alles bestens Stefan L. -
du machst dich ans packen - und ich muss bald ausser haus, um auf einem
symposium zu referieren. und schon wartet auch arbeit fuer Berlin.
kurzum - wir haben doch echt besseres zu tun, als uns HIER - auf dieser liste -
abzulabbern. mein - und nicht nur mein - befund zu diesem typischen wiener
schmalz namens netznet ist doch inzwischen bekannt.
wuensche dir gute reise und gutes gelingen fuer all deine unternehmungen -
cheers,
fer
und nicht vergessen: fuckkkkkkkkk Q21 und verein fuer medienkulturen!
Zitat von Stefan Lutschinger <[EMAIL PROTECTED]>:
> Hi Fer,
>
> mit Sicherheit werden wir früher oder später zu einer Einigung
> finden, wenn wir weiter differenzieren.
>
> > das "fake participation" keine erfindung des 21. jahrhunderts ist,
> > sondern untrennbar mit der apriorisierung und ideologisierung
> > gesellschaftlicher sachverhalte zusammenhaengt - auch darauf
> > wuerden wir uns nach einer weile einigen koennen.
>
> Lenins Theorie der zwei Freiheiten, der "formalen
> Freiheit" ("Sozialismus durch Demokratie") und der "realen
> Freiheit" (zur Revolution), wurde 1902 entwickelt und ist im
> historischen Kontext zu beurteilen.
>
> In Westeuropa und den skandinavischen Ländern hat die
> Arbeiterbewegung im Gegensatz zur russischen Situation die Parlamente
> - und damit ihre reale "Partizipation" am politischen Geschehen - auf
> legalem Weg erobern können, schlicht weil es Parlamente dort auch
> gab. Die erste Duma wurde erst 1905 (!) nach dem "Petersburger
> Blutsonntag" von Zar Nikolaus II. geschaffen und bloss mit
> Strohmännern beschickt. Daher der Entschluss der russischen
> Sozialdemokraten zur Machtübernahme durch Anwendung von Gewalt im
> Oktober 1917.
>
> > sogenanntes historisches bewusstsein soll schon sein - aber keine
> > naive verklaerung vermeintlich revolutiuonaerer grosstaten, die
> > bloss zum totalitaeren staatsterror gefuehrt haben.
>
> Totalitären Staatsterror gibts selbstverständlich auch ohne
> revolutionäre Grosstaten, wie die Geschichte des 3. Reichs gezeigt
> hat, wir wollen nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten. Bei
> aller Ablehnung des "roten Faschismus", die von dir ins Spiel
> gebrachten Diskurse über Gewalttheorie, Organisation und Soziologie
> des modernen Massenparteiapparats lassen sich ohne rudimentäre
> Kenntnis und das notwenige Verständnis von Lenins Schriften einfach
> nicht diskutieren.
>
> > gerade linke theoretiker/innen werden im ausblick auf
> > linksliberalismus 2.0 (bei der die linken parteien traditionellen
> > zuschnitts - militaerisch organisiert - nicht mehr dabei sein
> > werden) die einstigen signifikanten der revolte, der negation und
> > der widerrede auf ihre brauchbarkeit nach dem ´langen marsch durch
> > die signifikantenketten´ fuer heute infrage stellen muessen.
>
> Meine volle Zustimmung in der Sache, ich bevorzuge jedoch anstatt
> "Linksliberalismus 2.0" das Konzept Dmirty Gloynkos einer 2.
> ("echten") PERESTROIKA ("von unten"), die für die politische Zukunft
> eben noch aussteht. Ein Blick über den europäischen Tellerrand mag
> hilfreich sein, zwei aktuelle, vieldiskutierte Bücher hierzu von
> Boris Kagarlitsky ("The Revolt of the Middle Class (2006), Empire of
> the Periphery: Russia and the World System (2008)") mögen auch den
> österreichischen Diskurs bereichern.
>
> http://en.wikipedia.org/wiki/Boris_Kagarlitsky
>
> Ich muss jetzt langsam packen, morgen gehts über London, nach einem
> Besuch der "Cold War Modern"-Ausstellung im Victory & Albert Museum
> und der "French Connection" Präsentation von Guy Debords "Game of
> War" am Freitag Abend, zurück nach Leningrad wo mich drei komplexe
> Produktionen erwarten, mit einem Abstecher zur "Lens Politika" Mitte
> November im benachbarten Helsinki.
>
> Mit besten Grüßen,
> Stefan
>
>
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> http://listen.esel.at/mailman/listinfo/liste
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