> leider kenne ich weder Voraussetzungen, Rahmenbedingungen,
> Durchführung und Ergebnis der letzten Wahl, da ich derzeit
> bekanntlich nur sporadisch in Wien bin. Insofern bin ich auf
> Informationen angewiesen, die hier über die Liste kommen.
>
> Für mich bleibt Faktum, dass der partizipative Ansatz von NetzNetz
> weit über das hinausgreift, was reaktionäre "Kulturpolitiker/innen",
> papierhumanistische "Kulturmanager/innen", reaktionäre "linke"
> Doktrinäre und fatalistische manichäische rote Puritaner als
> "Partizipation" avisieren. Daher finde ich diesen gegen
> Basisdemokratie gerichteten Alarmismus inakzeptabel und verwundere
> mich ernstlich darüber, warum du unverständlicherweise im selben
> Atemzug den "Hegemon" Sylvia Fassl-Vogler hofierst?
>
> Das jetzige Modell von NetzNetz erfüllt - auch Dank der Trennung von
> Juryentscheid / Community Voting seit 2008 - alle Voraussetzungen
> progressiver Kulturpolitik, die schon Volkskommissar Anatoli
> Wassiljewitsch Lunatscharski im Oktober 1920 formuliert hat:
>
>      1. Erhaltung der wirklichen Kunstwerte der Vergangenheit.
>      2. Kritische Aneignung dieser Kunstwerte durch die
> proletarischen Massen.
>      3. Jede erdenkliche Förderung der Schaffung experimenteller
> Formen revolutionärer Kunst.
>      4. Objektive Einstellung zu allen künstlerischen Strömungen.
>      5. Demokratisierung aller künstlerischen Einrichtungen, die den
> Massen auf jede erdenkliche Weise zugänglich gemacht werden müssen.
>
> "Die Kunst selbst ist heute in verschiedene Lager gespalten und eine
> Trennungslinie fällt sofort ins Auge (...) Ohne der sogenannten neuen
> Kunst Privilegien zu gewähren, sollte man auch weder ein
> Kesseltreiben gegen sie veranstalten, wodurch wir uns die Sympathie
> von Hunderten junger Künstler verscherzen würden, noch aus ihnen
> Märtyrer im Namen ihrer Ideen machen, hinter denen sie fest stehen.
> Das wäre völlig vergeblich, ohne jede Notwendigkeit und jeden
> Nutzen." A. W. Lunatscharski, Das Rote Neuland, 1921
>
> Das Koordinationsteam geniesst meinen vollen Respekt für seine
> Leistungen und hat sich meine Anerkennung erworben.
>
> Doch solange manche Proponent/innen, blind geworden vom langen Kampf,
> im Auflehnen gegen oben und auch im Herfallen übereinander, einander
> würgen und zerstampfen, die schweren Waffen schleppend, einander
> überrollen und zerfleischen, solange sie nicht abliessen von
> einander, würden sie die Herkulische Löwenpranke Leo Findeisens
> (nomen est omen!) und seines Koordinationsteams nicht sehen, greifbar
> für jede/n, sie aber müssen selbst mächtig werden dieses einzigen
> Griffs, dieser weit ausholenden und schwingenden Bewegung, mit der
> sie den furchtbaren Druck, der auf ihnen lastet, endlich hinwegfegen
> können.
>
> Beste Grüsse,
> Stefan
>
> _______________________________________________
> netznetz.net mailing list
> [email protected]
> http://listen.esel.at/mailman/listinfo/liste
>


_______________________________________________
netznetz.net mailing list
[email protected]
http://listen.esel.at/mailman/listinfo/liste

Antwort per Email an