Hi,

Am 16.09.2011 08:51, schrieb Georg Feddern:
.. dann mappen wir zwar nicht für Renderer, aber der Renderer wird zur eigenen DB mit Regeln, die eine eigene (weniger komplexe) Realität aus der abbilden, die in OSM ist. tolles Ding..


ein sehr schönes Beispiel!
Das zeigt nämlich genau das (Dein) Verständnisproblem.
Du vermischst immer noch Gebiete (Örtlichkeiten) mit der reinen Angabe der Nutzung der Fläche.

Es gibt __keine reine Angabe__ für die "Nutzung der Fläche". Lies bitte die mails der vergangen Tage, dann steigst Du dahinter..

Zusammenfassung für Dich:

- es gibt nicht DIE Granularität bei der Flächenerfassung - Mapper erfassen Flächennutzungen in unterschiedlichen Größenordnungen - was für den Mapper flächennutzungstechnisch interessant ist, ist für den anderen völlig irrelevant - dennoch gibt es einen Bezug zwischen allen Größenordnungen: die Flächengrenzen

An der Definition von "überwiegend" führt kein Weg vorbei, ansonsten lässt sich die Bodennutzung einer Fläche durch den Menschen gar nicht angeben, da eine Fläche i.d.R. von _vielen_ Menschen für _viele_ unterschiedliche Zwecke benutzt wird. Nur ist es eben oft so, dass eine oder wenige Nutzungen davon gegenüber den anderen "überwiegen". Wir erfassen nur die "überwiegende" Nutzung und nicht _alle_ Nutzungen. __Alle__ Nutzungen wären gar nicht erfassbar, da die gar nicht ermittelbar sind - was weißt Du denn, wie ein bestimmter Mensch XYZ die Fläche nutzt?

Weiter haben wir festgestellt, dass es keine Größenordnung gibt, die einem Mapper bei der Erfassung der "überwiegenden, realen Bodennutzung" vorgeschrieben werden kann. Wir können nicht sagen, die "überwiegende Bodennutzung" wird für Flächen der Größen "2-20ha" erfasst. Das ist Unsinn. Wir haben daher festgehalten, dass jeder Mapper die "überwiegende Bodennutzung" auf der Größe erfasst, die /ihm/ sinnvoll erscheint. Das können 20qm oder auch 2000ha sein. Weiterhin haben wir festgehalten, dass manche Datennutzer sich für Größenordnungen von 20qm, andere für 2000ha, wieder andere für 1qkm, etc. pp. interessieren.

vgl.:

- wenn ich mich für die Elbe-Radroute interessiere, möchte ich die Wege aus der Gesamtmenge _aller_ Wege erhalten, die zur Elbe-Radroute gehören

- wenn ich mich für die "überwiegende Bodennutzung" eines Forstgebietes interessiere, möchte ich die Flächen aus der Gesamtmenge _aller_ Flächen erhalten, die zum Forstgebiet gehören - interessieren mich nur die Flächen des Forstgebiets, die größer 1qkm sind, möchte ich alle Flächen, die kleiner gleich 1qkm sind, zusätzlich aus dieser Ergebnismenge entfernen - das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass sich die Gesamtfläche des Ergebnisses verkleinert!!

Bodennutzungsflächen können, je nachdem welchen Maßstab ein Betrachter anlegt, überlappen. Wenn mich nur die "überwiegende Bodennutzung" eines Waldgebietes interessiert, dann gibt es für die Behandlung von Bodennutzungsflächen, die wesentlich kleiner sind und innerhalb der Waldgebietsfläche liegen, exakt zwei Möglichkeiten:

1) sie werden vollständig vernachlässigt ("ich tue so, als ob sie überhaupt nicht erfasst wurden") - Konsequenzen:

Es existiert ein Waldgebiet. Das Waldgebiet wird _überwiegend_ für die Forstwirtschaft benutzt. Innenliegende Häuser und Wege ändern die Flächengröße des Waldgebietes nicht, sie sind ein Teil des Waldes. Daher ändert sich die Flächengröße auch dann nicht, wenn ich von einer "überwiegenden Bodennutzung" des Waldes durch die Forstwirtschaft spreche. Die Bodennutzung der kleineren Flächen der Häuser interessiert deshalb nicht, weil der Maßstab, der für die Erfassung der Bodennutzung angelegt wurde, diese nicht berücksichtigt.

Wenn ich von der "Forstwirtschaft in Wald X" spreche, ist jedem Holzfäller klar, dass er Bäume in Wald X fällen soll und nicht die Häuser, die evtl. auch Teil des Waldes sind, _ohne_ dass ich explizit erkläre: "Forstwirtschaft in Wald X", aber nicht "Hauswirtschaft auf Lichtung Y".

