huch. wer das liest ist nicht doof.
*staun* freu* kicher* giggle Am 02.10.2014 um 18:00 schrieb Fausto Maijstral: > Hi Tilman, hi Liste, > > grundsätzlich stimme ich mit Blick auf Spiegel und Co. zu. Nur gebe ich > zu bedenken, dass wir natürlich gern auch Mythisieren. Erstens war der > Code zu Beginn des Netzes noch recht überschaubar. Es gab Perl (1987), > PHP (1995) ein bisschen Netzinfrastruktur (Apache kam 1994 aus dem NCSA > HTTPd) und ein bisschen HTML (1992), JavaScript (1995) oder MySQL > (1994). Damals gab es noch keine elaborierte IDE fürs Web, und nur die > wenigsten beherrschten den AT-Befehlssatz ihres Modems. Wer's konnte, > strickte Code im Ed, Ex, Vi oder Emacs auf 'ner Sun-Sparc-Station in der > Informatik an der Uni. > Wenn man heute eine technikorientierte Arbeit betreut, kein > Programmierer ist, aber ein wenig tiefer als der Apfel-GUI-Klicker > unterwegs ist, fällt auf, was für ein unglaubliches Biotop an > Anwendungen, Frameworks, Bibliotheken etc allein für JavaScript > existiert. Gegen die Infrastrukturen in Werken heutiger Netzkünstler > (die teilweise das tun, was Du forderst, Tilman, nämlich medienreflexiv > die Bedingungen technisch vermittelter Kommunikation ausloten) ist etwa > Jodis Bombenbauplan technisch ein Witz - aber extrem mythisiert. Es > spielt doch genauso wie die heutigen (Selbst)Darsteller mit den > Oberflächen und kratzen höchstens ein bisschen Lack ab, indem sie > HTML-Code zur visuellen Poesie mutieren lassen. Aber mit essentieller > Netzkririk hat das nicht viel zu tun. Ebenso wie ihre Linkspielchen oder > selbst das legendäre "Form Art" von Shulgin. Das will meinen: Nah waren > die einschlägigen Künstler auch damals nicht unbedingt an einer radikal > technikkritischen Position. > Im Gegenteil: Ich behaupte, dass sie eher affirmierend waren. Weil sie > eben nicht anders konnten. Bestes Beispiel ist der Hoax "life_sharing" > der zerodotones. Oder entgegen Herrn Grethers Hymne auf den toywar > sollten doch Wishart/Bochsler ins Rennen geführt werden.[1] Man hat > schon damals gern so getan als ob... Und wir sollten uns hüten, diese > Mythen fortzuschreiben. Vom Hacking eines Hackers waren unsere > geliebtgelobten net.artisten weit entfernt. Und damit Künstlern wie > Rafaël Rozendaal oder Parker Ito näher, als ihnen vielleicht lieb wäre. > Langer Rede kurzer Sinn: Technizität als Essenzkriterium kann keine > argumentative Hilfe fürs Verstehen sein, wenn es um Parallelen zwischen > Gestern und Heute geht. Eher die Absenz des Könnens und Wissens um sie. > > Übrigens sollte man sich über die Spiegels ansonsten keine großen > Gedanken machen. Olia Lialina und Co. schaffen es, auch ohne Mainstream > zu werden, in Ausstellungen, wie das gigantische > Barbican-Digital-Revolution Projekt zeigte.[2] Every dog has its day... > > Gruß, F. > > [1] Adam Wishart, Regula Bochsler: Leaving Reality Behind. etoy vs. > eToys and other battles to control cyberspace. New York (Harper Collins) > 2003. > [2] S. > http://www.barbican.org.uk/digital-revolution/exhibition-and-events/participants/. > > Am 29.09.2014 um 14:52 schrieb Tilman Baumgärtel: >> Es ist eher der Rest des Kunstbetriebs, der da geschlafen hat, wie >> zum Beispiel das Zitat aus dem Spiegel zeigt. > > -- > rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze > Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost > http://post.in-mind.de/pipermail/rohrpost/ > Ent/Subskribieren: http://post.in-mind.de/cgi-bin/mailman/listinfo/rohrpost/ hello | floriankuhlmann.com *** HOME@ *** twitter @fkuhlmann skype florian_kuhlmann -- rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost http://post.in-mind.de/pipermail/rohrpost/ Ent/Subskribieren: http://post.in-mind.de/cgi-bin/mailman/listinfo/rohrpost/