2) sie werden insofern vernachlässigt, dass ihre Fläche von der Ergebnisfläche abgezogen wird ("ich verringere die Waldgebietsfläche um alle Nutzungsflächen, die nicht der überwiegenden Nutzung der Gesamtfläche entsprechen") - Konsequenzen:

Es existiert ein Waldgebiet. Das Waldgebiet wird _rein_ für die Forstwirtschaft benutzt. Es gibt _keine_ innenliegenden Häuser und Wege innerhalb eines __rein__ für die Forstwirtschaft genutzten Waldgebietes, weil (Wohn)Häuser und Wege innerhalb des Waldgebietes _nicht rein forstwirtschaftlich_ genutzt werden und damit _nicht_ Teil des Waldgebietes, das für Forstwirtschaft genutzt wird, sind. Die Bodennutzung der kleineren Flächen interessiert auf _jedem_ Maßstab, insofern, als dass ihre Fläche von der "gröberen" abegzogen wird.



Setzt sich 2) für OSM durch, bedeutet das seehr viel Streit, denn /wer/ befindet über die "Reinheit der Bodennutzung". Es fängt doch schon beim Weg des Waldgebietes an. Muss ich seine Fläche aus einem überwiegend forstwirtschaftlich genutzten Waldgebiet ausnehmen, weil er _nicht_ überwiegend forstwirtschaftlich genutzt wird (sondern nur zu den Zeiten, zu denen die Forstwirtschaft tätig wird)? Ich denke nicht. 1) ist klar die bessere Methode "vorrangig Bodennutzung einer bestimmten Fläche" zu erfassen, ohne dabei Vorschriften zu machen, auf welcher Granularitätsebene das passiert.

Um aber die Größenordnungswelten, die dadurch entstehen, zu verbinden, sprich in Beziehung zu setzen, kommen wir auf lange Sicht nur mit einem Flächennetzwerk weiter. Die technische Möglichkeit dazu gibt es schon lange, multipolygone, aber ihre Nutzung ist bestenfalls dürftig.


Die einzelnen Wege entsprechen den landuse-Flächen, die Route entspricht dem Gebiet. Man erfasst auch nicht _nur_ die Elbe-Radroute an einem Stück in den Daten, weil die einzelnen Wege sonst zum Rauschen werden!
Sondern man erfasst die einzelnen Wege nach ihren Eigenschaften.
Und dann erfasst man das Gebiet / die Route _getrennt_!

Da hast Du nicht zu Ende gedacht.. Das ist doch _genau_ das, wo ich für die Flächenerfassung hin will. Man erfasst Flächen (multipolygone) und Flächengrenzen (ways) _getrennt_.



Alle Flächen gleicher Nutzung lassen sich aber problemlos automatisch zu einer Fläche /Multipolygon gleicher Nutzung zusammenfassen, wenn man es braucht, weil man sie entsprechend grafisch darstellen will.

Das ist nicht der Fall. Stelle Dir 2) (siehe oben) im Endszenario vor. Nun möchte ich _nur_ das gesamte Forstnutzungsgebiet rendern, indem ich Flächen gleicher Nutzung zusammenfasse. Welches "Einzugsgebiet" für die Flächenzusammenfassung willst Du dann verwenden? Nur unmittelbar zusammenhängende Flächen (die gleiche Grenzen haben)? Die Bodennutzungsflächen sind doch dann durch die exklusive Erfassung der Verkehrs- und Hausflächen so zerstückelt, dass ich gar nicht weiß, ob das dem Weg gegenüberliegende Stück gleicher Bodennutzung noch dazugehört, oder nicht.


Ebenso lassen sich Flächen unterschiedlicher Nutzung programmtechnisch zusammenfassen und einheitlich darstellen (=> kein Rauschen).
Nur darum ging es in dem  Argumenten.

Nein, darum ging es überhaupt nicht. Klar lassen sich Flächen automatisch zusammenfassen. Das steht doch in meiner mail. Es ging um das /WIE/, es ging darum, dass der Algorithmus, die Rechenvorschrift, das Regelwerk, /WIE/ diese Flächen dann /automatisch/ zusammengesetzt werden, bereits so komplex wird, dass dieses /WIE/ eher in den Daten abgebildet werden sollte (über ein Flächennetzwerk), als über ein Stück Software.

Die Software, der Algorithmus, macht nämlich dann nichts weiter, als Flächen in Bezug zueinander zu setzen. D.h. er erzeugt Datenstrukturen, die in der DB bereits hätten abgebildet, statt berechnet, werden können - denn unsere DB ist durch Relationen vollends in der Lage, Dinge in 'Bezug' zu setzen, also auch Flächen untereinander.


Die spezielle Gebietsinformation ("Dies ist das Wohngebiet mit dem Namen Soundso") natürlich nicht - die muss getrennt erfasst werden, wie eine Route!

aha, interessant.


Gruß,
Christian

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